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Ostholstein Wie generationsübergreifend ist das Wohnen im Herzen Eutins?
Lokales Ostholstein Wie generationsübergreifend ist das Wohnen im Herzen Eutins?
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21:22 25.10.2013
Wobau-Geschäftsführer Fabian Weist ist froh über das milde Herbstwetter. „Das bringt den Bau gut voran, so dass wir Ende November/Anfang Dezember unter Dach sein und mit den Innenarbeiten beginnen können.“ Quelle: Fotos: Benthien
Eutin

Der Neubau der Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein (Wobau) zwischen Otto-Haesler-Straße, Freischützstraße und Katerstieg wächst rasant. Zum 1. Mai, spätestens 1. Juni, werden die ersten Mieter einziehen können, sie „Wohnen im Herzen von Eutin“, so der Slogan auf dem Bauschild. „Schade, dass der Aspekt des generationenübergreifenden Wohnens darauf nicht berücksichtigt ist“, bedauert die Eutiner Gruppe „Alt und Jung unter einem Dach“.

Sie trifft sich seit über drei Jahren, um ihre Wünsche für ein selbstbestimmtes Wohnen und gemeinsames Leben zu formulieren. Als die Wobau damals das Grundstück an der Otto-Haesler-Straße in Eutin erwarb und dort nach ähnlichen Bauvorhaben in Stockelsdorf und Bad Schwartau ebenfalls ein generationenübergreifendes Wohnprojekt ermöglichen wollte, war der Kontakt zwischen beiden — auch dank Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU) — schnell geknüpft. Er sah darin „eine Riesenchance, ein Vorzeigeprojekt“ für Eutin.

Mittlerweile ist die Gruppe um die Eutinerin Susanne Kasten (70) etwas ernüchtert. „Wenn an der Baustelle nichts von Mehrgenerationen-Wohnen steht, woher sollen Leute, die vorbeikommen, dann wissen, dass es das hier gibt?“ Nachdem die ersten Vorverträge zwischen Wobau und Mietern abgeschlossen worden sind, zeichne sich auch ab, dass junge Leute offenbar rausgefallen sind, so Kasten und ihre „Wahlverwandten“ aus der Gruppe. „Dabei wollten wir uns doch umeinander kümmern. Nun sind hier lauter graue Köpfe“, sagt Elisabeth Peiter (68).

Mit dem Slogan „Wohnen im Herzen von Eutin“ fühle sich die Wobau breiter aufgestellt, argumentiert Wobau-Geschäftsführer Fabian Weist. Der Weg zum Mehrgenerationenhaus sei ein Prozess. „Das muss sich entwickeln und kann nicht verordnet werden.“ In der Tat hätten überwiegend ältere Menschen Vorverträge unterzeichnet, aber auch zwei Familien hätten reserviert.

Von den insgesamt 44 Wohnungen sind laut Weist 20 vergeben. Nach welchen Kriterien die Vergabe stattgefunden hat, wie die unterschiedlichen Preise im Wohnkomplex zustande gekommen sind, welche Posten in den Betriebskosten enthalten sind, ob alle Wohnungen eigene Zähler für Heizung, Kalt- und Warmwasser haben, inwieweit Balkon/Terrasse zur Wohnfläche hinzugerechnet werden, ob es ausschließlich Fußbodenheizung gibt, wie die Küchen und der Innenhof gestaltet sein werden, ob es einen Spielplatz geben wird — zu all dem gab es beim jüngsten Treffen der Gruppe „Alt und Jung“ viele Fragen und viel Kritik. Margret Burggraf (67), die mit ihrem Mann Eberhard (73) an der Otto-Haesler-Straße einziehen will, fasste zusammen, was auch andere äußerten: „Es irritiert mich total, dass so viele unterschiedliche Auskünfte erteilt werden, und immer nur mündlich.“ Die Gespräche bei und mit der Wobau bewerteten viele als „nicht zufriedenstellend“. Sie hätten auch vermisst, dass ein Vertreter der Gesellschaft sich einmal bei ihren alle zwei Monate stattfindenden Treffen hätte blicken lassen. „Wenn wir eingeladen sind, dann kommen wir auch gern“, entgegnet Fabian Weist. Er hat Susanne Kasten mittlerweile zugesagt, zum nächsten Treffen der Gruppe persönlich zu erscheinen und alle Fragen zu beantworten. Darüber hinaus erklärt er, dass im Januar/Februar eine Musterwohnung fertiggestellt sein soll, so dass alle Interessierten schon mal testen können, wie sich „Wohnen im Herzen von Eutin“ anfühlen könnte.

Das nächste Treffen der Gruppe „Alt und Jung unter einem Dach“ findet statt am Sonnabend, 30. November, 16 Uhr, im Bürgertreff, Stolbergstraße 8.

75 Jahre alt
1938 war das Gründungsjahr der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Ostholstein. Sie hat kreisweit rund 1800 Wohnungen in ihrem Bestand, außerdem Garagen und Geschäftsräume.
44 Wohneinheiten entstehen derzeit an der Otto-Haesler-Straße. Die Wobau investiert für den Neubau in Eutin rund sechs Millionen Euro.

Ulrike Benthien

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