Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Weiter Streit um Timmendorfer Tiere
Lokales Ostholstein Weiter Streit um Timmendorfer Tiere
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:38 08.04.2016
Die nun im Licht der Öffentlichkeit stehende Timmendorferin fühlte sich gestern Vormittag von Tierschützern, -aktivisten und Medien bedrängt. Sie rief die Polizei, flüchtete hinter die Gatter an der B 76. Quelle: Fotos: Jhw/rk (2)
Anzeige
Timmendorfer Strand

Weitere Fernsehteams vor Ort, dazu alarmierte Tierschützer sowie Vertreter vom Ministerium und vom Veterinäramt: Der Wirbel um einen angeblichen Fall von Tierquälerei in Timmendorfer Strand hat sich gestern fortgesetzt. Dabei herrscht weiterhin Uneinigkeit darüber, wie es den betroffenen Tieren geht.

Kontrolle durch Veterinäramt und Landwirtschaftsministerium / Tierschützer auf den Barrikaden.

Im Mittelpunkt steht eine Frau aus Timmendorfer Strand, die in einem Schuppen auf einer Koppel Kaninchen, Meerschweinchen, Enten und Ziegen unter erbärmlichen Bedingungen halten soll. So lauteten jedenfalls die Vorwürfe in einem TV-Beitrag des Senders Vox, der vor einigen Tagen für Aufregung sorgte und in dem unterstellt wurde, die Halterin leide an „Animal Hoarding“, einer krankhaften Tier-Sammelsucht. Das Veterinäramt des Kreises war der Untätigkeit beschuldigt worden, was die Kreisverwaltung aber nachdrücklich zurückwies.

Gestern nun erfolgte eine Kontrolle durch Vertreter der Veterinärbehörde des Kreises und des Landwirtschaftsministeriums als oberste Fachaufsichtsbehörde. Diese Kontrolle habe laut einer Mitteilung des Kreises ergeben, „dass die Tierhaltung aus tierschutzrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden ist“. Sowohl Haltungsbedingungen wie auch Fütterung, Pflege und Versorgung der Tiere seien überprüft worden. Dieses treffe auch auf weitere Standorte zu, an denen die Halterin Tiere untergebracht habe, heißt es vom Kreis.

Damit ist vermutlich ein Gartenhäuschen nahe der Wohnung der Timmendorferin gemeint, in dem ebenfalls Kleintiere leben sollen. Dort hat sich auch Nicol Hufnagel von der Tierschutzorganisation „Vier Hufe“ umgesehen. Auch in dem Gartenhäuschen seien ihren Angaben nach „im Dunkeln Käfige übereinander gestapelt, das ist einfach gruselig“.

Sämtliche Tiere der Halterin hätten schon vor einem halben Jahr anderswo untergebracht werden können, erklärt sie, „und zwar ohne dass Kosten für den Kreis entstanden wären“. Anders als vom Kreis erklärt, habe sich die Lage für die Tiere keinesfalls verbessert, so Hufnagel. „Ich hoffe aber, dass den Tieren jetzt endlich geholfen wird“, meint sie.

„Es macht mich traurig, dass nicht eher gehandelt wurde.“

Ebenfalls auf der Koppel war gestern Svenja Walter, Bundesschatzmeisterin der Tierschutzpartei. „Ich habe Fotos von den Tieren gemacht“, sagt sie. „Vier Ziegen, drei Kaninchen und drei Enten hockten verängstigt in einem dunklen Verschlag. Alles war eng und schmutzig.“ Walter kündigte an, die Tierschutzpartei werde es der Tierschutzorganisation Peta gleichtun und das Veterinäramt wegen Untätigkeit anzeigen. „Wir fordern, dass alle Tiere dieser Halterin in Obhut genommen und an Pflegestellen gegeben werden“, so Walter. „Außerdem muss der Frau verboten werden, je wieder Tiere zu halten. So lange das nicht geschehen ist, bleiben wir an der Sache dran.“

Deutliche Worte kommen von Peta selbst: „Die Betrügerei des Veterinäramts Ostholstein nimmt immer groteskere Formen an“, erklärt die Organisation. „Trotz eindeutiger Beweislage lügt die Behörde bezüglich der tierquälerischen Zustände auf dem Hof.“ Die Fotobeweise seien eindeutig. „Ganz aktuell sind auf dem Anwesen zahlreiche Tiere verwahrlost und unterernährt“, sagt Dörte Röhl, Tierärztin und „Fachreferentin für tierische Mitbewohner“ bei Peta. „Es ist kaum zu ertragen, dass die Behörden nicht schon vor Jahren eingegriffen haben und offensichtlich nicht einmal jetzt bei klarer Beweislage handeln wollen.“

Zu Wort gemeldet hat sich außerdem der Timmendorfer Udo Holtz, der in der Nähe der genannten Koppel ebenfalls Tiere — drei Ziegen und zwei Shetland-Pferde — hält. „Ich bin im Ort angefeindet worden, weil jemand glaubte, meine Tiere seien betroffen“, berichtet Holtz. Er betont, dass er mit den diskutierten Missständen nichts zu tun habe: „Meinen Tieren geht es gut, und sie werden artgerecht gehalten.“

latz

 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige