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Ostholstein Wer hat angefangen? Skilift-Streit wird zur Posse
Lokales Ostholstein Wer hat angefangen? Skilift-Streit wird zur Posse
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21:15 07.01.2016
„Eine Äußerung von mir hat letztlich zum Bruch mit der Familie Schnoor geführt.“ Hans-Alfred Plötner, Bürgermeister

Skurrile Posse um den Skilift auf dem Bungsberg: Bei den Verhandlungen zwischen der Gemeinde Schönwalde und den Grundstücksbesitzern scheint das eigentliche Thema längst in den Hintergrund gerückt zu sein. Stattdessen spielt die größte Rolle für die direkten Beteiligten offenbar die Frage: Wer hat angefangen? Bürgermeister Hans-Alfred Plötner (CDU) hat jetzt eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der er die Verantwortung für die Streitigkeiten übernimmt, wegen derer der Schlepplift bisher nicht aufgebaut wurde. Offenbar auf Drängen der Grundstücksbesitzer: Sie hatten die Stellungnahme des Bürgermeisters zur Bedingung für weitere Verhandlungen gemacht.

Nach mehr als 40 Jahren könnte der Schlepplift in diesem Winter erstmals im Schuppen bleiben. Der Grund sind allem Anschein nach persönliche Differenzen zwischen Bürgermeister Plötner und dem Ehepaar Schnoor, dem die betreffende Fläche gehört. Bisher hatte die Familie das Areal im Winter unentgeltlich zur Verfügung gestellt und auch den Betrieb des gemeindeeigenen Lifts übernommen. Jetzt haben Schnoors den Vertrag mit der Gemeinde gekündigt und diverse Vorwürfe gegen den Bürgermeister erhoben — von fehlenden Absprachen bis hin zu widerrechtlichen Eingriffen seitens der Gemeinde auf Privatgrundstücken (die LN berichteten).

Bisher hatte Plötner die Beschuldigungen vehement zurückgewiesen und betont, er sei zwar bereit zu Gesprächen, sehe es aber nicht als seine Aufgabe an, den ersten Schritt zu machen. Jetzt dagegen nimmt er plötzlich die Schuld für die ausgeartete Situation auf sich: Zu seinem „großen Bedauern“ habe eine Äußerung seinerseits „zu einer nachhaltigen Störung und letztlich zum Bruch der Zusammenarbeit“ mit der Familie Schnoor geführt, erklärt er. Er habe Alexandra Schnoor bezichtigt, ihn angezeigt zu haben, so Plötner, im Nachhinein habe sich jedoch herausgestellt, dass das nicht der Fall war. Auch eine „versäumte Kommunikation“ räumt er ein.

Laut Robert Trede, stellvertretender Vorsitzender des Gemeindebeirats „Schönwalde aktiv“, ist mit diesem Eingeständnis nun wieder eine Verhandlungsbasis geschaffen. Trede hat in den vergangenen Wochen Gespräche mit allen Beteiligten geführt und versucht, zwischen ihnen zu vermitteln. Für Alexandra Schnoor sei die öffentliche Richtigstellung des Bürgermeisters die Voraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit mit der Gemeinde gewesen; jetzt solle nach Möglichkeit ein neuer Vertrag ausgehandelt werden.

„Ich würde mich freuen, wenn wir jetzt zu einer Einigung kommen und der Skilift doch noch aufgebaut werden kann“, sagt Plötner. An den Gesprächen werde er künftig allerdings nicht mehr persönlich beteiligt sein; diese Aufgabe will er an seine Stellvertreterin Bärbel Seehusen (SPD) abgegeben. „Im Sinne der Gemeinde“ halte er das für das Beste, betont Plötner, auf diese Weise hätten die Verhandlungen mehr Aussicht auf Erfolg. Er hoffe, dass der Betrieb des Skilifts somit langfristig fortgesetzt werden könne; das Angebot sei wichtig für die gesamte Region.

Laut Bauhof könnte der Lift jederzeit aufgebaut werden — wenn erst einmal Schnee liege, sei es allerdings zu spät. So oder so bleibt der Bungsberg aber frei zugänglich. Nur der Aufstieg könnte für Skifahrer anstrengender werden.

Skispaß hatte Tradition
168 Meter hoch ist der Bungsberg — und damit Schleswig-Holsteins höchste Erhebung.
Der dortige Skilift war seit mehr als 40 Jahren eine feste Institution, die Einheimische und Touristen gleichermaßen anzog. Bisher war das Angebot ein gemeinsames Projekt von Gemeinde und Grundstücksbesitzern. Jetzt ist die Zukunft des Lifts ungewiss.

Jennifer Binder

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