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Ostholstein Wasserengpass: Fehmarn denkt über „Modell Helgoland“ nach
Lokales Ostholstein Wasserengpass: Fehmarn denkt über „Modell Helgoland“ nach
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21:26 22.12.2017
Die Insel ist vom Wasser umgeben, bezieht ihr Frischwasser aber vom Festland. In Höhe der Ortschaft Fehmarnsund – nahe der ZVO-Versorgungsleitung – könnte bald eine Meerwasserentsalzungs-Anlage entstehen.
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Fehmarn

Für Überraschungen ist der Wasserbeschaffungsverband Fehmarn (WBV) kurz vor Weihnachten immer gut. Vor Jahresfrist beschloss die Verbandsversammlung mehrere Test-Pumpversuche auf der Insel. Doch die Euphorie, alte Brunnen nach Jahrzehnten wieder zu reaktivieren, haben einen argen Dämpfer erhalten. Es wurden zwei Brunnen am Burger Wasserwerksweg und in Todendorf getestet. Noch liegt keine abschließende Bewertung vor. Aber: Es konnten zwar zunächst 15 bis 20 Kubikmeter Wasser pro Stunde gefördert werden. „Der Grundwasserspiegel sank aber erkennbar ab, und der Nachfluss von Wasser war nur sehr langsam“, so WBV-Geschäftsführer Gerd Utech.

In tieferen Schichten könnte die Situation besser aussehen. Statt 15 Meter müssten die Bohrungen dann aber 40 bis 60 Meter weit reichen – mit ungewissem Ausgang. Zudem müsste das entnommene Wasser aufbereitet werden, damit es als Frischwasser genutzt werden kann, so Verbandsvorsteher Werner Ehlers (CDU). Eine Investition, die sich vermutlich nicht lohnt. Für den WBV kommt die Brunnen-Lösung daher nur für eine Notfallversorgung infrage.

Gravierender ist aber die Frischwasserversorgung in der Hauptsaison, wenn zu den rund 13 000 Insulanern mit Erstwohnsitz nochmals bis zu 100 000 Urlauber und Tagesgäste kommen. Noch deckt der WBV den sommerlichen Wasserbedarf ab. Allerdings rief nach einer tagelangen Hitzewelle im Sommer 2013 der damalige Verbandsvorsteher Dietmar Frohberg (FWV) öffentlich zum Wassersparen auf und drohte, im Ernstfall sogar das Wasser zu drosseln oder ganz abzustellen. Der LN-Bericht sorgte für überregionales Aufsehen, es blieb aber ein Einzelfall.

Doch das Thema ist damit nicht vom Tisch. Der WBV hat Femern A/S daher bereits Ende 2015 beschieden, dass sie für die geplante Tunnelbaustelle in Puttgarden Wasser nicht ganzjährig zur Verfügung stellen kann. In den Monaten Juli und August habe, so Utech, die Versorgung der Fehmaraner und Inselurlauber Vorrang. Femern A/S, das gut 20 Kubikmeter Wasser pro Stunde benötigt, plant daher die Installation einer Meerwasserentsalzungs-Anlage.

Genau dieses Modell könnte jetzt auch für den WBV eine langfristige Lösung sein – auf eigene Kosten. Denn der ZVO kann nicht mehr als die bislang vertraglich zugesicherte Wassermenge liefern. Das sind 275 Kubikmeter pro Stunde, theoretisch sind in Stoßzeiten bis zu 300 Kubikmeter möglich. Andernfalls müssten die Brunnenanlagen auf dem Festland und die Versorgungsleitung für vier bis fünf Millionen Euro erweitert werden. Rund eine Million Euro müsste der WBV in eine Meerwasseentsalzungs-Anlage investieren – eine Containerlösung am Sund nahe der ZVO-Versorgungsleitung vom Festland. Sie könnte bis zu 340 000 Kubikmeter im Jahr liefern, vom ZVO kauft der WBV jährlich rund 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser ein. „Diese Idee wird nicht in die Schublade gesteckt, sondern bleibt oben liegen“, so Ehlers.

Theoretisch gibt es – nach Auskunft von Gunnar Mehnert (WUW) – noch eine zweite Alternative: Frischwasser aus Dänemark, wenn der Tunnel fertig ist und die Produktionsstätte bei Rødby geräumt wird.

Utech: „Dann wäre die Leitung auf Lolland überdimensioniert. Aber schaffen wir es, bis der Tunnel fertig ist?“

 Von Gerd-J. Schwennsen

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