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Ostholstein Weltneuheit: Training am Katzensimulator
Lokales Ostholstein Weltneuheit: Training am Katzensimulator
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12:13 02.11.2017
Dr. Elisabeth Zandt setzt die Ultraschall-Sonde ans Katzenmodell – dabei muss der Winkel exakt stimmen.
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Timmendorfer Strand

Katzen sind so lieb. Anschmiegsam, schmusig, kuschelbedürftig. Aber nicht beim Tierarzt-Besuch, denn zu diesem Anlass lässt auch der faulste Sofa-Prinz gern den Kampf-Tiger mit den Killer-Krallen heraus. Das mag für Katzenhalter mit etwas Glück ein einziger stressiger Termin pro Jahr sein. Für die Schulung künftiger und auch bereits approbierter Tierärzte ist die häufig veterinärfeindliche Einstellung der eigenwilligen Haustiere jedoch ein dauerhaftes Problem, denn die Mediziner müssen schließlich üben, bevor sie die richtigen Diagnosen stellen können. Für die Tierärzte-Seminare in Timmendorfer Strand bietet sich diesbezüglich jetzt eine Lösung, und zwar in Form des weltweit ersten Katzen-Simulators.

Herzkrankheiten bei Katzen diagnostizieren: Auch das müssen Tierärzte üben, unter anderem bei Seminaren in Timmendorfer Strand. Weil sich lebende Katzen nicht unbedingt als Schulungsobjekte eignen, gibt es dafür jetzt den weltweit ersten Katzen-Simulator.

Entwickelt hat ihn Dr. Elisabeth Zandt, eine junge Tierärztin aus München, die mit dem Gerät promoviert hat. „Katzen machen bei Untersuchungen irgendwann nicht mehr mit“, sagt Dr. Zandt, „können aber zu Schulungszwecken nicht durch andere Tiere ersetzt werden – weil sie besondere Krankheiten haben können und weil ihr Herz anders im Brustkorb liegt als beispielsweise bei Hunden.“ Das Ultraschall-Modell, ein bislang einzigartiger Prototyp, besteht zum einen aus zwei schwarzen, in einer Puppenwerkstatt angefertigten Plüschkatzen mit Schaumstoffkern, und zum anderen aus einer Ultraschall-Kopfsonde mit einem speziellen Sensor, die wiederum an einen „Sonofit“-Ultraschall-Simulator angeschlossen ist.

Letzterer ist mit fünf verschiedenen Katzenherz-Datensätzen bestückt. Die Seminar-Teilnehmer müssen die Sonde an die Plüschkatze ansetzen, und zwar im korrekten Winkel, „sonst zeigt der Monitor nicht das Herz oder nur einen Ausschnitt an“, erklärt Dr. Zandt. Je nachdem, welcher Datensatz aktiviert ist, erscheint das Herz einer gesunden oder einer erkrankten Katze auf dem Monitor. Studenten und Tierärzte müssen dieses Bild richtig interpretieren, zusammen mit weiteren Informationen über den tierischen Patienten: Alter der Katze und mögliche Beschwerden wie Husten oder Müdigkeit.

Eine typische Krankheit, die es zu diagnostizieren gilt, bekommt im Alter „jede vierte oder fünfte Katze“, sagt der Timmendorfer Tierarzt Dr. Felix Benary: „Der Herzmuskel wächst nach innen, und dann ist weniger Platz fürs Blut.“ Häufig angeboren sei eine weitere Herzkrankheit, der sogenannte Ventrikelseptumdefekt, „ein Loch in der Herzscheidewand“. Dr. Benary organisiert seit 1993 regelmäßig Seminare an der Ostsee und schätzt den Katzen-Simulator: „Damit sind Tierärzte, die sich fortbilden, bestens für die tägliche Praxis gerüstet.“

Zusätzlich kann der Simulator auf ein Abdomen-Programm umgestellt werden, um die Untersuchung der Bauch-Organe zu trainieren. „Die Resonanz ist sehr gut“, berichtet Dr. Zandt, der Simulator werde im Ultraschall-Labor der Universität München und eben bei Seminaren eingesetzt. Ob er in Serie geht, scheint allerdings zweifelhaft – das Gerät koste 40000 bis 50000 Euro, sagt die Tierärztin.

Ein Hunde-Simulator existiert übrigens nicht: Nach Auskunft der Veterinäre gibt es ausreichend lebende Exemplare, die sich geduldig und friedfertig bei Seminaren den Untersuchungen stellen – vermutlich während diverse Katzen entspannt auf dem Sofa liegen und diese doch eher lästige Tätigkeit vom Simulator erledigen lassen. Was wiederum die Diskussion darüber, welche der beiden Tierarten die intelligentere ist, neu befeuern könnte.

Ein Video dazu finden Sie im Internet unter www.LN-Online.de/video

 Von Sabine Latzel

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