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Ostholstein Wer hat auf „Angel“ geschossen?
Lokales Ostholstein Wer hat auf „Angel“ geschossen?
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00:00 25.10.2012
Border Collie „Angel“ hat zwei Schüsse überlebt: Lotte Grohe (l.) und Ginger Marlene Grohe suchen noch nach ihrem zweiten Hund „Lupus“, der seit einer Woche verschwunden ist.
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Ostholstein

Familie Grohe hatte sich schon über die Beulen unter dem Fell ihrer zwei Hunde gewundert. „Auf die Idee, dass es Schrotkugeln sein könnten, sind wir nicht gekommen“, sagt Lotte Grohe. Dann kam am vergangenen Donnerstag der Border Collie Mix „Angel“ blutüberströmt nach Hause, ohne den zweiten Hund „Lupus“ – der wird seitdem vermisst.

„Der Vorraum war voller Blut, meine Hände auch und der Holzfußboden“, sagt die Tochter Ginger Marlene Grohe noch sichtlich mitgenommen. In der Kleintierklinik am Tierheim Lübeck kämpften die Ärzte dann um das Leben des Hundes. „Es war haarscharf und er wäre fast gestorben“, sagte der behandelnde Oberarzt Sascha Kretzing. Seine Diagnose: „Es war mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Schussverletzung. Jemand hat vermutlich auf den Brustkorb des Tieres gezielt“, sagt er. Zudem stellte das Ärzteteam fest, dass auf den Border Collie schon einmal vor etwa einem Monat geschossen wurde, denn „im Tier befinden sich laut Röntgenaufnahmen noch 16 Schrotkugeln, die wir auch nicht entfernen konnten“, sagt der Oberarzt.

Die Hunde „Angel“ und „Lupus“ waren am Donnerstagvormittag Freunden entwischt, die mit den Hunden spazieren waren. „Wir hatten sie eigentlich gebeten, die Hunde nicht abzuleinen, weil es schon so viel Ärger deswegen gegeben hat“, sagt Lotte Grohe traurig.

Ärger gab es vor allem mit dem Dorfvorsteher Rüdiger Kleinert und dem Ordnungsamt. „Wir haben seit einem Jahr das Problem der freilaufenden Hunde im Dorf, und ich wurde immer wieder von Bewohnern deswegen angesprochen“, sagt Dorfvorsteher Kleinert. Besonders nachdem im Frühjahr die Kaninchenställe von drei Dunkelsdorfer Familien nachweislich von Tieren aufgemacht und einige Kaninchen getötet wurden, seien die Dorfbewohner erbost gewesen. „Aber unsere Hunde hat nie jemand beim Wildern beobachtet, da kommen auch andere Dorfhunde in Frage“, sagt Ginger Grohe. Dies bestätigt auch Kleinert: „Die beiden Border Collies sind menschenfreundlich und sehr umgängliche Tiere. Wer damals die Kaninchen gerissen hat, wissen wir nicht“, sagt er. Aber er habe Familie Grohe mehrmals auf die Gefahr hingewiesen, dass wildernde Hunde von Jägern erschossen werden können. „Schließlich sind sie eine Gefährdung für Autos im Dorf und das Wild“, sagt er. Deswegen habe er das Ordnungsamt eingeschaltet, als keine Besserung eintrat. „Nach der zweiten Mahnung vom Ordnungsamt und dem Bußgeldverfahren, verbunden mit der Drohung, dass die Hunde sonst zum Abschuss freigegeben sind, habe ich sie seit Januar immer angeleint und einen höheren Zaun gebaut“, beteuert Lotte Grohe. Nur einmal vor vier Wochen seien sie auch mal entwischt, aber das habe sie gleich mit dem Amt geklärt.

In der Tat sieht das Jagdgesetz von Schleswig-Holstein vor, dass „wildernde Hunde und Katzen“ durch den Jagdschutzberechtigten getötet werden können, wenn sie „im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung der sie führenden Person sichtbar Wild verfolgen oder reißen“. Doch Eckehard Heisinger von der Försterei Ahrensbök merkte dazu an: „Ein Border Collie ist eine Hütehund und würde das Reh höchstens einkreisen. Normalerweise reißen die kein Wild. Außerdem gibt es andere Möglichkeiten als diesen letzten Schuss “, sagt er voller Unverständnis.

Um Dunkelsdorf liegen zwei Reviere – das Revier Dunkelsdorf, zu dem die angrenzenden Felder gehören, und das Revier Schwinkenrade, dem die Wälder zugerechnet werden. Doch die Pächter beider Jagdreviere sagen, nicht auf der Jagd gewesen zu sein: Jagdpächter Ferdinand Kleingarn vom Revier Dunkelsdorf sei im Urlaub auf Mallorca gewesen. Die anderen beiden Berechtigten seien gerade aus „gesundheitlichen Gründen“ nicht in der Lage zu jagen. Auch Klaus-Peter Schmidt, der einen entgeltlichen Erlaubnisschein für die Jagd im Revier Schwinkenrade hat und seine zwei Kollegen verneinen: „Keiner von uns war am Donnerstag im Revier draußen, und auf Hunde schießen wir generell nicht“, sagt er. Doch wenn es kein Jagdpächter war, wer war es dann? Familie Grohe glaubt, dass womöglich ein Dorfbewohner auf ihre Tiere geschossen hat. Genau das versucht jetzt die Ahrensböker Polizei zu klären. „Wir ermitteln in alle Richtungen und vernehmen gerade Zeugen“, sagt Polizeisprecherin Anett Dittmer.

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