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„Wer Frauen schlägt, tut auch Kindern etwas an“

Eutin „Wer Frauen schlägt, tut auch Kindern etwas an“

Fachtagung in Eutin beschäftigte sich mit häuslicher Gewalt und ihren Auswirkungen.

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Mehr als 60 Frauen sind im vergangenen Jahr in Ostholstein von ihren Partnern geschlagen, getreten, geschubst oder vergewaltigt worden.

Quelle: dpa

Eutin. Mehr als 60 Frauen sind im vergangenen Jahr in Ostholstein von ihren Partnern geschlagen, getreten, geschubst oder vergewaltigt worden. Mindestens. Denn das sind nur die Fälle, in denen dem Frauennotruf Ostholstein von der Polizei mit Einverständnis der Frauen die Daten übermittelt oder in denen die Schläger der gemeinsamen Wohnung verwiesen wurden. Diese Zahl nannte gestern Carla Schneider vom Frauennotruf im Eutiner Kreishaus. Dort trafen sich Sozialpädagogen, Polizisten, Frauenhaus- und Frauennotrufmitarbeiterinnen, Lehrer, Erzieher, eben alle, die mit Familien und der manchmal in ihnen herrschenden Gewalt zu tun haben. Sie sollten die Gelegenheit bekommen, sich über häusliche Gewalt in ihren unterschiedlichen Ausprägungen zu informieren. Und es ging um Handlungsmöglichkeiten, sowohl sozialpädagogischer wie auch juristischer Art.

Veranstalter des regionalen Fachtags „Gewalt in der Partnerschaft — Konsequenzen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ waren Kik (Regionale Koordination Netzwerk häusliche Gewalt), der Kreis, der Notruf Ostholstein und das Frauenhaus Ostholstein. Entstanden ist die Idee auf einer Kik-Veranstaltung.

Dass sie nach den Übergriffen von Köln eine solche Aktualität bekommen sollte, war nicht abzusehen. „Es ist eine neue Dimension hinzugekommen“, sagte Christa Feigl vom Frauenhaus Ostholstein. Sorge, dass die alltägliche, häusliche Gewalt hinter den Schlagzeilen verschwindet, hat sie nicht. Im Gegenteil: „Die Frage der Tolerierbarkeit von Gewalt und sexualisierter Gewalt kocht hoch. Das gilt auch bei der Sensibilität für die Fachkräfte.“ Alfred Grüter vom Fachdienst Soziale Dienste beim Kreis hofft: „Viele liegengebliebene Gesetze und Vorhaben bekommen jetzt vielleicht einen Schubs.“

Gewalt gegen Frauen ist ein Problem der gesamten Familie. „Heimische Gewalt zwischen Erwachsenen hat immer Auswirkungen auf die Kinder“, erläutert Grüter, warum das Problem das Jugendamt etwas angeht. „Wer der Frau etwas antut, tut auch den Kindern etwas an“, präzisiert Feigl, und sie meint das nicht nur im direkten, handgreiflichen, sondern auch im übertragenen Sinn. Über die Folgen häuslicher Gewalt für das Kindeswohl referierte Prof. Ludwig Salgo von der Goethe-Universität Frankfurt, der auch Möglichkeiten und Grenzen von Familienrichtern und Jugendämtern aufzeigte. Ein weiterer Vortrag musste wegen Erkrankung der Referentin ausfallen.

In wie vielen Familien in Ostholstein geschlagen und misshandelt wird, darüber gibt es keine Zahlen. Feigl spricht von einer großen Dunkelziffer. Die Hoffnung, dass eine Ohrfeige, ein Schlag, ein Schubsen ein einmaliger Ausrutscher ist, ist laut Grüter gering. Ganz im Gegenteil, sagt Feigl: „Nach unserer Erfahrung gibt es immer eine Gewalteskalation. Es steigert sich. Dass Gewalt einmalig geschieht und dann nie wieder, ist ein Märchen.“ Claudia Wolf vom Kik-Netzwerk ergänzt, dass Gewalt in Familien ihre Ursachen in Macht und Kontrolle habe.

33 Frauen und 39 Kinder haben diese mit Schmerzen und Erniedrigung verbundene Macht und Kontrolle nicht mehr ausgehalten und haben 2014 im Frauenhaus Ostholstein gelebt. Die Zahl der Kinder belegt ebenso wie die Aussage von Carla Schneider, dass etwa Dreiviertel der geschlagenen Frauen aus Familien mit Kindern kommen, dass die Gewalt der Männer alle trifft und dass Kinder Opfer sind, auch wenn sie selbst nicht geschlagen werden. Wie groß das Problem ist, belegt eine Zahl der Polizei: Im Jahr 2014 gab es in Schleswig-Holstein im Durchschnitt sieben Einsätze pro Tag wegen häuslicher Gewalt.

Susanne Peyronnet

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