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20:00 24.11.2018
Spaziergang im Herbstwald: Ostholstein verfügt nur über elf Prozent Waldfläche. Quelle: Peyronnet
Ostholstein

Der Waldbestand in ganz Schleswig-Holstein und in Ostholstein ist zwischen 1981 und heute von neun auf elf Prozent gewachsen. Das sei aber noch viel zu wenig, findet Eckehard Heisinger, ehemalige Revierförster in Ahrensbök und Vorstandsmitglied des Bundes Deutscher Forstleute. „Wir hätten jedes Jahr 1000 Hektar aufforsten können, 2014 haben wir mit Ach und Krach gerade mal 170 Hektar hingekriegt.“

Ziel der Landesregierung sei es sogar, den Waldanteil auf zwölf Prozent zu steigern, heißt es aus dem Kieler Umweltministerium auf LN-Anfrage. „Dies ist aber ein Langfristziel, das derzeit angesichts der bestehenden Flächenkonkurrenz und der hohen Flächenpreise nur in kleinen Schritten verfolgt werden kann. Die Schaffung von 1000 Hektar Neuwald pro Jahr ist daher derzeit nicht möglich“, schränkt Ministeriumssprecher Joschka Touré ein. Wer aufforstet, ob als privater Flächeninhaber oder als Kommune, kann aber Fördermittel beantragen.

Mehr Bäume sollen Klimawandel begrenzen

Gesunde, zusammenhängende Wälder seien eine gigantische Klimaanlage, erläutert Heisinger. Je Kubikmeter Holz speicherten sie bis zu einer Tonne Kohlenstoff, steuerten die Verdunstung und die Wasserkreisläufe in der Luft und im Boden, filterten mit ihren Blättern je Hektar bis zu einer Tonne Staub und trügen dazu bei, den Wind zu bremsen. So könnten Wälder in der Zukunft Stürme und Dürreperioden mildern und das Binnenklima positiv beeinflussen. Vor allem aber, sagt Heisinger: „Nur mit mehr Wald wird man den Klimawandel auf 1,5 Grad Celsius begrenzen können.“

Mit seiner Forderung rennt der Forstwirt beim Kieler Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) offene Türen ein. Der sagt: „Neue Wälder binden sowohl im aufwachsenden Bestand als auch im Boden erhebliche Mengen CO2 und tragen dadurch zum Klimaschutz bei. Wenn man berücksichtigt, dass langfristig genutzte Holzprodukte dieses CO2 weiter speichern, so erhöht sich der Beitrag von Wald und Forstwirtschaft zum Klimaschutz noch.“

Angst vor dem Borkenkäferbefall

Aber auch der Wald leide unter dem Klimawandel, warnt Ex-Revierförster Heisinger. Dabei setzten den Bäumen nicht nur Hitze und Trockenheit zu. Die durch den heißen Sommer dieses Jahres geschwächten Fichten könnten dem Borkenkäfer keine Widerstandskraft mehr entgegensetzen. Zudem fehlten Forstleute und Unternehmer, die die befallenen Bäume beseitigen könnten. So fürchtet der Bundesverband Deutscher Forstleute für 2019 einen starken Borkenkäferbefall.

2018 – ein schädliches Jahr

Zwei Milliarden Euro Gesamtschaden hat das heiße Jahr 2018 im deutschen Wald angerichtet. Diese Zahl nennt der Bundesverband Deutscher Forstleute. Die Details:

20 Millionen Festmeter Schadholz (durch Schädlinge abgestorbenes Holz)

300 Millionen vertrocknete Jungpflanzen

300 000 Hektar verdorrte Fläche

600 Waldbrände auf 2500 Hektar Fläche

Der Schädling greift nur Fichten an. Die aber stehen auch dort, wo sie nicht hingehören, etwa auf nährstoffreichen Böden, in Ostholstein zum Beispiel am Bungsberg. Die Förster hätten anstelle des anfälligen Flachwurzlers Fichte lieber Laubbäume, etwa die Eiche mit ihren Herzwurzeln. Die stehen sicherer und kommen länger an die Grundwasservorräte heran. „Wir werden viel mehr Stürme in der Vegetationszeit haben“, sagt Heisinger voraus, der sich intensiv mit dem Klimawandel befasst. Die belaubten Bäumen böten viel bessere Angriffsflächen für den Wind.

Eckehard Heisinger, Landesvorstandsmitglied des Bundes Deutscher Forstleute und ehemaliger Revierförster in Ahrensbök, steht im Wald und fordert mehr Wald. Quelle: Peyronnet

Werden sie nicht vom Sturm umgeworfen, könnte manche Baumart unter der Erderwärmung leiden oder gar sterben. Buchen, die 60 Prozent des schleswig-holsteinischen Baumbestandes ausmachen, sind besonders empfindlich. „Wenn die Temperatur während der Vegetationszeit um zwei Grad steigt, wird die Buche das nicht überleben“, sagt Heisinger. Und: „Wenn wir keine Alternative finden, werden wir ein riesiges Klimaproblem mit zusätzlicher Erwärmung haben, so dass keine Landwirtschaft mehr möglich ist.“

Konkurrenz durch die Landwirtschaft

Neuer Wald braucht aber Fläche und muss sich der Konkurrenz von Flächenfraß durch Bebauung und gegen die Landwirtschaft durchsetzen. „Die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme ist ein wichtiger Aspekt der Umweltpolitik und wird auch seitens der Landesplanung verfolgt“, heißt es dazu aus dem Kieler Umweltministerium. Wichtige Bausteine dazu seien der Vorrang der Innen- vor der Außenentwicklung, das Verdichten bestehender Bauflächen und das Nutzen bisher brachliegender Flächen.

Heisingers Fazit: „Wir brauchen viel mehr Knicks und viel mehr Wald. Das ist lebenswichtig für den Menschen und die Landwirtschaft.“

Susanne Peyronnet

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