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Ostholstein Von der Ur-Sehnsucht nach dem Meer
Lokales Ostholstein Von der Ur-Sehnsucht nach dem Meer
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20:12 20.08.2016

Timmendorfer Strand. Da half auch alle Kunst nicht weiter: Ein Opfer des gewaltigen Verkehrsstaus auf der A 1 am Freitagvormittag wurde auch der Maler Claus Tegtmeier, der stundenlang mit zahlreichen anderen Leidensgenossen auf der Autobahn stand. Erst mit einiger Verspätung konnte er seine Bilder in der Timmendorfer Trinkkurhalle hängen, wo sie seit gestern gezeigt werden – und das geplante Interview fand per Telefon statt.

LN: Herr Tegtmeier, wo sind Sie gerade?

Claus Tegtmeier: Auf der A 1, Höhe Reinfeld. Hier geht nichts mehr. Die Leute sind alle ausgestiegen und machen Urlaub auf der Autobahn. Es bleibt einem ja auch nichts anderes übrig.

Was haben Sie im Gepäck?

Tegtmeier: Um die 40 Bilder, mittlere und große Formate, Öl auf Leinwand.

Mit Motiven vom Meer?

Tegtmeier: Ja, auch. Die Werke zeigten beispielsweise die Ostsee-Küste, Strandkorb-Szenen oder Wasser in Gegenlicht-Situationen. Aber ich habe auch andere Bilder dabei, etwa aus dem Morsum-Kliff-Projekt, die Kliffgestein und geologische Koordinaten-Angaben enthalten.

Sind Besonderheiten dabei?

Tegtmeier: Ja, sicher. Zum Beispiel das Bild „Ocean Day“, das vier Meter breit ist und den Horizont an zwölf Stunden eines Tages zeigt – in immer anderem Licht, bei Ebbe und bei Flut, insgesamt ein großes Gesamtpanorama. Ein ähnliches Thema habe ich zudem auf Spiegelglasfläche gemalt.

Welches Meer ist schöner – die Nordsee oder die Ostsee?

Tegtmeier: Das kann ich nicht sagen. Ich male beide sehr gern, wichtig ist nur, dass die Wassersituation interessant ist. An der Ostsee finde ich den hellen Sand spannend, die Grüntöne oder auch die Transparenz des Wassers.

Und die Orte? Ist Sylt besser oder Timmendorfer Strand?

Tegtmeier: Das kann man nicht direkt vergleichen. Sylt erlebe ich als herber, stürmischer, dramatischer. Timmendorf an der eher lieblichen Ostsee hat aber auch seinen eigenen Charme – die Bäderkultur, die Strandszenen, die Kieferwäldchen, und überall lugt das Meer hindurch.

Wird es nicht langweilig, immer wieder das Wasser zu malen?

Tegtmeier: Nein. Ich male ja auch nicht nur das Meer, sondern auch die Küsten, die Strandlinie als Nahtstelle oder das Himmelsvolumen, das sieht alles immer unterschiedlich aus.

Sie malen auch oft Segelboote – können Sie selbst denn auch segeln?

Tegtmeier: Ja, ich segele oft bei Freunden mit und habe einen scharfen Blick für die Segelei – allerdings kein eigenes Boot. Außerdem bin ich in meiner Jugend zur See gefahren.

Maritime Motive sind überaus beliebt – warum eigentlich?

Tegtmeier: Ich glaube, dass es eine Ur-Sehnsucht gibt nach Wasser, Himmel und Meer. Das Wasser ist permanent lebendig. Ich bin selbst am Wasser aufgewachsen, und es hat mich nie losgelassen.

Deswegen müssen meine Wohnsitze auch am Wasser liegen.

Zum Abschluss: Wie sehr haben Sie in den vergangenen Stunden die A 1 liebgewonnen?

Tegtmeier: (lacht) Ich habe diese Autobahn schon immer als Problemfall empfunden. Ich kenne das ja, und man kann nicht sagen, dass mir die A 1 heute besonders ans Herz gewachsen ist.

Interview: Sabine Latzel

LN

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