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Ostholstein Weiße Flotte: Ein Wahrzeichen wird 125
Lokales Ostholstein Weiße Flotte: Ein Wahrzeichen wird 125
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22:31 17.04.2017
Wenn Hans Hinnerk Frahm die Firma übernimmt, ist er in der vierten Generation Chef der 5-Seen-Fahrt. Quelle: Fotos: Peyronnet, Privat
Malente

 Was geblieben ist, ist eine „genußreiche Wasserfahrt“, wie es anno 1892 der Autor eines Artikels im „Anzeiger für das Fürstenthum Lübeck“ formulierte. Sie führt 24 Kilometer weit mit einem Tempo von 15 Kilometern pro Stunde von Malente aus über den Dieksee, den Langensee, den Behlersee, den Höftsee und den Edebergsee bis zur Plöner Ausflugsgaststätte Fegetasche und wieder zurück, mit Stopps in Niederkleveez und Timmdorf.

Start in die Jubiläumssaison für die Ausflugsschifffahrt zwischen Malente und Plön.

Feier im Juni

Das Jubiläum wird am 11. Juni gefeiert. Ein geplantes großes Promenadenfest wird es allerdings nicht geben, weil die Sicherheitsauflagen zu hoch sind.

Aus Anlass des Jubiläums fahren die drei Schiffe alle 40 Minuten. Die Fahrt kostet an diesem Tag einen Euro.

Die Geschichte der 5- Seen-Fahrt beginnt mit einer Initiative des Plöner „Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs in Plön, Gremsmühlen-Malente und Eutin“. Die Gründungsmitglieder hatten die Bedeutung der Schifffahrtstouristik für den Fremdenverkehr erkannt. Zumal es ein erfolgreiches Vorbild gab: Bereits zehn Jahre zuvor hatte der Kaufmann Janus, Betreiber des Hotels „Holsteinische Schweiz“, die Kellerseefahrt gegründet. 1919 übernehmen der Kaufmann Johannes Zimmermann und der Hotelier Max Frahm die Motorbootgesellschaft, 1940 übernimmt die 5-Seen-Fahrt die Kellerseefahrt.

Beide Seerundfahrten sind seitdem unter einem Firmendach vereint. Geblieben sind die Namen Frahm und Zimmermann. Die gleichnamige GmbH ist heute Betreiber beider Linien. Geschäftsführer ist Ralf Andreas Frahm, Juniorchef Hans Hinnerk Frahm, der vor sechs Jahren nach einem Betriebswirtschaftsstudium aus Bayern zurückgekehrt ist und sich nun anschickt, in vierter Generation die 5-Seen-Fahrt und die Kellerseefahrt zu leiten.

In seinem Büro an der Malenter Bahnhofstraße wühlt Hinnerk Frahm in einem Karton. Darin liegen in einer Pappschachtel Glasnegative, dazu großformatige Schwarzweiß-Abzüge aus alter Zeit. Auf einem ist die „Elisabeth“ zu sehen, wie sie am Anleger in der Diekseebucht liegt. „Hier Rettungsapparat“ steht auf einem Schild am Steg, darunter hängt ein Rettungsring. Im Hintergrund ist der frisch aufgeschüttete Bahndamm der Strecke Neumünster-Eutin (heute: Kiel-Lübeck) zu sehen. Was das Bild nicht zeigt: Die Fahrten auf der kleinen „Elisabeth“ waren so beliebt, dass bald ein größeres Schiff her musste. Zumal die erste „Elisabeth“ wegen ihres stark vibrierenden, vier PS starken Petroleummotors den Spitznamen Zitteraal trug.

Heute verkehren drei Schiffe auf der 5-Seen-Route zwischen der Malenter Diekseebucht und der Fegetasche in Plön: die MS „Dieksee“, die MS „Malente“ und die MS „Grünau“. Längst zittern sie nicht mehr, und es sind auch keine offenen Boote mehr. Hinnerk Frahm berichtet, dass die MS „Dieksee“ nicht nur zum Restaurantschiff umgebaut wurde, sondern auch Trauzimmer des Standesamtes Plön ist. „Man kann an Bord heiraten, ich habe es auch getan.“ 10 bis 15 Mal im Jahr gäben sich Paare auf einem der fünf Seen das Ja-Wort.

Die meisten Fahrgäste genießen aber nur die „genußreiche Wasserfahrt“. Um die 80000 waren es im vergangenen Jahr, die meisten davon von außerhalb. „Das Busgeschäft ist ein wichtiges Standbein“, sagt Hinnerk Frahm. „Wenn die Einheimischen die Fahrt machen, machen sie sie, weil sie Besuch haben“, sagt er weiter über die Kunden der 5-Seen-Fahrt, deren Zahl stark zurückgegangen ist. „1994 waren es mehr als doppelt so viele Fahrgäste wie heute“, berichtet der Juniorchef. Das habe mit den neuen Feriengebieten in den nach dem Mauerfall hinzugekommenen Ländern zu tun gehabt. Das Geschäft sei stark rückläufig gewesen, die Talsohle aber nun durchschritten. Es sei eine leicht ansteigende Tendenz feststellbar. „Wir blicken positiv in die Zukunft.“

Karfreitag hat die neue Saison der 5-Seen-Fahrt begonnen. In der Vorsaison legen die Schiffe drei Mal täglich in der Diekseebucht ab, in der Hauptsaison vom 29. April an sind es acht Abfahrten täglich, jeweils zur vollen Stunde.

 Susanne Peyronnet

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