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Ostholstein Warten in der Kälte für etwas Essen
Lokales Ostholstein Warten in der Kälte für etwas Essen
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08:59 08.01.2013
Unsere Ausgabetage sind für die Kunden auch ein Kommunikationstreffen.“ Olf Leder, Vorsitzender Oldenburger Tafel

Es ist Freitagnachmittag kurz vor halb vier. Trotz Eis und Schnee haben sich vor der Ausgabestelle der Oldenburger Tafel in der Carl-Maria-von-Weber-Straße lange Schlangen gebildet. Mehr als 40 Menschen warten auf die Ausgabe, bis zu 60 werden es insgesamt werden. Sie wollen sich etwas von dem abzuholen, was von den Supermärkten gespendet wurde.

Die Ausgabestelle der Oldenburger Tafel ist ein besserer Schuppen ohne Heizung. Ehrenamtliche Helfer haben ihn vor zehn Jahren auf dem Gelände der Freien evangelischen Gemeinde in Eigenregie gebaut. Doch für mehr als die Ausgabe und eine Kühlzelle reichen die gerade einmal 35 Quadratmeter nicht aus. Sortiert werden müssen die eingesammelten Essensspenden meist unter freiem Himmel.

Für die 15 ehrenamtlichen Helfer alles andere als ein Zuckerschlecken. Dennoch ist die Motivation der Oldenburger Tafel-Mitarbeiter hoch.

„Mit dicken Socken, Mütze und Wollhandschuhen unter den Gummihandschuhen geht das irgendwie“, sagt Tekla Rehbein, die seit fünf Jahren regelmäßig bei der Tafel hilft. Da die meisten Leute, die kommen, sehr viel länger in der Kälte stehen, mache sie das aber gerne. Und Käthe Kuczewski ergänzt: „Wenn man weiß, dass auch viele alleinstehende Frauen mit kleinen Kindern dabei sind, die ihre Familie ohne hier anzustehen nicht durchbekommen würden, geht einem das ans Herz.“

Im Ausgaberaum herrscht mittlerweile emsige Betriebsamkeit. Sechs Helferinnen stellen Essenspakete für die jeweiligen Kunden zusammen. Von den meisten wissen die Frauen, wie groß die zu versorgende Familie dahinter ist und was die Betroffenen teilweise auf sich nehmen. Denn weil die Ausgabestelle der Tafel keinen überdachten Ausgabebereich hat, müssen die Kunden auch bei Regen und Kälte für ein paar Lebensmittel große Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Tafel-Leiter Olf Leder hat nach eigenen Angaben sogar schon mitbekommen, wie Mütter in der Warteschlange unter freiem Himmel ihre Kleinkinder gestillt hätten.

Was die Kunden auf sich nähmen, sei teilweise unbeschreiblich, so Leder. So komme ein Kunde jede Woche mit dem Fahrrad die fast 15 Kilometer aus Süssau zur Oldenburger Ausgabe. Andere würden von Bekannten gebracht oder bilden Fahrgemeinschaften, wenn einer von ihnen noch ein fahrbereites Auto hat oder sich eins leihen kann. „Es geht hier an den Ausgabetagen aber auch um mehr als nur um das Abholen der dringend benötigten Lebensmittel“, sagt Olf Leder. Die Abholtermine seien auch ein Kommunikationstreffen. So kämen die ersten manchmal schon gegen 11 Uhr zur Ausgabestelle — viereinhalb Stunden vor Öffnung des Tresens. In der Weihnachtszeit spendieren ihnen dann manchmal Anwohner heißen Tee und Kaffee. „Man sieht, dass die Menschen hier dankbar sind und es keine Rolle spielt, wer der einzelne ist oder woher er stammt“, sagt Leder. Die Notlage bringe die Menschen zusammen.

Dennoch weiß auch der Tafel- Leiter, dass diese Situation eigentlich kein Dauerzustand sein kann. „Unser Ziel bleibt, irgendwann einmal geeignete Räume zu haben“, sagt Leder. Die Ware im Trockenen aufbereiten und sie später vernünftig lagern zu können, die Kunden nicht der Witterung ausgesetzt warten lassen zu müssen, all das wäre ein riesiger Schritt.

Während Leder noch seine bescheidenen Visionen beschreibt, ist der erste Kundenansturm des Nachmittags versorgt. Kurze Zeit für einige Helfer zum Durchpusten. Doch die nächste Welle Bedürftiger ist schon im Kommen. Auch sie haben Einkaufstüten, Rucksäcke oder andere große Taschen mitgebracht.

Denn das, was sie heute an Essen mitbekommen, muss bei einigen für die gesamte Woche reichen.

Die Oldenburger Tafel

15 ehrenamtliche Helfer hat die Oldenburger Tafel. Die Spenden werden fast täglich bei Geschäften in Oldenburg und Lensahn sowie in Grube und Dahme eingesammelt.

Ausgaben sind freitags (15.30 Uhr) in Oldenburg in der Carl-Maria-von-Weber-Straße sowie dienstags in Lensahn (15 Uhr) in der Fritz-Reuter-Schule.

Holger Marohn

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