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Ostholstein Von der Rock-Kneipe in die Timmendorfer Galerie
Lokales Ostholstein Von der Rock-Kneipe in die Timmendorfer Galerie
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18:22 10.09.2016

Für Achterbahnfahrten braucht es robuste Typen, Typen wie Florian Seyer – 1,90 Meter groß, um die 130 Kilo schwer, breite Schultern, Jeans und Lederjacke.

Und tatsächlich hat der 48-Jährige eine Achterbahnfahrt hinter sich, die unter anderem von einer Rock-Kneipe bis in die Kunstgalerie in der Timmendorfer Trinkkurhalle führte. In Neustadt geboren, wächst er an der Küste und in Lübeck auf, meist bei den Großeltern, „und ich habe viel zu früh allein gewohnt“. Florian Seyer schmeißt das Abi, bricht Ausbildungen ab, arbeitet in der Gastronomie und als Türsteher. Die Subkulturen ziehen ihn an, „im Rider’s Café bin ich sozusagen groß geworden“. 2001 macht er sich mit einer Rock-Kneipe selbstständig, dem „Angus“ in der Lübecker Marlesgrube. 2009 verkauft er das „Angus“ und kann es doch nicht lassen, sondern eröffnet ein paar Hundert Meter weiter in der Beckergrube das „Dr. Rock“, einen Club fürs bodenständige Publikum, den er nach drei Jahren wieder abgibt. Er geht aufs Land, legt mit dem „Back to the Roots“ in Braak los. Dann ändert ein Unfall im November 2012 alles. Nahe Wulfsfelde kommt ihnen ein Auto entgegen, berichtet Seyer, er weicht aus, sein Jeep kracht in einen Graben. Ergebnis: zweiter Halswirbel gebrochen, schwer geschädigte Lunge, diverse Armbrüche. Seyer liegt wochenlang im Koma und monatelang am Beatmungsgerät.

Die damalige Prognose?: Pflegeheim. Er muss sitzen und später laufen lernen, kämpft sich weg vom Gehwagen. Seyer gibt irgendwann auf, verbringt wegen Suizidgefährdung einige Wochen in der Psychiatrie. „Das war der Tiefpunkt“, sagt er. Schließlich dachte er: Jetzt muss etwas passieren. Ich suche mir wieder eine Aufgabe. Er unterstützt zunächst ehrenamtlich eine syrische Flüchtlingsfamilie. Dann entdeckt er eine Zeitungsanzeige: Anja Es sucht eine Aushilfe für ihre Galerie in der Timmendorfer Trinkkurhalle. Er sagt: „Ich wirkte wahrscheinlich wie ein Elefant im Porzellanladen.“ Aber die Chemie stimmte, „und ich bin lernfähig“. Ein neues Leben beginnt.

Sabine Latzel

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