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Ostholstein Wie Blinde reiten lernen
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11:16 30.10.2012
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Ostholstein

Den Striegel erkennt Dorothee Roth an den runden Plastiknoppen, die Bürste hingegen fühlt sich eher an wie ein Kamm, sagt sie. Andere Menschen können diesen Unterschied einfach sehen – Dorothee Roth und fünf weitere Reit-Anfänger, die sich auf dem Hof Tanneneck der Familie Bendfeldt in Schürsdorf eingefunden haben, aber nicht. Denn drei der Gäste des Timmendorfer „Aura-Hotels“ sind blind, die anderen Drei stark sehbehindert. Sie haben eine Woche Reiten und Pferdepflege gebucht und genießen den Umgang mit den sanften Tieren.

„Welche Farbe hat mein Pferd überhaupt?“, fragt Dorothee Roth, und wo der Laie „beige“ antworten würde, weiß Pferdewirtin Angela Hoff es besser: Ein Falbe sei der Norweger-Wallach „Lümmel“, dessen Fell von der Urlauberin aus Darmstadt gerade hingebungsvoll gestriegelt wird, während die Berlinerin Petra Berndt mit Hilfe von Angela Hoff die Hufe auskratzt. „Über die Pflege kann man einen guten Kontakt zum Pferd aufbauen“, hat Dorothee Roth gelernt. Scheu habe sie nicht vor den gar nicht mal so kleinen Tieren, „aber wenn sie herumzicken, bin ich schon sehr achtsam“.

„Begeistert“ seien sie von dem neuen Angebot des „Aura“, sagen die beiden Frauen, die im Alltag kaum Möglichkeiten zum Reiten haben, „dafür ist eigentlich nie Zeit“. „Entspannend“ seien die Tage auf dem Hof Tanneneck, „interessant – und einfach toll“. Noch mehr Spaß als die Pferde-Pflege macht natürlich das Reiten. Günter Matzko sitzt auf dem Norweger „Thore“, der an der Longe läuft und jetzt in den Trab fällt. Günter Matzko lächelt, wirkt konzentriert, aber keineswegs unbeholfen. Der Kölner organisiert oft Seminare für die „Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhauterkrankungen“, erzählt er. „Die Lehrgänge sind immer recht trocken, deshalb frische ich sie gern mit Freizeitaktivitäten auf.“ Viele Angebote seien aber „typische Blinden-Freizeitangebote“ wie Kegeln oder Tandem-Fahren. Reiten finde er spannender, „und deshalb probiere ich das selber aus“. Auf dem Pferd könne er seine Orientierungsschwierigkeiten vergessen, erklärt Günter Matzko: „Ich kann mich allein auf mein Gleichgewicht konzentrieren und werde abgelenkt von den Problemen, die ich als Sehbehinderter normalerweise habe.“

Der Reit-Kursus sei der erste Versuch dieser Art, sagt die „Aura“-Gästebetreuerin Katarina Seelhorst. „Die Nachfrage ist groß, wir planen bereits weitere Termine.“ Bei der Größenordnung von sechs Teilnehmern pro Gruppe solle es aber bleiben, ergänzt ihre Kollegin Christiane Jürger, „es soll ja auch keiner am Rand warten müssen“. Die Gäste seines Hotels seien sehr aktiv, meint Hotel-Direktor Michael Nehm, und sie wollten Abwechslung. „Heute Abend wird dann noch der Film ,Der Pferdeflüsterer‘ gezeigt“, sagt er noch, „das passt doch sehr gut.“

Familie Bendfeldt hat mit ihren Schülern aus Timmendorfer Strand „totales Neuland betreten“, sagt Christin Bendfeldt. „Wir wollten das aber sehr gern machen, denn das Fühlen der Tiere und die Bewegung mit ihnen bringen ganz viel.“ Probleme habe es keine gegeben, „und unsere Norweger und Haflinger sind sehr artig“.

Ihre Angst gegenüber Pferden wollte sie abbauen, sagt Auren Scharo aus Lüneburg, „und das hat geklappt“. Beim Longieren habe sie erfahren, was Trab und Galopp überhaupt sind. „Das hat Spaß gemacht – auch wenn ich erst gedacht habe: Wie soll ich das zwanzig Minuten lang aushalten?“, erinnert sie sich lachend. Auf jeden Fall habe sie Lust bekommen, öfter zu reiten, vor allem nach dem – geführten – Ausritt durch den Wald. „Das habe ich mir immer gewünscht“, sagt sie, „und dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen.“

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