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Ostholstein Wasserwirtschaft: Oldenburg und Neustadt kooperieren
Lokales Ostholstein Wasserwirtschaft: Oldenburg und Neustadt kooperieren
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22:20 21.12.2015
Die Kremper Au unweit von Altenkrempe fließt neben den Bahngleisen, die ausgebaut werden könnten. Die Verbandsvorsteher Dieter Knoll (l.) und Thorsten Lorenzen müssen erarbeiten, welche Auswirkungen dies auf das Gewässer haben könnte. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Sie unterhalten Gräben, Bäche und Flüsse, leiten so Regenwasser in die Ostsee und sorgen mit einem Hunderte Kilometer langen Rohrnetz dafür, dass weite Teile Ostholsteins nicht überschwemmt werden. Um große Herausforderungen, wie den Bau der Hinterlandanbindung und der 380-kV-Trasse, zu meistern, wollen der Wasser- und Bodenverband Neustädter Binnenwasser und der Gewässer- und Landschaftsverband Wagrien-Fehmarn in Zukunft zusammenarbeiten. Ziel ist es, Fachwissen zu bündeln, Fachkräfte gezielter einzusetzen und sich gleichende Arbeitsvorgänge in beiden Organisationen zu reduzieren.

50000 Hektar umfasst das Gebiet der beiden Verbände — eine Fläche, die etwa fünfmal so groß ist wie die Insel Sylt. Es erstreckt sich von Sierksdorf im Süden bis Gremersdorf im Norden.

Thorsten Lorenzen, Verbandsvorsteher vom Wasser- und Bodenverband Neustädter Binnenwasser, erklärt, dass die Situation in beiden Verbänden nahezu identisch sei. Die Verbesserung des Hochwasserschutzes, die Schaffung von Uferrandstreifen, die Verringerung des Nährstoffeintrags, der Schutz des Grundwassers und die schonende Gewässerunterhaltung seien neben den genannten Millionenprojekten verbindende Themen. „Wir haben gleiche Landschaftsbilder. In Plön sieht das schon wieder anders aus. Da gibt es große Seen“, erläutert Lorenzen. Ebenso wie Dieter Knoll, Vorsteher des Gewässer- und Landschaftsverbands Wagrien-Fehmarn, erhofft er sich, dass sie zusammen mehr Gehör finden und ernster genommen werden.

Ausschlaggebend für die Kooperation sind der bevorstehende Bau der Hinterlandanbindung sowie der Stromtrasse. „Zwei große Verbände entschließen sich aufgrund der Herausforderungen zusammenzuarbeiten — zum Wohle der Beitragszahler“, bringt es Knoll auf den Punkt. Schließlich sei jeder, der ein Grundstück im Verbandsgebiet habe, Mitglied. „Wir brauchen nicht jeder einen Ingenieur mit derselben Fragestellung beschäftigen“, erläutert Lorenzen. Hinzu komme, dass es für die beiden Ehrenamtler und ihre Mitarbeiter kaum zu schaffen sei, sämtliche Termine wahrzunehmen. „Da können wir uns aufteilen und anschließend informieren“, sagt Dieter Knoll.

Sorgen bereitet den beiden Männern der Bau von Hinterlandanbindung sowie Stromtrasse. Schöpfwerke müssten versetzt, Rohre verlegt, Durchlässe unter Straßen verändert und Brücken erneuert werden.

„Das Land ist durchsetzt von Leitungen. Wir müssen das im Blick haben, rechtzeitig Stellungnahmen abgeben“, so Thorsten Lorenzen. Gespräche mit Netzbetreiber Tennet, der Bahn, Baufirmen, Ingenieuren und Grundstückseigentümern seien notwendig. Zudem müsste dringend geklärt werden, wer all die Umbauten bezahlt. „Wir hoffen, dass wir einen Teil der Kosten über die Bahn umlegen können“, sagt Lorenzen. Knoll plädiert dafür, eine bestimmte Summe für die Arbeiten der Wasser- und Bodenverbände einzuplanen.

Die Verbandsvorsteher befürchten, dass ein Teil der anstehenden Bauarbeiten nicht ohne Schäden ablaufen könnte. Schweres Gerät müsse eingesetzt werden, um die Trasse zu bauen. Dabei könnten unterirdisch verlaufende Rohre beschädigt werden. „Wir brauchen einen Ist-Zustand und müssen das Netz nach den Arbeiten erneut überprüfen“, fordert Dieter Knoll. Thorsten Lorenzen weist zudem darauf hin, dass bei dem Bau der Stromleitungen sowie der Elektrifizierung der Bahnstrecke Magnetfelder entstehen würden, die wiederum den Zug von Fischen negativ beeinflussen. All dies gelte es im Vorfeld klarzumachen. „Als großes Gebilde erfahren wir mehr Achtung“, ist sich Knoll sicher.

Rohre unter der Erde
270 Kilometer lang ist das Gewässernetz des Wasser- und Bodenverbands Neustädter Bucht. 300 Rohrleitungen gibt es im Gebiet zwischen Sierksdorf, Schönwalde und Beschendorf. 100 davon verlaufen unterirdisch.
700 Kilometer lang ist das Netz des Gewässer- und Landschaftsverbands Wagrien-Fehmarn, davon sind 500 unter der Erde.

Sebastian Rosenkötter

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