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Ostholstein Weiterbildung in Ostholstein nur wenig gefragt
Lokales Ostholstein Weiterbildung in Ostholstein nur wenig gefragt
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21:55 14.07.2016

Auch im Landesvergleich ist die Lust am lebenslangen Lernen in Ostholstein nur schwach ausgeprägt, so die Studie. Aber nicht alle teilen dieses Bild.

„Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren fehlen. Da müssen wir ran.“ Michael Kümmel, Volkshochschulleiter

Nach dem kürzlich veröffentlichten Weiterbildungsatlas nimmt in Ostholstein knapp jeder Zehnte ab 25 Jahren (9,87 Prozent) mindestens einmal im Jahr an einer Weiterbildung teil. In ganz Deutschland ist es jeder Achte (12,3 Prozent), in Schleswig-Holstein knapp jeder Achte (11,9 Prozent). Am stärksten halten sich im Lande die Menschen im Herzogtum Lauenburg (7,1 Prozent) und in Segeberg (8,5 Prozent) zurück, wenn es um das Auffrischen beruflicher Kenntnisse oder private Bildungsinteressen geht. Spitzenreiter sind Flensburg (18,2 Prozent) und der Kreis Plön (15 Prozent). Die Angaben beruhen auf Daten der Jahre 2012 und 2013.

Das Weiterbildungsangebot in Ostholstein ist danach überdurchschnittlich. Auf 1000 Einwohner kommen hier 7,85 Volkshochschulkurse und 48,54 betriebliche Angebote, bundesweit sind es 6,9 VHSKurse und 47,45 Betriebsangebote. Die Aktivitäten privatwirtschaftlicher Weiterbildungseinrichtungen sind zwar gering, aber auch sie liegen über dem Bundeswert. Die Ostholsteiner bleiben somit bei der Weiterbildung klar hinter den Möglichkeiten zurück. Das Potenzial, so die Bertelsmann-Studie, werde nur zu 92,3 Prozent ausgeschöpft. In ganz Schleswig-Holstein sind es 99,6 Prozent.

Für Michael Kümmel, Vorsitzender der Kreisarbeitsgemeinschaft der Volkshochschulleiter in Ostholstein, sind die Ergebnisse „ein Appell an uns alle, die Weiterbildung nach vorn zu bringen und zu steigern“. Offenbar funktioniere der Weg vom Angebot zum Nutzer nicht richtig. Darauf müssten auch die Volkshochschulen reagieren und gezielter werben. „Der männliche Mittelbau fehlt“, erläutert Kümmel. Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren seien in Weiterbildungskursen deutlich unterrepräsentiert. „Da müssen wir ran“, sagt der Geschäftsführer der VHS Oldenburg und empfiehlt, sich stärker an Betriebe und ihre Belegschaft zu wenden. „Die kennen oft gar nicht die Möglichkeiten“, zumal es bisher wenig Weiterbildungsberatung in Ostholstein gegeben habe. Besserung verspricht sich Kümmel vom Bildungstelefon Lübeck, das nun auch für Ostholstein zuständig sei (Telefon 01 51/11 60 67 43).

„Die Studie zeigt, dass die Anstrengungen, lebenslanges Lernen zu fördern, nicht nachlassen dürfen“, meint Dr. Hauke Petersen, Studienleiter der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte. Gerade in ländlichen Regionen wie Ostholstein müsse eine gute Angebotsstruktur von öffentlicher und privater Seite vorgehalten werden, weil die kleinen und mittleren Unternehmen diese in der Regel nicht selbst schaffen könnten. „Dabei ist auch die Landespolitik gefordert“, betont Petersen.

Ein anderes Bild vom Weiterbildungseifer der Ostholsteiner als es die Bertelsmann-Studie zeigt, hat Antje Bunse, Leiterin der VHS Eutin – zumindest beim Blick auf ihre Einrichtung. „Wir sind sehr zufrieden mit der Auslastung. Dass das Angebot nicht angenommen wird, kann ich nicht bestätigen“, sagt sie. Das gelte gleichermaßen für den Bildungsurlaub, der zunehmend auch von Geringverdienern nachgefragt werde, deren Kursusgebühr um die Hälfte ermäßigt wird.

Wenn es um Lehrgänge, Seminare und Schulungen im Handwerk geht, ist in Ostholstein das Forum für berufliche Bildung und Qualifizierung (FBQ) erste Adresse. Bei der Meister-Vorbereitung sei die Nachfrage nach einem Tief vor zehn Jahren wieder deutlich gestiegen, berichtet Arne Hansen, stellvertretender Geschäftsführer der das FBQ tragenden Kreishandwerkerschaft. Auch fachlich-technische Lehrgänge oder Allgemeinkurse zur Mitarbeiterführung wären gut besucht. Hansen: „Eine Weiterbildungsmüdigkeit im Handwerk fällt mir nicht auf.“

 Arnold Petersen

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