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Ostholstein Vorfahrtsregelung verwirrt Radfahrer
Lokales Ostholstein Vorfahrtsregelung verwirrt Radfahrer
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21:12 12.01.2017
Radfahrer müssen an der Ecke Göhler Straße/Ostlandstraße Autos die Vorfahrt lassen. Hakan Özoglan kritisiert diese Regelung. Quelle: Foto: Binder

Mal hat der Radfahrer Vorfahrt, mal der Autofahrer – die Verkehrsregelung in der Göhler Straße wirkt auf den ersten Blick wie ein Verwirrspiel. „Die Verkehrssicherheit fördert dieses Durcheinander bestimmt nicht“, kritisiert Hakan Özoglan, Kripo-Beamter und selbst begeisterter Fahrradfahrer. Dass die Vorfahrtsregelung nicht einheitlich sei, könne die Situation unübersichtlich und dadurch auch gefährlich machen, warnt er. Bei der Stadtverwaltung sind die Bedenken – die offenbar viele Einwohner teilen – bekannt. Die Vorschriften ließen aber keine andere Beschilderung zu, heißt es.

Derzeit gilt für Radfahrer in der Göhler Straße: An einigen Stellen dürfen sie auf dem Radweg entlang der Vorfahrtsstraße als Erster fahren, anderenorts müssen sie zunächst Autofahrer vorbeilassen.

Während sie beispielsweise an den Ecken Adolf-Friedrich-Straße und Am Kuhhof den Vorzug haben, werden die Radler an der Einmündung zur Ostlandstraße und bei Edeka durch „Vorfahrt gewähren“-Schilder gebremst.

„Was soll denn das für einen Sinn haben, dass man abwechselnd Vorfahrt und keine Vorfahrt hat?“, fragt Hakan Özoglan genervt. Er sieht „durch diesen Schildbürgerstreich die Verkehrssicherheit gefährdet und Radfahrer benachteiligt“. Mit Blick auf die vielerorts sanierungsbedürftigen Radwege in Ostholstein sei die Situation für Radfahrer ohnehin nicht die beste – würden sie nun noch gezwungen, an einer Vorfahrtsstraße ständig für Autofahrer anzuhalten, sei das „nicht der Weg, mehr Menschen fürs Fahrrad zu begeistern“.

Jörg Saba von der Stadtverwaltung bestätigt, dass die wechselnde Vorfahrtsregelung regelmäßig bemängelt werde. Der Stadt seien jedoch die Hände gebunden; eine Änderung sei nicht möglich. Das Ganze sei eine Folge des Ausbaus der Göhler Straße, erklärt Sabas Kollegin Annika Atzpodien. Die Regelung sei tatsächlich kurios, gibt sie zu, sei von der Verkehrsbehörde des Kreises allerdings so vorgegeben. Weil der Radweg an einigen Kreuzungen verschwenkt worden sei, sei der Abstand zur Fahrbahn dort nun so groß, dass Radfahrer dort keine Vorfahrt mehr haben dürften. Das sei nur erlaubt, wenn der Radweg direkt neben der Straße verlaufe. Vorgegeben werde dies durch die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“, kurz ERA (siehe Infotext).

Claudia Leibrandt, Fachgebietsleiterin Verkehrsaufsicht und Fahrerlaubnisbehörde beim Kreis, bestätigt, dass die ERA grundsätzlich für Verkehrsregelungen auf Radwegen in Ostholstein herangezogen werde. Darin werde allgemein empfohlen, Radverkehr auch parallel zu Vorfahrtsstraßen aus Sicherheitsgründen „nicht bevorrechtigt über die untergeordnete Straße zu führen“. Das solle nur in Ausnahmefällen geschehen und nur, wenn der Radweg maximal zwei Meter entfernt vom Fahrbahnrand verläuft. Vielmehr sollten laut ERA Rad- und Fußwege auf eben die Art verschwenkt werden, wie es entlang der Göhler Straße stellenweise geschehen ist, zitiert Leibrandt. „Diese Vorfahrtsregelung hat sich bewährt“, sagt sie, „insbesondere an viel befahrenen Einmündungen wie zum Beispiel zu Einkaufszentren“. Dass es durch die Richtlinien durchaus zu unterschiedlichen Vorfahrtsregelungen im Verlauf einer Straße kommen könne, habe bisher nicht zu negativen Erfahrungen geführt.

Dass „Vorfahrt gewähren“-Schilder nur für Radfahrer aufgestellt wurden und nicht auch für Fußgänger, liegt laut Leibrandt übrigens daran, dass Fußgänger laut Straßenverkehrsordnung an Kreuzungen immer wartepflichtig seien. Sie müssen „Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zügig“ überschreiten, heißt es dort. „Aufgrund der gesetzlichen Regelung bedarf es keiner zusätzlicher Verkehrszeichen“, so Leibrandt.

ERA: Regelwerk für den Radverkehr

Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, kurz ERA, wurden von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen mit Sitz in Köln herausgegeben. Ein spezieller Arbeitskreis hat das Regelwerk entwickelt.

Berücksichtigt wurden dabei Stellungnahmen von Ländern, Kommunen, Verbänden, der kommunalen Spitzenverbände sowie der Arbeitsgruppe ERA des Bund-Länder-Fachausschusses Straßenverkehrsordnung.

Radfahrer sollten laut ERA an Straßenkreuzungen aus Sicherheitsgründen keine Vorfahrt haben. Empfohlen wird, Radwege zu verschwenken und Radler durch Schilder auf ihre Wartepflicht aufmerksam zu machen.

 Jennifer Binder

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