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Ostholstein Von kostenlosen Kitas zu mehr Polizei – Politik liegt in der Luft
Lokales Ostholstein Von kostenlosen Kitas zu mehr Polizei – Politik liegt in der Luft
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11:49 23.04.2017
Die „Herrenrunde“ mit den CDU-Politikern Tim Brockmann und Hartmut Hamerich.
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Eutin

Die einen wollten „wichtige Fragen stellen, die auch mal in die Tiefe gehen“, die anderen interessierten sich für die Kandidaten selbst. Zur LN-Politik-Hopping-Premiere im Vorfeld der Landtagswahl nutzten zwölf LN-Leser im Eutiner Brauhaus die Chance zum Dialog. Sie sprachen in fünf Runden an fünf Tischen jeweils zwölf Minuten lang mit Politikern aus den Wahlkreisen 16 (Plön-Ostholstein) und 18 (Ostholstein- Süd).

Neues Talk-Format im Eutiner Brauhaus – Kandidaten stellen sich den LN-Lesern.

„Welches ist für Sie das drängendste Problem, das Sie in den nächsten fünf Jahren lösen wollen?“, wurden die SPD-Landtagsabgeordneten Regina Poersch und Sandra Redmann gefragt.

Übereinstimmend verwiesen sie auf das Ziel beitragsfreie Kindertagesstätte: „Wenn wir in fünf Jahren fünf Schritte weiterkommen, kann es niemand mehr zurückdrehen.“ Zugleich müsse aber auch die Qualität in den Einrichtungen gestärkt werden. Mehrfach angesprochen wurden sie auf ihre jeweiligen Spezialgebiete: Redmann zu Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft, Poersch zu Europa, Wirtschaft und Tourismus.

Um „Absurditäten beim Wahlkreiszuschnitt“ ging es unter anderem im Gespräch mit Ulf-Michael Cosmus und Norbert Schuster. „Süsel und Eutin gehören zwar zu einer Verwaltung, aber unterschiedlichen Wahlkreisen“, so Poersch. Gelobt wurde auch hier am Tisch das neue LN-Format, das eine „sachliche Auseinandersetzung“ ermögliche und nicht nur den „Schlagabtausch wie bei Podiumsdiskussionen“.

Hart ins Gericht ging Barbara Gillen mit dem Grünen Martin Drees: „Wie kann es angehen, dass viele Menschen dadurch drangsaliert werden, dass Verkehrsprojekte wie die A 20 nicht fertig werden?“

Drees konterte, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass „jede neue Straße mehr Autos nach sich zieht“. Wenn man noch 30 Jahre Berufstätigkeit vor sich habe, müsse sich jeder fragen, ob es nicht besser sei, umzuziehen, statt täglich zu pendeln.

Beim Thema Renten sagte Drees, selbst Sozialpolitiker: „Bei uns finden Sie damit offene Ohren.“ Eine Fachkommission habe ein Konzept entwickelt, nach dem – ähnlich wie in der Schweiz und in Skandinavien – die Renten sicher seien.

Beifall gab’s für Jörg Hansen und seine Ablehnung von Straßenausbaubeiträgen durch Anwohner: „Das ist ein Stück Daseinsvorsorge des Staates.“ Der Kandidat der FDP bedauerte, dass der Sportunterricht derzeit ein „Nischenthema“ sei. Dies müsse dringend geändert werden. Kritik musste Hansen für seine ablehnende Haltung zur Gesamtschule einstecken. Er hielt dagegen und sagte, die Rahmenbedingungen stimmten nicht. Es gebe zu wenig Lehrer, erst wenn sich dies ändere, könnte das System funktionieren. Das gelte auch für die Inklusion. Beim Thema Sicherheit forderte er „mehr Polizei für den ländlichen Raum“.

Das Eutiner Ehepaar Schiller konfrontierte Hansen ebenso wie den CDU-Landtagsabgeordneten Hartmut Hamerich und den CDU-Bewerber Tim Brockmann mit der Forderung nach einem besseren Radwegenetz, für die sich alle offen zeigten. Der Kreis habe eine Prioritätenliste, so die Unions-Politiker. Es würden nur Radwege gebaut, die mit anderen verbunden werden könnten. Aber auch nicht so stark befahrene landwirtschaftliche Wege könnten vermehrt genutzt werden. „Auch der Fahrradtourismus ist ein wichtiger Punkt“, sagte Hamerich. Beim Thema Bildung zeigten sich beide als Anhänger der dualen Ausbildung. Tim Brockmann betonte, ihm sei wichtig, dass Schüler Handys nicht nur benutzen können, sondern über so viel technisches Wissen verfügen müssten um zu begreifen, wie sie funktionieren.

Thomas Misch von den Freien Wählern sieht den Kampf gegen die Altersarmut als einen Schwerpunkt. Er will sich zudem für eine Verbesserung des Bildungssystems einsetzen: „Keine Schulschließungen mehr und kein G 8. Kinder müssen neben dem Lernen auch noch Zeit für andere Dinge haben.“ Er sprach sich gegen die Schließung kleiner Polizeistationen aus und gegen einen Nordstaat. „Gerade in Zeiten der Globalisierung wollen die Menschen ein Stück Geborgenheit behalten.“

Zwölf LN-Leser wollten viel wissen

Die Teilnehmer des Politik- Hoppings der LN – acht Männer und vier Frauen, alle am politischen Geschehen interessiert, stellten den Kandidaten ihre Fragen. Sie sind zwischen 32 und 77 Jahre alt, kommen aus den Gemeinden Timmendorfer Strand, Ratekau, Süsel, Scharbeutz und Eutin. Einige sind bereits im Ruhestand, andere arbeiten als Krankenschwester, Lehrer, Polizeibeamter, Schulrektor oder in kaufmännischen Berufen.

Kandidaten stellen sich vor

Zum Politik-Hopping im Eutiner Brauhaus begrüßte LN-Ressortleiterin Martina Janke-Hansen (3. v. r.) neben Thomas Misch (links, Freie Wähler), die Direktkandidaten der im schleswig-holsteinischen Landtag vertretenen Parteien für die Wahlkreise 16 (Plön-Ostholstein) und 18 (Ostholstein-Süd). Es diskutierten Sandra Redmann (2. v. l., SPD), Hartmut Hamerich (CDU), Martin Drees (Bündnis 90/Die Grünen), Jörg Hansen (FDP), Regina Poersch (SPD) und Tim Brockmann (CDU).

 cd/mec/jhw

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