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Ostholstein Werftbesuch: Drei neue Stahlkolosse für die Küstenwache
Lokales Ostholstein Werftbesuch: Drei neue Stahlkolosse für die Küstenwache
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17:29 12.08.2018
Die „Bad Bramstedt“ (links) gehört zur Küstenwache und ist nur zu Besuch in der Werft. Sie wird gerade auf Vordermann gebracht. Rechts ragt der Bug eines der neuen Schiffe aus der Halle heraus.  Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Bremen

Berne/Neustadt. Ihr Einsatzgebiet sind Nord- und Ostsee. Ihr Auftrag ist die Kontrolle des Seeverkehrs. Um ihn zu erfüllen, benötigt die Küstenwache (Bundespolizei See) moderne Schiffe. Drei 86,20 Meter Exemplare sollen bis Jahresende auf dem Gelände der Fassmer-Werft im niedersächsischen Berne gebaut werden.

Die Luft ist stickig. Funken sprühen. Männer tragen Schutzbrillen und Ohrstöpsel. Hammerschläge dröhnen. Wer die 35 Meter hohe Halle gleich neben der Weser betritt, muss Schuhe mit Stahlkappen und einen Schutzhelm tragen. Alltag für Axel Sürmann. Der Diplom-Ingenieur zeigt auf das rostbraune Heck eines der Schiffe, erklärt, dass lediglich die Brücke und der Mast aus Aluminium gefertigt werden.

Der Rest der Hülle besteht aus 800 Tonnen Stahl. Sürmann sowie etwa 60 weitere Ingenieure und Konstrukteure arbeiten seit Monaten an dem Großprojekt. „Es sind die längsten Schiffe in unserer Werftgeschichte“, sagt er. Allein 1300 Zeichnungen seien am Computer erstellt worden. 103 Kilometer Kabel und 55 Tonnen Rohrleitung (3290 Einzelstücke) müssen verlegt werden.

Die Fassmer-Werft gilt als feste Größe, wenn es um den Bau von Behördenfahrzeugen geht. Sie liefert weltweit. Für die Bundespolizei See arbeitet das Unternehmen erstmals. Laut Oberregierungsrat Gero von Vegesack, Sprecher der Bundespolizei, hat Fassmer das wirtschaftlichste Angebot gemacht und sich gegen mehrere Wettbewerber durchgesetzt. Die reine Bauzeit beträgt nicht einmal zwei Jahre. Für die Werft ist das eine logistische Höchstleistung. Axel Sürmann erklärt, dass der Neubau mit der Nummer „7040“ komplett in Deutschland gebaut wird. Die beiden anderen Stahlkörper („7050“ und „7060“) würden aus Kapazitätsgründen im litauischen Klaipeda zusammengesetzt und anschließend nach Berne geschleppt. „7050“ ist schon da. Der Innenausbau hat begonnen. „7060“ soll im September folgen. Der Zeitplan ist eng.

Schiffe können international eingesetzt werden

Am 14. Dezember steht die erste Taufe an. Das Schiff wird den Namen „Potsdam“ erhalten. In der brandenburgischen Landeshauptstadt befindet sich der Hauptsitz der Bundespolizei. Die beiden anderen werden „Bad Düben“ und „Bamberg“ heißen. Sie alle bekommen Neustadt in Holstein als Heimathafen. Das ist Tradition. Anschließend sollen die Schiffe „nach einsatztaktischen Gesichtspunkten auf der Nord- und Ostsee eingesetzt“ werden, sagt von Vegesack. Internationale Missionen seien möglich. In der Vergangenheit beteiligte sich die Küstenwache unter anderem an Aktionen im Mittelmeer zur Rettung von Flüchtlingen.

Klicken Sie hier, um viele weitere Eindrücke von der Werft zu sehen, in der die neuen Schiffe für die Küstenwache gebaut werden.

Die Anforderungen an die 13,40 Meter breiten und maximal 48 Personen fassenden Schiffe sind enorm. Auf ihnen sollen nicht nur Hubschrauber (Super Puma) landen. Auch diverse Umweltauflagen müssen eingehalten werden. Diese seien insbesondere im Wattenmeer der Nordsee sowie in den norwegischen Fjorden hoch. Die 2017 ausgemusterten Schiffe, die teils aus DDR-Beständen (Volksmarine) stammten, hätten entsprechende Zertifizierungen nicht mehr bekommen, sagt Matthias Menge, Sprecher der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt. Die Neubauten hingegen können laut Ingenieur Sürmann von Diesel- auf Elektroantrieb umschalten. Wobei dies lediglich bei Kontrollfahrten, aber nicht bei Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 21 Knoten (39 km/h) möglich sein dürfte.

Wassertank soll Schwanken minimieren

Durch den Einbau eines speziellen Wassertanks soll die neue Generation der Küstenwache deutlich ruhiger im Wasser liegen. Die Folge: Die Crew wird seltener seekrank und Hubschrauber können bei starkem Wellengang landen. „Bislang mussten unsere Leute per Seil runter“, sagt Menge. Neu ist auch die Innenausstattung. Ein Sportbereich ist ebenso eingeplant wie eine größere Messe. Auch soll es einen Extra- Raum für medizinische Behandlungen und eine Gewahrsamszelle geben. „Für den täglichen Dienst ist das komfortabler. Bislang wurde die Messe häufig als Notfallraum genutzt“, sagt Menge. Mit an Bord sein werden auch zwei Kontrollboote.

Um die Schiffe möglichst benutzerfreundlich zu fertigen, werden Einsatzkräfte eingebunden. „An welche Seite kommen Türgriffe? Wo hängen Lampen am besten? Es geht darum, Praxiserfahrung einfließen zu lassen“, erläutert Diplom-Ingenieur Jan Henning Günther (Mareval AG). Zugleich sollen sie das Schiff schon in der Bauphase kennenlernen und das dabei gesammelte Wissen später an die Crews weitergeben.

Bevor es auf Streife geht, stehen umfangreiche Fortbildungen an. In Neustadt soll für bis zu zwei Millionen Euro ein Schiffsimulator installiert werden. Wann der kommt, ist unklar. „Die Nutzung der Schiffe ist jedoch vorher möglich. Die Einweisung der ersten Besatzungen durch die Fassmer-Werft erfolgt auf einem Simulator der Hochschule Bremen“, sagt von Vegesack.

Von Sebastian Rosenkötter

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