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Ostholstein Wenn der Alltag zu viel wird: Familienpaten gesucht
Lokales Ostholstein Wenn der Alltag zu viel wird: Familienpaten gesucht
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13:47 22.07.2018
Carolin Perez (vorn) ist dreifache Mutter. Sie ist froh, dass es Familienpaten gibt. Sabine Lousberg ist eine von ihnen. Quelle: Fotos: Jennifer Binder
Oldenburg/Neustadt

Carolin Perez aus Neustadt bekommt einmal die Woche Besuch von einer Ehrenamtlerin. „Sie gehört schon zur Familie“, sagt die Mutter einer siebenjährigen Tochter und einjähriger Zwillingssöhne. Als Altenpflegerin arbeitet sie im Schichtdienst, ihr Mann Michael ist Fernfahrer und deshalb nur am Wochenende zu Hause, die Großeltern wohnen nicht in der Nähe. Der Alltag mit drei kleinen Kindern wird dadurch zur echten Herausforderung. So schön das Familienleben sei – „manchmal wird mir alles zu viel“, gibt die junge Mutter zu. Darum sei sie sehr dankbar für die Unterstützung.

Unterstützung für junge Familien: In Ostholstein entlasten ehrenamtliche Familienpaten Eltern im Alltag. Vermittelt werden die Helfer durch die Familienzentren im Kreis. Die Nachfrage ist groß. Gerade im Raum Oldenburg werden zusätzliche Freiwillige gesucht.

Drei Stunden die Woche ist die Familienpatin im Haus und beschäftigt sich mit den Kindern. Drei Stunden, in denen Carolin Perez in Ruhe Wäsche waschen, einkaufen gehen oder einfach mal durchatmen kann. Das „sechste Familienmitglied“ macht auch Ausflüge mit der großen Tochter, die bei zwei kleinen Brüdern laut Mama sonst „im Moment leider häufig zu kurz kommt“, und kommt bei Elternabenden auch mal abends vorbei, um auf die Kinder aufzupassen. „Ich wüsste wirklich nicht, was ich ohne sie machen würde“, betont die Neustädterin.

Viele Familien oder alleinerziehende Eltern seien in ähnlichen Situationen, berichtet Katja Kirschall, Koordinatorin für die Einrichtungen in Oldenburg und Neustadt. Auch die Familienzentren in Eutin, auf Fehmarn und in Heiligenhafen vermitteln Familienpaten als Helfer. Insbesondere im Raum Oldenburg – das dortige Familienzentrum ist auch zuständig für Lensahn, Göhl und Wangels – werden zurzeit Freiwillige gesucht: Gibt es in Neustadt aktuell 15 Paten, hat sich in Oldenburg bisher nur eine Ehrenamtlerin gefunden. Derweil stehen zwei Familien laut Kirschall sozusagen schon auf der „Warteliste“. Im übrigen Kreisgebiet sind Freiwillige aber ebenfalls immer gern gesehen.

Eine, die sich schon vor langer Zeit freiwillig gemeldet hat, ist Sabine Lousberg. Die 66-Jährige ist vor fünf Jahren nach Ostholstein gezogen und hat „etwas gesucht, bei dem ich mich als Renterin engagieren kann“, erzählt die ehemalige Hauswirtschaftsleiterin eines Reha-Zentrums. Sie war selbst eine alleinerziehende Mutter, kennt die Herausforderung, Privat- und Berufsleben unter einen Hut zu bekommen. Ein Angebot wie das vom Familienzentrum „hätte ich damals dringend gebraucht“.

Das sei aber nur ein Grund, weshalb sie sich jetzt gerne als Familienpatin engagiere, sagt Sabine Lousberg. Die Familien, die sie unterstütze, gäben ihr auch viel zurück, betont sie. Nicht nur bekomme ihr Alltag durch das Ehrenamt wieder eine feste Struktur, vor allem mache ihr die Zeit mit den Kindern großen Spaß. Klein und Groß hießen sie regelmäßig in ihren Familien willkommen, erzählt sie, „das ist auch eine Ehre“. Und „eigentlich gibt es doch nichts Schöneres, als gebraucht zu werden“.

Kontakt

Potenzielle Familienpaten sollten zwei bis drei Stunden pro Woche Zeit und Lust haben, eine Familie zu unterstützen. Für alle Freiwilligen gibt es zunächst eine Schulung, bevor das Familienzentrum den Kontakt zu einer Familie herstellt. Bei der Vermittlung werden auch Wünsche zum Beispiel in Bezug auf das Alter der Kinder berücksichtigt.

Wer Interesse hat, bekommt weitere Infos bei Katja Kirschall vom Familienzentrum Oldenburg (Mobiltelefon: 0160/96736965; E-Mail an familienzentrum-oldenburg@dksb-heiligenhafen.de) oder beim jeweiligen Familienzentrum in seiner Region.

Jennifer Binder

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