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Ostholstein Wieder Baumfrevel am Kammerhang
Lokales Ostholstein Wieder Baumfrevel am Kammerhang
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08:38 12.03.2016
Der Kammerhang an der Scharbeutzer Strandallee kommt nicht zur Ruhe. Wieder wurden illegal Bäume gefällt (links). Fünf wurden mit einer Handsäge zu Fall gebracht, zwei weitere wurden angesägt (rechtes Foto), berichtete die Polizei. Quelle: Fotos: Gabriele Jungk/hfr (2)/christina Düvell-Veen
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Scharbeutz

Den Kammerhang in Scharbeutz hat Gabriele Jungk im Vorbeifahren stets im Blick. „Ich bin so eine Art Kontrolleurin“, sagt sie lachend , um gleich darauf wütend zu werden. Schon wieder, fast genau ein Jahr nach dem letzten Vorfall, wurden an dem Hang zwischen der Lindenstraße und der Wolfsschlucht, illegal Bäume gefällt. Es fehlen sieben Stück.

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Polizei hat Strafanzeige gestellt — Eigentümer wurde selbst überrascht — Bürger haben den Wald im Blick.

Und wieder war es eine „Nacht- und Nebelaktion“. Die Baumfrevler sind noch unbekannt. Untere Forstbehörde, Polizei und Gemeindeverwaltung sind bereits eingeschaltet. Außerdem wurde eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung gestellt. Gabriele Jungk, die für die WUB-Fraktion im Umweltausschuss der Gemeinde vertreten ist, informierte zudem den neuen Eigentümer des Hanges, Franz-Josef Krane in Rheda-Wiedenbrück.

Zur Vorgeschichte: Bereits in den Jahren 2002 und 2012 wurden an dem Hang illegal dicke Stämme mit kräftigen Wurzeln gefällt. Damals wurde vermutet, dass die Bäume einem freien Blick der Hausbewohner auf die Ostsee im Wege standen. Nach starken Regenfällen stürzten Teile des Hanges auf die Straße. Die Abschnitte mussten aufwändig wieder hergestellt werden.

Im vergangenen Jahr nun stoppte, ebenfalls auf Initiative von Gabriele Jungk, Knut Weidemann von der Eutiner Außenstelle der unteren Forstbehörde, bereits begonnene Kahlschlagarbeiten.

Zu dem Zeitpunkt war die 1,5 Hektar große Waldfläche am Scharbeutzer Kammerhang bereits von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten an den Privatmann verkauft worden. Diese Tatsache und die illegalen Baumfällungen beschäftigten im vergangenen Jahr mehrere Ämter und Behörden, Gremien und Ausschüsse auf Gemeinde-, Kreis und Landesebene.

Eine Anliegergemeinschaft habe die Waldfläche gekauft und fühle sich jetzt dafür verantwortlich, so Krane. „Ich weiß nicht, wer es gewesen ist. Wir sind keine Naturrowdys. Im Gegenteil: Wir wollen dafür sorgen, dass Naturschutz und Fremdenverkehr in Einklang gebracht werden“, sagte er in einem LN-Gespräch.

Auch er sei von der Baumfäll-Aktion vollkommen überrascht worden. Er habe jedenfalls einen Unternehmer beauftragt, das Gelände „vernünftig herzurichten“. Dazu gehöre aber nicht das Fällen. „Das Struppzeug muss weg“, konkretisierte Krane. Es werde das weggeräumt, was im Herbst nicht habe beseitigt werden können. Der Hang müsse durchforstet und anschließend regelmäßig gepflegt werden. „Was weg muss, muss weg, und was wachsen will, wächst“, so Krane.

„Das ist sehr unschön“, kommentierte Knut Wiedemann von der Forstbehörde in Eutin die jüngste Entwicklung. Er könne nur einschreiten, wenn es sich um einen Rechtsverstoß gegen das Landeswaldgesetz, wie etwa Kahlschlag, handele. Auch seine Behörde habe den Kammerwald stets im Blick und kontrolliere ihn ständig.

„Ich habe von Amtswegen Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung gestellt“, berichtete ein Polizeibeamter der Polizeistation Scharbeutz. Die Ordnungshüter wurden von Passanten darüber informiert, dass wieder gefällt wurde. „Fünf Bäume wurden mit einer Handsäge nicht fachgerecht zu Fall gebracht. Das haben wir an den Krümeln gesehen.“ Bei der Nutzung von Motorsägen ergäben sich Flocken und Späne. Zwei weitere Bäume seien lediglich angesägt gewesen.

Da sie aber eine Gefahr für die Allgemeinheit dargestellt hätten, hätten auch sie gefällt werden müssen. „Das ärgert uns natürlich besonders, weil wir damit den Baumfrevlern ein wenig in die Hände gespielt haben“, so der Polizeibeamte.

Von Christina Düvell-Veen

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