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Ostholstein Wie sicher ist die Fehmarnsund-Brücke?
Lokales Ostholstein Wie sicher ist die Fehmarnsund-Brücke?
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22:16 05.08.2013
Fehmarn

Löchrige Straßen nach langen Wintern kennen wir, der tägliche Slalom zur Arbeit ist der Beleg. Doch dass dies womöglich erst der Anfang eines Verkehrskollapses sein könnte, zeigt sich am Beispiel der Verengung bei der maroden Rader Hochbrücke über den Nordostsee-Kanal und die damit verbundene Vollsperrung für Lkw. Die meisten der 2300 weiteren Brücken in Schleswig-Holstein sind zudem seit Jahrzehnten nicht mehr saniert worden. Es scheint, als ticke hier eine Zeitbombe. An dieser Stelle stellen sich natürlich auch in Ostholstein einige bange Fragen:

Wie fit ist die 50 Jahre alte Fehmarnsund-Brücke? Und was würde eigentlich passieren, wenn sie für längere Zeit komplett gesperrt werden müsste? Was würde das für die Menschen auf der Insel bedeuten?

Die LN konfrontierten Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt (parteilos) mit diesem Ausnahmezustand. „Es gibt keinen Krisenplan. Einen solchen müsste man dann spontan aufstellen.“ Kurze Pause in der Leitung. Dann fährt der Bürgermeister fort: „Ich denke ganz spontan, dass dies natürlich eine Katastrophe für die Menschen hier wäre. Schwerstkranke müssten per Hubschrauber in die Klinik auf dem Festland geflogen werden. Vielleicht müsste auch ein Landungsboot von der Bundeswehr für dringliche Fälle bereit stehen. Und ansonsten müsste die Belieferung und Versorgung der Insel entweder über die Route RostockGedserRødby oder gar über die Route FlensburgJütlandRødby erfolgen.“ In diesem Fall aber käme dann eben jene Rader Hochbrücke auch wieder ins Spiel. Der ehemalige Fährbetrieb zwischen Fehmarn und Großenbrode sei hingegen keine denkbare Alternative. Schmiedt verweist zwar auf die regelmäßige Wartung der Brücke, sagt aber auch: „Manchmal gibt es ja versteckte Mängel mit großer Wirkung.“

Ein Anruf beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Lübeck soll Aufschluss beziehungsweise Beruhigung in diese Sache bringen. Die freundliche und für Brücken zuständige Expertin Britta Lüth nimmt ab, muss aber bedauern: „Brücken sind aktuell Landessache.“ Aha, also dann im Landeshaus in Kiel nachhaken. Pressesprecher Harald Haase, ebenfalls sehr freundlich, bittet um etwas Zeit, er werde da mal recherchieren. Häppchenweise antwortet er binnen kurzer Zeit via Mail. Antwort I: Unterhaltungspflichtiger für die Brücke ist die Deutsche Bahn. Dann aber wird es konkreter. In Antwort II findet sich die Kopie einer Expertise von Femern A/S, aus der unter anderem hervorgeht: „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schiffskollision mit der Brücke zu einer längeren Sperrung von mindestens drei Monaten führen wird, ist sehr gering, man rechnet mit einer Kollision alle 500 Jahre.“ Haase schreibt dazu: „Dass ein Unglück passiert, das die Fehmarnsund-Brücke für jeglichen Verkehr unbefahrbar macht, ist ja reine Spekulation. Wie bei allen Brücken wird auch bei dieser alle sechs Jahre der große TÜV und alle drei Jahre der mittlere TÜV durchgeführt.“ Die Deutsche Bahn hat zuletzt im Jahr 2012 eine Brückenhauptprüfung der Fehmarnsund-Brücke vorgenommen. Die DB schreibt ihrerseits in einer Stellungnahme: „Im Juni 2010 wurde die Brücke zudem einem speziellen Belastungstest unterzogen.

Mit Hilfe von Messsonden und modernster Computertechnik wurde die Statik der Fehmarnsund-Brücke überprüft. Geprüft wurde das Verhalten des Bauwerks bei verschiedenen Belastungen des Schienen- und Straßenverkehrs. Das Ergebnis: Den derzeitigen Belastungen ist die Brücke in vollem Umfang gewachsen.“

Die Brücke, die Fehmarn mit dem Festland verbindet
Fehmarnsund-Brücke: Baubeginn Januar 1960; Fertigstellung/Freigabe: 30. April 1963; kombinierte Straßen (B207)- und Eisenbahnbrücke (LübeckPuttgarden); 963 Meter lang, 21 Meter breit, längste Stützweite 248 Meter, lichte Höhe von 23 Metern; Konstruktion: Netzwerkbogenbrücke, Bogen 268 Meter lang und 45 Meter hoch; sie überspannt den 1300 Meter breiten Sund.
Zukunft: Schleswig-Holsteins Minister Reinhard Meyer (SPD) informierte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) im September 2012 darüber, eine zusätzliche Verbindung über den Fehmarnsund für den Bundesverkehrsplan 2015 anmelden zu wollen.

Peter Mantik

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