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Ostholstein Von der Bäckertheke auf den legendären Jakobsweg
Lokales Ostholstein Von der Bäckertheke auf den legendären Jakobsweg
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21:17 31.05.2016

Der Wunsch wurde mit den Jahren immer stärker – und jetzt will sie sich ihn endlich erfüllen: Andrea Möller-Köpp aus Eutin geht auf Pilgerreise. Sechs Wochen hat sie Zeit für die 797 Kilometer lange Strecke des legendären Jakobsweges vom französischen St. Jean Pied-de-Port ins spanische Santiago de Compostela.

Der erste Stempel im Pilgerpasse ist schon drin: In ein paar Wochen sollen die weißen Seiten mit vielen Stempeln gefüllt sein. Quelle: E. Meier

Ende mit Urkunde

Santiago de Compostela ist das Ziel der Pilger, die sich auf den Jakobsweg begeben. Es liegt im Nordwesten Spaniens, in der Provinz Galicien. Dort findet sich die Kathedrale, in der die Gebeine des Heiligen Jakobs beigesetzt sind. Pilger, die die notwendigen Stempel gesammelt haben, erhalten dort auch die Compostela-Urkunde.

Wie oft sie in den vergangenen Monaten auf ihren bevorstehenden Urlaub angesprochen worden ist, kann die 42-Jährige gar nicht mehr zählen. Kein Wunder, ist sie doch in der Kreisstadt bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Immer gut gelaunt und den Kunden zugewandt, steht sie seit nunmehr zehn Jahren hinter dem Verkaufstresen der Bäckerei Klausberger am Markt. „Ich habe das Gefühl, halb Eutin nimmt Anteil“, freut sie sich, und sie erzählt: „Ich habe sogar schon eine Jakobsmuschel geschenkt bekommen und bin bestens mit Informationen und Tipps versorgt.“

Andrea Möller-Köpp hat ihre mittlerweile 18 Jahre alte Tochter allein großgezogen, „und nun muss mal etwas für mich ganz allein tun.“ Ihr Chef habe dankenswerterweise bestens mitgespielt und mit ihr eine Urlaubsregelung gefunden, die ausnahmsweise eine sechswöchige Abwesenheit am Stück zulässt.

„Wenn es gut läuft, sollte die Strecke durch die Pyrenäen in 32 Tagen zu schaffen sein“, hofft die sportlich wirkende Frau, „mir ist dabei schon klar, dass ich es mit rund 1500 Höhenmetern zu tun bekommen werde.“

Sie möchte das Gefühl genießen, einfach so in den Tag hineinleben zu können und nicht zu wissen, wo sie die nächste Nacht und den nächsten Tag verbringen wird. „Dabei schlafe ich außerhalb meiner eigenen vier Wände immer schlecht“, sagt sie, „mal sehen, wie ich das so hinkriegen werde.“

Knapp zehn Kilogramm will sie in ihrem Rucksack als einzigem Gepäckstück dabei haben, einschließlich eines integrierten Trinkgefäßes, das Wassernachschub erlaubt, ohne das Gepäck vom Rücken nehmen zu müssen: „Es sieht schon ein bisschen merkwürdig aus, so mit Hut und Rucksack. Keine Schminke, dafür ein richtiges Stück Kernseife zum Runterschrubben des Straßenstaubs. Das wird schon werden.“

Von Hamburg aus geht es zunächst mit dem Flugzeug nach Bilbao, dann ein bisschen mit dem Zug zum Ausgangspunkt des Pilgerweges. Ihren offiziellen Pilgerausweis hat sie schon – mit dem ersten Stempel auf Seite eins. Irgendwann Ende Juli soll er voll sein.

Natürlich hat sie das Buch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ gelesen. Seine Berichte haben sie nur noch bestärkt, das einsame Abenteuer auf sich zu nehmen. Auch wenn manchmal Zweifel aufgekommen sind: „Es gab schon Zeiten, da habe ich mich gefragt, ob ich nicht doch lieber All Inclusive irgendwo in der Sonne buchen sollte. Aber ich wollte auf den Pilgerweg, und nun ziehe ich das auch durch.“

Auf die Frage, ob sie religiös sei, antwortet Andrea Möller-Köpp: „Ja, schon. Ich habe schon mal das Vaterunser auf spanisch gelernt, und ich werde auch an den Messen entlang des Weges teilnehmen.

Die vielen guten Wünsche der Eutiner haben mir sehr gutgetan. Ab dem 6. Juni werde ich jetzt sehen, was da auf mich zu kommt. Die Vorfreude ist jedenfalls inzwischen riesengroß.“

Eckhard Meier

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