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Wegen neuer Sundquerung: Schweinswalen auf der Spur

Heiligenhafen/Fehmarn Wegen neuer Sundquerung: Schweinswalen auf der Spur

Forscher ermitteln, wie viele Meeressäuger sich wann und wo im Sund aufhalten, denn sie dürfen beim Bau nicht gestört und beeinträchtigt werden.

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Taucher Peter Möller holt einen Unterwasserdetektor mit den Schweinswal-Daten aus der See.

Quelle: Uwe Friedrich

Fehmarn/Heiligenhafen. Der Standort ist erreicht. Meeresbiologe Kristof Pahl drückt einen Knopf an seinem Sender, einem Acoustic Releaser. Alle Mann an Bord stehen an der Schiffsreling, blicken auf die Ostsee. Es vergehen einige Augenblicke, dann taucht vorn backbord ein orangefarbener Auftriebball auf. An diesem ist ein länglicher Zylinder befestigt, der wichtiges Datenmaterial liefert. An Bord der „Praunus“ tauschen an diesem Tag Meeresbiologen zehn dieser Unterwasserdetektoren aus.

LN-Bild

Forscher ermitteln, wie viele Meeressäuger sich wann und wo im Sund aufhalten, denn sie dürfen beim Bau nicht gestört und beeinträchtigt werden.

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Derzeit lässt die Deutsche Bahn im Auftrag des Bundes für den Zeitraum von zwei Jahren eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) zum geplanten Bau einer neuen Fehmarnsundquerung – vier Varianten sind hier in der Prüfung – erstellen. Auftragsausführer Bio Consult hat im Zuge dessen ein Team von Meeresbiologen und Tauchern zum Sund entsandt. Sie entnehmen Wasserproben, untersuchen den Meeresboden – also die Topografie, Hydrologie und Sedimente – und zeichnen Geräusche der streng geschützten Schweinswale mit modernster Technik auf.

Hierfür befinden sich im Sund zwischen Fehmarn und Großenbrode/Heiligenhafen zehn der besagten Unterwasserdetektoren, die Meeresbiologen nennen sie C-Pots. Stückpreis 4000 Euro. „Wir wechseln diese Pots einmal im Monat aus, die Daten werden am PC ausgewertet“, erläutert Meeresbiologe Christopher Honnef, der im Auftrag von Bio Consult arbeitet. Es handelt sich um Algorithmen, die von

Speicherkarten mit einem Volumen von vier Gigabyte (GB) ausgelesen werden. „Schweinswale kommunizieren nicht so komplex wie Delfine beispielsweise“, erläutert Honnef. „Wir wissen auch, dass sie ständig Geräusche verursachen, so dass wir sicher sind, sie auch mit den C-Pots orten zu können, wenn sie in der Nähe sind.“ Die Daten sollen zeigen, wie viele Schweinswale sich im Sund aufhalten, wann sie da sind und wo. Christopfer Honnef sagt: „Die Tiere dürfen durch die Brücken- oder Tunnelarbeiten nicht gestört werden. Daher sind die Daten auch so bedeutsam.“

Das Austauschen der zehn Pots fordert die Crew zwei Tage lang. Zum einen, weil sie im Sund verstreut sind und einige Seemeilen zwischen ihnen liegen. Zum anderen, weil die Detektoren nicht immer wie gewünscht auf Knopfdruck an die Wasseroberfläche ploppen. Deswegen sind auch Taucher an Bord, die als Plan B jederzeit in die Tiefe abtauchen können, um die Daten an Bord zu holen. Die Bahn lässt auch unter Wasser von einem Fotografen Aufnahmen und bewegte Bilder erstellen, um die Abläufe zusätzlich dokumentieren zu können.

Aber es geht an Bord der „Praunus“ dann doch nicht allein um Schweinswale. Heike Simon nimmt Wasserproben und untersucht diese. „Ich ermittle den Istzustand des Wassers im Sund. Nach den Bauarbeiten für eine neue Sundquerung wird das Prozedere wiederholt, um mögliche Auswirkungen zu erkennen“, sagt Simon, die zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage über die Qualität der Ostsee im Sund tätigen kann. Auch sie entnimmt im Abstand von einem Monat immer an den gleichen Stellen neue Proben, um eine Vergleichbarkeit über den Zeitraum von zwei Jahren zu gewährleisten. Während sie und die anderen ihrer Arbeit auf der „Praunus“ nachgehen, taucht manchmal die „Dhiva“, ein zweites Forschungsschiff, in Sichtweite auf. Deren Besatzung ist für die Untersuchungen des Meeresbodens zuständig.

Aufwand und Kosten sind immens. Bahnsprecherin Maja Weihgold sagt zum Verfahren: „Die Ergebnisse dieser umfangreichen Untersuchungen fließen mit in die Bauplanung ein sowie in die Varianten-Abwägung.“ Zum Schutze der Ostsee und der Schweinswale.

Forschung und Wissenschaft

Meeresbiologe Christopher Honnef sagt zu den Erhebungen im Fehmarnsund: „Wir haben hier noch nie Daten erhoben. Die Ergebnisse geben weiter Aufschluss über die Population und Verhaltensweisen der Schweinswale.“ Schweinswale stehen derzeit ohnehin im Fokus der Wissenschaft. Wegen der festen Fehmarnbeltquerung im Belt, aber auch in Hamburg: Am Fähranleger Teufelsbrück wurden binnen zwei Tagen 50 Tiere gesichtet. So viele Tiere habe es dort im Frühjahr seit 100 Jahren nicht gegeben. Allerdings wurden auch schon 30 tote Schweinswale an der Elbe gefunden. Laut Magazin „Stern“ würden jährlich 250 tote Schweinwale an den Küsten gefunden. Neue Erkenntnisse liefert auch die Schweinswal-Reha in Harderwijk.

 Peter Mantik

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