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Ostholstein Wenn Oma mit dem Kart über die virtuelle Kuhwiese heizt
Lokales Ostholstein Wenn Oma mit dem Kart über die virtuelle Kuhwiese heizt
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09:16 10.11.2013
Das macht Spaß: Helga Prehn (v. l.), Marie-Luise Wriedt und Gretchen Stoltenberg lassen sich von Louisa Debert das Spiel erklären. Quelle: Fotos: Peyronnet
Neukirchen

Gretchen Stoltenberg ist eine von einer Handvoll älterer Damen, die bei der Donnerstagsrunde der Kirchengemeinde Neukirchen Computerspiele ausprobiert haben. Schützenhilfe bekamen die Damen zwischen Mitte 50 und Anfang 90 von zwei Konfirmandinnen: Kristin Besser und Louisa Debert aus Sieversdorf (beide 13) erklärten, wie die Wii funktioniert, und sie gaben erste Hilfestellungen.

Zu Beginn hatte Elisabeth Beerbaum (81) vom Leitungsteam in einer kurzen Einführung gesagt: „Gib uns Mut, Herr, aufzubrechen und uns auf den Weg zu machen.“ Warum aber sollen sich die Damen überhaupt auf den Weg zur Computerspielerei machen? „Es ist eine neue Art des Spielens, das muss man einfach mal ausprobieren“, sagt Pastor Stefan Grützmacher. Und auch: „Bei Ihren Enkeln haben Sie sicher schon gedacht: Was macht der Junge da so lange?“ Eine Frage, die mit dem Spiele-Versuch beantwortet werden soll. „Dann haben Sie das wenigstens mal ausprobiert, es verschafft Ihnen einen Bonus bei Ihren Enkeln, und Sie können mitreden.“

Zunächst führen Kristin und Louisa das Spiel „Mario Kart“ vor, ein wildes Rennen über eine Kuhwiese. Und sofort sind die Damen mit Feuereifer bei der Sache. Erschreckte „Ooooh“-Rufe ertönen, als Erdmute Waghals vom Leitungsteam mit ihrem Kart gegen zwei auf der Piste stehende Kühe prallt. „Uuuh, Glück gehabt“, kommentiert eine Zuschauerin ein gelungenes Fahrmanöver. Marie-Luise Wriedt ist eine der Ersten, die sich selbst ans Lenkrad setzt und ihren Mario über die virtuelle Piste schickt. „Och nee, och nee. Das war aufregend“, sagt sie hinterher. „Ich habe schon mit meinem Enkel gespielt, aber ich kann nicht so schnell schalten.“

Für Helga Prehn ist es das erste Mal, dass sie sich an der Wii versucht. „Das war gut! Das war fantastisch!“, ruft sie begeistert. Gretchen Stoltenberg guckt sich das alles erst einmal aus der zweiten Reihe an. Zwischendurch fragt sie Louisa und Kristin: „Sitzt Ihr da immer vor? Mal ehrlich?“ „Nein, wir lesen“, gibt Louisa zurück. Dann ergreift Gretchen Stoltenberg selbst die Wii-Fernbedienung, diesmal läuft Bingo. Sie soll Gesichter erkennen und mit waagerechten, senkrechten oder diagonalen Strichen verbinden. „Oh Mann, wo muss ich da drücken?“, fragt Stoltenberg verunsichert. Plötzlich hat sie einen Bingo. „Was? Das gibt‘s doch nicht! Das ist ja reine Glückssache.“

Nach einer Stunde ziehen sich die Damen erst einmal wieder an die Kaffeetische zurück, um ein bisschen zu verschnaufen. Nur Erdmute Waghals und Christa Wede stehen noch vor der Leinwand. „Wir wollen jetzt Bowling spielen“, sagen sie und werfen die Kugel. Natürlich nur virtuell. Aber Spaß macht es doch.

Computerspiele — gut für die Gesundheit
„Silver Gamer“ werden Senioren genannt, die Spaß an elektronischen Spielen haben. Diese neue Nutzergruppe war eines der Themen bei der diesjährigen Gamescom, der Spielemesse in Köln.

Lern- und Logikspiele sind bei älteren Spielern besonders beliebt, ebenso wie Gesellschaftsspiele. Nach Angaben von netzwerk-senioren.de erfreut sich die Spielekonsole Wii besonderer Beliebtheit. Seniorenheime setzen sie bereits zur Bewegungsmotivation ein.

Altersforscher haben festgestellt, dass Computerspiele bei Senioren positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Sie trainieren die Motorik (beim Umgang mit der Maus) und beanspruchen die geistigen Fähigkeiten.

Susanne Peyronnet

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