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Ostholstein Wenn der Wolf vor einem steht: Tipps vom Profi
Lokales Ostholstein Wenn der Wolf vor einem steht: Tipps vom Profi
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23:00 12.05.2016
Der ausgestopfte Wolf, gehalten von Sonja Strube, beeindruckte die Kinder des Waldkindergartens Pansdorf. Quelle: Peter Mantik

Die Kinder des Waldkindergartens Pansdorf leben den halben Tag in der Natur. Sie sind mit Flora und Fauna vertraut. Nun wird aber mit den Wolfssichtungen im Kreis Ostholstein (LN berichteten) ein neues Thema zum Alltag hinzugefügt. Daher wurde gestern ein Wolfsprojekt mit den Kindern durchgeführt. Dr. Werner Sach und Sonja Strube von Eutiner Naturerlebnisraum (Erna) erklärten den Zwei- bis Sechsjährigen, wie sie einen Wolf erkennen können und wie sie sich bei einer Begegnung im Wald zu verhalten hätten.

 

Wölfe treten stets in den eigenen Pfotenabdruck. Quelle: Peter Mantik

„Die Kinder müssen wissen, dass sie einem Wolf begegnen könnten.“ Dr. Werner Sach, „Erna“

Veranschaulicht wurde das Aussehen des Wolfes an einem ausgestopften Tier, die Abdrücke eines Wolfes wurden zudem auf einer Folie gezeigt. Jagdhündin „Ella“ half als Probandin, den Vergleich zum Hund deutlich zu machen. Sonja Strube erläutert: „Der Wolf hat große Pfoten, spitze und aufrechte Ohren, eine weiße Schnauze, seitlich stehende Augen, einen buschigen Schwanz und dazu ein sehr starkes Gebiss.“ Wenn ein solcher Wolf sich der Gruppe nähern sollte, gelte folgende Devise: Alle Kinder sollten zusammenkommen und den Wolf gemeinsam anbrüllen, um ihn zu verjagen.

„Erna“ räumt auch mit dem Rotkäppchendenken auf. In dem Märchen der Gebrüder Grimm ist der Wolf ein kalkulierendes, gefräßiges Tier, das die Großmutter auffrisst und dem Rotkäppchen auflauert.

Dr. Werner Sach erklärt: „Die Kinder müssen wissen, dass sie einem Wolf theoretisch begegnen könnten.“ Natürlich geschehe dies nicht ohne Risiko, dies habe die Geschichte gelehrt. Vor allem kranke Tiere könnten zum Problem werden, dies sei aber nicht die Regel. Grundsätzlich habe der reale Wolf nichts mit dem im Märchen gemein.

Waldspaziergänger müssten sich zunehmend darauf einstellen, einem Wolf zu begegnen. In Curau, zehn Kilometer von Pansdorf entfernt, wurde ein Wolf nachweislich gesichtet. In Pansdorf ist eine solche Sichtung noch nicht bestätigt, jedoch will eine Hundespaziergängerin einen Wolf gesehen haben. „Sichtungen werden in den kommenden Jahren sicher kreisweit in Ostholstein zunehmen, deswegen ist das Thema für alle Naturliebhaber aktuell“, erklärt Sach. Dennoch glaube er nicht, dass sich der Wolf in Ostholstein fest ansiedelt. „Unsere Region wird ziemlich wahrscheinlich ein Durchzugsgebiet bleiben, weil es an Rückzugsorten für den Wolf fehlt“, glaubt Sachs. Auch seien die Kinder des Waldkindergartens eher ungefährdet, weil der Wolf nachts jagen würde und der Mensch ohnehin nicht ins Beuteschema passe.

Die Waldkinder bleiben beim Wolfthema interessiert und entspannt. Die Erzieherinnen sowieso. Ihr Motto: Lieber einem Wolf begegnen als einer Wildschwein-Bache mit ihren Frischlingen. Diese seien schon eher unberechenbar und auch häufiger anzutreffen.

 Peter Mantik

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