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Vorsicht Falle: Die Tricks der Drücker

Neustadt Vorsicht Falle: Die Tricks der Drücker

Nach unseriösen Anrufen erhält eine Neustädterin plötzlich einen Wechselantrag zu einem Stromanbieter in Süddeutschland. Dieser räumt jetzt „fehlerhaftes Verhalten“ ein. Die Stadtwerke raten in solchen Fällen zur Skepsis.

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Marianne Neumann (l.) schildert Stadtwerkeleiterin Vera Litzka und ihrem Kollegen Lars May ihre Erlebnisse.

Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter, Hfr

Neustadt. Sie versprechen günstige Konditionen, locken mit Rabatten und wollen natürlich nur informieren. Für wen sie arbeiten, bleibt oft schleierhaft. Der Energiesektor ist umkämpft. Neben lokalen Versorgern werben Großkonzerne um Kunden. Jeder Vertrag zählt. Doch nicht jeder Abschluss ist rechtens. Die Gefahr, betrogen zu werden, ist groß. Auch die Stadtwerke Neustadt warnen regelmäßig vor dubiosen Haustür-Abschlüssen und Anrufen. Erst vor wenigen Tagen ereignete sich ein Fall, den Werkleiterin Vera Litzka als besonders dreist beschreibt.

Als die LN Marianne Neumann treffen, merkt man ihr den Ärger an. Die Neustädterin fühlt sich hintergangen. Eigentlich sollte sie Werbeinfos bekommen, dann lag ihrem aktuellen Anbieter, den Stadtwerken Neustadt, plötzlich ein Antrag zum Vertragswechsel vor. Ausgestellt von Badenova, einem Energiedienstleister aus Freiburg. „Ich habe am Telefon gleich abgeblockt. Ich wollte nicht wechseln und nehme lieber in Kauf, ein wenig mehr zu bezahlen — sonst muss ich am Ende wieder draufzahlen“, betont sie. Dann erzählt sie, dass sie zweimal von einem Unternehmen kontaktiert worden sei, das sich als Energie-Verbraucherzentrale ausgegeben habe. Klingt vertrauenserweckend, ist es aber nicht. Gibt man die Nummer bei einer Internet-Suche ein, finden sich Dutzende Beschwerden von Bürgern bundesweit.

Lars May, Leitung Marketing und Vertrieb, kennt Maschen wie diese. „Häufig sind es klassische Drückerkolonnen, die gehen von Haustür zu Haustür und stellen sich in unserem Namen vor“, sagt er. Oft geschehe dies mit illegalen Mitteln, was unlauterer Wettbewerb sei. Gearbeitet werde auf Provisionsbasis. Nur wer Kunden gewinnt, verdient Geld. Vera Litzka geht davon aus, dass es Firmen gibt, die Kundendaten an andere Unternehmen rausgeben. „Die wussten, dass ich vorher bei RWE war, hatten meinen Zählerstand“, erinnert sich auch Marianne Neuman. Badenova selbst bestätigt den Vorfall gegenüber den LN und drückt sein Bedauern aus. Yvonne Schweickhardt, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sagt, dass ein Vertriebspartner ihres Unternehmens im Kreis Ostholstein unterwegs war und mit Marianne Neumann gesprochen hat. „Wir müssen einräumen, dass es eine unsachgemäße Kommunikation gab. Wir werden uns entschuldigen, da wir sehr bestrebt sind, einen guten, verlässlichen Service zu bieten und keine fragwürdigen Methoden“, führt Schweickhardt aus. Darüber hinaus versichert sie, dass die Neustädterin nichts weiter tun müsse. „Selbstverständlich sind alle Verträge null und nichtig — und Frau Neumann bleibt Kundin der Stadtwerke.“

Doch selbst wenn Badenova nicht reagiert hätte, dürfte Marianne Neumann nichts zu befürchten haben. Sie hat rechtzeitig gehandelt und per Einschreiben einen Widerruf rausgeschickt. Damit sei sichergestellt, dass der von Badenova anvisierte Wechsel zum 1. April nicht klappt. „Außerdem haben wir die Anfrage des Unternehmens abgelehnt“, betont Lars May.

Davon abgesehen versichert Vera Litzka, dass Werbeanrufe und Haustürgespräche Formen der Kontaktaufnahme seien, die die Stadtwerke nicht praktizieren. „Wir gehen nicht irgendwo unangemeldet hin. Wir rufen vorher an und alle Mitarbeiter haben Dienstausweise“, so die Werkleiterin.

Anwalt Jens Luig gibt Tipps für Verbraucher

Der Lübecker Rechtsanwalt Jens Luig arbeitet mit der Verbraucherzentrale zusammen und erklärt, wann Verträge gültig sind und wie sich Kunden gegen unseriöse Angebote wehren können.

Ab wann ist ein Vertrag bindend?

Jens Luig: Es reicht für einen wirksamen Vertrag nicht aus, wenn der Verbraucher bloß seine Adresse mitteilt. Ein Beispiel: Beim Bäcker erwirbt man auch kein Brötchen, wenn man bloß sagt, wo man wohnt. Ein Vertrag besteht vielmehr aus einem Angebot des Anbieters (Preis, Leistung, Laufzeit etc.) sowie aus einer Annahme des Angebotes durch den Verbraucher (ein klares: ja, das will ich so). Was viele nicht wissen: Der Vertrag am Telefon muss vom Anbieter bewiesen werden.

Was mache ich, wenn ich einen Vertrag bekomme, dieser aber erst zugestellt wird, wenn die Widerrufsfrist abgelaufen ist?

Luig: Die Widerrufsfrist beginnt erst dann zu laufen, wenn der Verbraucher schriftlich über das Widerrufsrecht informiert wird.

Ist es gängige Praxis, dass bestimmte Unternehmen Verbraucher kontaktieren und ihnen Verträge verkaufen, die sich später als deutlich teurer herausstellen?

Luig: Im telefonischen Gespräch kann man die teilweise komplizierten Preisgeflechte der Anbieter nicht immer spontan überblicken. Zudem sind die Telefonverkäufer geschult und geschickt in der Kommunikation. Sehr häufig stellt sich der Vertrag später teurer als zunächst wahrgenommen dar. Aus diesem Grund gewährt das Gesetz dem Verbraucher bei den Fernabsatzverträgen in der Regel ein Widerrufsrecht, um sich von spontan getroffenen Entscheidungen lösen zu können.

Wieso wird immer wieder der Name der Stadtwerke genutzt, wenn sich solche Personengruppen melden — ganz gleich ob telefonisch oder per Anruf?

Luig: Grundsätzlich versuchen sich die Callcenter, Vertragsvermittler und Anbieter seriös zu präsentieren. Man sollte immer nachfragen, mit wem man eigentlich spricht und welches Unternehmen anruft.

Sollten man überhaupt einen Strom- oder Gasvertrag am Telefon abschließen?

Luig: Das ist Geschmackssache. Ein telefonischer abgeschlossener Vertrag ist zwar kein Teufelszeug, wenn der Anbieter seriös arbeitet und der Verbraucher ausgeschlafen ist. Bei einem schriftlichen Vertrag haben Sie aber den Vertragsbeweis selbst in der Hand. Die telefonische Anwerbung von Neukunden hat der Gesetzgeber stark eingeschränkt. Wird man spontan zur Unzeit angerufen, würde ich unkonzentriert weder Strom- noch Gasvertrag am Telefon abschließen.

Interview: Sebastian Rosenkötter

Sebastian Rosenkötter

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