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Ostholstein Wenn Mama krank im Bett liegt springen Familienhelferinnen ein
Lokales Ostholstein Wenn Mama krank im Bett liegt springen Familienhelferinnen ein
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21:16 15.07.2016
Jule erkundet den Inhalt des mitgebrachten Spielerucksacks.

Bereits am Abend merkt Stefanie Fröbisch, das „nichts mehr geht“. Eine Grippe hat die Mutter von drei Kindern fest im Griff. Normalerweise würde jetzt ihr Mann Marcel am nächsten Tag einspringen und die Kinder betreuen müssen. Doch die Fröbischs können im Krankheitsfall auf eine andere Lösung zurückgreifen. Die Kindernotfallbetreuung der Gesellschaft „Familie und Beruf“ stellt mit ihrem Angebot sicher, dass beim Ausfall eines Elternteils das andere weiter zur Arbeit gehen kann.

Gesellschaft „Familie und Beruf“ organisiert für Mitarbeiter im Krankheitsfall eine Kinderbetreuung.

„Die Notfallbetreuung ist eine Option – kein Muss.“ Katja Kirschall

Bei Katja Kirschall, die beim Kinderschutzbund (KSB) die Notfallbetreuung koordiniert, geht noch am Abend der Anruf von Stefanie Fröbisch ein. Sie ruft Ingrid Strotjohann an, eine von acht Familienhelferinnen, die im Auftrag des KSB oder der Lebenshilfe die Betreuung gewährleisten. Am nächsten Morgen kommt Ingrid Strotjohann mit ihrem Spielerucksack im Gepäck bei Familie Fröbisch an.

Die erkrankte Mutter gibt der Helferin noch einige Anweisungen für das Mittagessen, das sie noch vorbereitet hat, zieht sich dann aber mit ihrem zehn Wochen alten Sohn ins Schlafzimmer zurück.

15 Firmen nehmen mittlerweile das Angebot des Kinderschutzbundes und der Lebenshilfe in Anspruch, die im Auftrag der Gesellschaft Familie und Beruf die Betreuung organisieren. Von der Betreuung profitieren eben nicht nur die Eltern, sondern auch der Arbeitgeber des Elternteils, der nicht erkrankt ist, erläutert Kirschall. Die Firmen können sich in die Betreuung einkaufen, der Preis richtet sich nach der Betriebsgröße. Die Idee geht auf ein Modell im benachbarten Kreis Stormarn zurück.

Schon 60 Mal ist die Notfallbetreuung seit Gründung der Gesellschaft im vergangenen Jahr in Anspruch genommen worden. Kirschall: „Die Arbeitgeber erfahren nur, wie häufig auf die Betreuung zurückgegriffen wurde, jedoch keine Namen.“ Ohnehin sei die Betreuung für die Mitarbeiter beteiligter Firmen lediglich eine Option, keinesfalls aber ein Muss, betont sie. Gerade im Hinblick auf die wachsende Anzahl Alleinerziehender gebe es jedoch immer mehr Bedarf nach Betreuungsmöglichkeiten.

Stefanie Fröbisch ist jedenfalls dankbar für das Angebot: „Als Arbeitnehmer hat man nur eine begrenzte Zahl von Tagen für die Betreuung im Krankheitsfall des Partners oder der Kinder zur Verfügung.

Sind diese Tage ausgereizt, muss man als Elternteil eigene Urlaubstage in Anspruch nehmen.“

Doch nicht immer können die Familienhelferinnen aktiv werden. „Liegt eine ernsthafte oder ansteckende Erkrankung bei den Kindern vor, sind die Eltern selbst in der Pflicht“, so Kirschall. Erst wenn eine ansteckende Erkrankung schon im Abklingen sei, könne die Familienhelferin aktiv werden. Damit solle sichergestellt werden, dass Eltern auch da seien, wenn die Kinder sie benötigen.

Die Helferinnen sind ausgebildete Tagesmütter oder haben eine entsprechende Schulung durchlaufen. „Wir suchen auch noch Helferinnen, die uns in unserer Arbeit unterstützen können“, sagt Kirschall.

Derweil haben Lena und Henry, Stefanie Fröbischs ältere Kinder, den Inhalt des Spielerucksacks für sich entdeckt. Sie fördern Malstifte und -bücher, Knete und Spiele ans Tageslicht. In ihrer vertrauten Umgebung haben die beiden schnell vergessen, dass sie Ingrid Strotjohann ja noch gar nicht so gut kennen. Und oben, im Schlafzimmer, kann Stefanie Fröbisch unbesorgt erstmal wieder zu Kräften kommen.

 Thomas Klatt

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