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Ostholstein Vorzeige-Bau in Neustadt: Geduldsprobe für die Stadtwerke
Lokales Ostholstein Vorzeige-Bau in Neustadt: Geduldsprobe für die Stadtwerke
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22:33 10.08.2018
Mit einem Tag der offenen Tür präsentierten die Stadtwerke Neustadt am Freitag ihren neuen Hauptsitz an der Neukoppel 2. Für die Kinder gab es Bungee-Trampolin, Kletterwand und Flugsimulator, für die erwachsenen Gäste bei Führungen durchs Haus ungehinderte Einblicke in Bau und Gelände. Vera Litzka (Foto), Werkleiterin und Bauherrin der neuen SWNH, ist stolz auf den Neubau. Fertigstellung und Umzug seien nun greifbar nah.  Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter (4)
Neustadt

Die LN treffen Diplom-Ingenieurin Susanne Korhammer (TARA Ingenieurbüro NordWest GmbH & Co. KG) kurz vor dem Tag offenen Tür (siehe Beistück) mit zahlreichen geladenen Gästen. Korhammer ist Fachfrau für Energieeffizienz. Sie spricht von Nullemission und Ressourceneffizienz. Die drei Gebäude am Ortseingang von Neustadt sollen möglichst wenig Energie verbrauchen (geplant sind 89000 Kilowattstunden pro Jahr) und wenig Kohlendioxid (CO2) verursachen. Dies gilt nicht nur für den Betrieb, sondern bereits für die verwendeten Baumaterialien.

Der Neubau der Stadtwerke Neustadt gilt als ökologisches Vorzeigeprojekt. Ein Gang über die Baustelle bestätigt diesen Eindruck. Fakt ist aber auch, dass sich die Fertigstellung weiter verzögert, die Mitarbeiter erst Anfang Oktober einziehen sollen. Zudem könnten die Kosten ansteigen.

Sessel aus der Wallburg, Glaswände von Philips

Die Glaselemente, die die Büros und Flure voneinander trennen, waren noch vor einigen Jahren teil der Philips-Zentrale in Hamburg. Für die Eichenholz-Fassade wurden keine Bäume gefällt, sondern Holz genommen, das zuvor in Fachwerkgebäuden verbaut war. Im Eingangsbereich sollen Sessel aus dem ehemaligen Neustädter Hotel „Wallburg“ stehen und das Blockheizkraftwerk für die Wasserbereitung stammt aus dem noch aktuellen Unternehmenssitz der Stadtwerke im Ziegelhof. Korhammer betont, dass die CO2-Bilanz von Gebraucht-Bauteilen besser ausfalle. Dadurch sinke die Herstellungsenergie deutlich.

Beim Gang durch das zukünftige Verwaltungsgebäude sind die kilometerlangen Versorgungsleitungen noch gut erkennbar. Bald werden sie hinter Zwischendecken verschwinden. In den Büros selbst sind keine Heizkörper zu sehen. Stattdessen werden Deckenstrahlplatten genutzt. Mit denen lässt sich die Temperatur auch senken. Dafür soll aus etwa 90 Metern Tiefe ganzjährig zehn Grad kaltes Grundwasser hochgepumpt werden. Dieses könne je nach Bedarf temperiert werden.

Frische Luft wird indes per Versorgungsleitung in jedes Büro gepumpt. Anschließend zieht die verbrauchte Luft durch Schlitze unter den Türen ins Gebäudeinnere, von wo aus sie in Richtung Dach befördert und ausgestoßen wird. Für „Frischluftfanatiker“ gibt es herkömmliche Fenster sowie ein Element, das sich auch an Regentagen öffnen lasse. Blendschutz, Lamellen und Rollos sollen ebenfalls zum Komfort beitragen.

All das kostet viel Geld. Zuletzt nannte Werkleiterin Vera Litzka Ende vergangenen Jahres die Summe von 8,79 Millionen Euro. Damals ging sie davon aus, Anfang Juni mit ihren rund 70 Mitarbeitern einziehen zu können. Ob das Projekt aufgrund der erneuten Verzögerung um mehrere Monate teurer wird, ließ Litzka offen. Es würden noch nicht alle Rechnungen vorliegen. Die Bauarbeiten liefen noch.

Beschlossen sei, dass Lager, Werkstatt und Verwaltung zwischen dem 1. und 6. Oktober umziehen. „In den kommenden Tagen wird schon das Archiv umziehen und auch diverse gepackte Kartons werden in die Neukoppel transportiert“, so Litzka.

Beschädigte Bauteile

wurden geliefert

Dass sich der Termin zum wiederholten Mal verschoben hat, begründet die Werkleiterin mit unvorhersehbaren Lieferverzögerungen von Materialien und Bauteilen. Der Ausbau und die Restarbeiten im Innenausbau seien nicht planmäßig vorangekommen. „Es handelt sich unter anderem um Brandschutzelemente, die nicht rechtzeitig geliefert wurden“, erläutert Litzka. Auch erscheine die Option eines Teilumzug nicht sinnvoll. Hinzu komme, dass teilweise beschädigte Bauteile geliefert worden seien, „deren Umtausch genauso lange dauert wie eine Neubestellung“.

Der derzeit laufende Innenausbau soll bis Ende August fertiggestellt, die Außenanlagen bis Ende September komplettiert werden. „Der ganze September wird genutzt, um die technische Inbetriebnahme vorzunehmen und auch die Steuerung der Energieversorgung der Stadt Neustadt in Holstein vom Ziegelhof in die Neukoppel umzuschalten“, sagt Werkleiterin Vera Litzka.

Von Sebastian Rosenkötter

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