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Ostholstein Wählen - für sie eine Bürgerpflicht
Lokales Ostholstein Wählen - für sie eine Bürgerpflicht
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20:47 21.04.2017
Barrierefrei: Das Tabea ist eines von sechs Wahllokalen in Burg. Quelle: GJS

 Sie müssen noch nicht einmal eine Briefwahl beantragen. Denn im Tabea ist eines der sechs Wahllokale in Burg.

Einfacher und barrierefreier geht es nicht.

„Bei vielen besteht noch ein Interesse. Vor der Bürgermeisterwahl auf Fehmarn haben sich alle Kandidaten bei uns im Haus vorgestellt“, betont Einrichtungsleiterin Anna Krüper. Wer es selbst nicht mehr kann, für den wird jeden Tag aus der Zeitung vorgelesen. Allerdings: Von den 57 Bewohnern sind etwa 60 Prozent dement. Krüper: „Die vergessen das, ihre Aktivitäten sind stark eingeschränkt.“

Nicht so bei dem Damen-Trio, das sich auf den Besuch des LN-Redakteurs vorbereitet hat. „Ich bin immer zur Wahl gegangen, denn ich war immer ein sehr politisch orientierter Mensch“, betont Christa Müssener. Jahrelang war sie früher in der SPD aktiv, bis sie nach einem parteiinternen Krach austrat.

Sie gibt ganz klare Beurteilungen zu den Parteien ab, die jetzt für den Landtag – und später im Jahr für den Bundestag – kandidieren. So sieht Müssener in der „lange herumdümpelnden SPD“ den großen Aufbruch, befürchtet aber, dass sich Martin Schulz bis September „verbraucht“ haben könnte. Bei der CDU reiht sie eine Vielzahl an Kritikpunkten auf, in der FDP findet sie zumindest Kubicki sehr gut, die AfD bewertet sie als „inakzeptabel“. Und die Links-Partei gilt für sie als „absolut nicht schlecht, aber zu weit von der Realität entfernt“. Kurzum: Ihre Stimme wird sie den Grünen geben: „Die sind am nächsten am Bürger dran.“

Auch Adelheid Grünig macht aus ihrer Wahl kein Geheimnis. „Ich war schon immer für die SPD“. Der Zufall will es, dass auch die Dritte im Bunde sich für die SPD ausspricht. Brunhilde Tschöpe: „Das bedeutet nicht, dass ich mich manchmal über sie ärgere.“

Klar ist für alle drei: Wählen ist eine Bürgerpflicht und für sie daher eine Selbstverständlichkeit. Grünig: „Ich kann doch nicht bei der Wahl wegbleiben und dann hinterher meckern.“ Ähnlich sieht es Tschöpe, obwohl sie realistisch bleibt: „Wenn ich nicht hinginge, würde sich im Landtag trotzdem nicht viel ändern.“

An den Landesthemen bewegt sie vor allem die geplante feste Beltquerung. Grünig: „Die Pläne finde ich nicht gut. Wir sind eine Ferieninsel. Wenn der Tunnel kommt, haben wir viel zu viel Durchgangsverkehr, und die Insel geht kaputt.“ Ähnlich rigoros tritt sie gegen große Schweinemast-Betriebe ein.

Die Einflussnahme aus der Landeshauptstadt in Sachen Belttunnel stuft Müssener als gering ein: „Da drehen andere am Rad.“ Auch Tschöpe, deren Ehemann mit der Eröffnung der Vogelfluglinie als Zöllner nach Puttgarden kam, wahrt eine kritische Distanz: „Wir haben sowieso schon genug Raubbau an der Umwelt betrieben.“

 Gerd-J. Schwennsen

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