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Ostholstein Wie aus Manuel Manuela wurde: „Fühle mich wie neugeboren“
Lokales Ostholstein Wie aus Manuel Manuela wurde: „Fühle mich wie neugeboren“
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20:23 12.08.2015
Zufrieden und mit sich selbst im Reinen: Manuela Schneider lebte 24 Jahre im „falschen Körper“, bis es zum Coming-Out kam. Quelle: Fotos: Peter Mantik (2)
Heiligenhafen

Vor eineinhalb Jahren stand er an gleicher Stelle, am Binnensee in Heiligenhafen. Es war der Zeitpunkt seines öffentlichen Coming-Outs. Manuel Schneider gestand der Familie, Freunden und der Öffentlichkeit, dass er in den vergangenen 24 Jahren ein Doppelleben geführt und im falschen Körper gelebt habe. Und das dies nun in aller Konsequenz vorbei sei. Heute ist aus Manuel ganz offiziell und von den Behörden bestätigt Manuela Schneider geworden.

Hinter der 45-Jährigen liegt eine Odyssee. Eine bürokratische, eine körperliche und eine psychologische. Diese ist auch noch nicht vorbei. Auf der Straße in Heiligenhafen muss sie immer noch negative Erfahrungen ertragen. Beispielsweise verbale Anfeindungen von fremden Menschen, die an ihrem Äußeren Anstoß nehmen und Kommentare fallen lassen wie, sie habe in Gottes Werk hineingepfuscht. Aber genau das war notwendig. „Ich bin den Ärzten unheimlich dankbar. Was sie vollbracht haben, kommt für mich einem Wunder gleich.“ Vorbei sind die Zeiten, da sie morgens aufwachte und sich am falschen Ort wähnte, in der falschen Haut. „Es fühlt sich alles so an, als sei es nie anders gewesen.“

Der 6. Juli 2015 sei für sie daher wie eine Wiedergeburt gewesen. „Das war der Tag, an dem die genitale Anpassung vorgenommen wurde. Als ich aus der Narkose erwachte, weinte ich vor Glück.“ Mit großen Schmerzen einher ging der zuvor vorgenommene Brustaufbau. „Diese Schmerzen habe ich aber als positiv empfunden.“

Schlimmer waren die bürokratischen Hürden. „Als es darum ging, in meinem Pass Manuel in Manuela zu verändern, musste ich vor einem Beamten in einem sechsstündigen Gespräch mein gesamtes Inneres offen legen, eher dieser sich dazu herabließ, meine Sexualität zu respektieren und mir Glauben zu schenken.“ Diese Erfahrung war für Manuela Schneider eine der schlimmsten Erniedrigungen. „Ich habe mich 24 Jahre gequält, weil ich es nicht schaffte den Mut aufzubringen, die Dinge zu benennen. Wenn ich aber allein an diese endlosen Behördengespräche zurückdenke, weiß ich wieder, warum ich ein Doppelleben führte.“ Die Gesellschaft in Deutschland öffne sich nur zögerlich. Es gebe viele Vorurteile, verletzende Ansichten. Bis in ihren Freundeskreis und in ihre Familie hinein. „Meine Eltern haben mich im Krankenhaus besucht, aber gratuliert oder in der Sache bekräftigt haben sie mich nie.“ Das einzige, was sie gesagt hätten, sei gewesen: „Diesen Weg hättest Du nicht gehen müssen.“

In Deutschland gebe es eine Dunkelziffer, wonach etwa 15000 Menschen den gleichen Weg wie Manuela Schneider beschritten haben. Ihrer ist noch nicht abgeschlossen. Weitere kosmetische Eingriffe und eine Stimmband-OP liegen noch vor ihr. Dennoch fühlt sich Manuela Schneider bereits wie eine ganz normale Frau. „Ich kann auch nichts mehr mit dem Begriff Transfrau anfangen. Ich bin eine Frau“, sagt sie.

Manuela Schneider hat nach alledem, was sie durchgemacht hat, eine Botschaft an all diejenigen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, wie sie noch vor eineinhalb Jahren: „Geht euren Weg.

Man kann es schaffen. 24 Jahre Doppelleben wie bei mir müssen nicht sein.“ Dennoch ist Manuela Schneider auch klar: „Meine Wurzeln kann und werde ich nicht verleugnen.“ Sie möchte ein neues Leben beginnen, Heiligenhafen den Rücken kehren und in der Großstadt ein Plätzchen finden.

Exkurs
Geschlechtsangleichende Operation: Primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale und Funktionen werden durch chirurgische Eingriffe an das andere Geschlecht angeglichen. Wenn aus einem Mann eine Frau wird, nennt man diese Transfrau. Umgekehrt Transmann.

Geschichte: Anfang der 1920er Jahre wurden erste operative „Geschlechtsumwandlungen“ durchgeführt. Über die erste vollständige Geschlechtsumwandlung berichtet 1931 der Abteilungsleiter am Institut für Sexualwissenschaft in Berlin, Felix Abraham.

Peter Mantik

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