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Ostholstein Wieder Geldautomat gesprengt - Polizei sucht die Panzerknacker
Lokales Ostholstein Wieder Geldautomat gesprengt - Polizei sucht die Panzerknacker
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10:19 17.02.2016
Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Ratekau

Lübeck/Kiel. Eine Serie von dreisten Automaten-Sprengungen im Norden: In bereits acht Fällen haben sogenannte Panzerknacker- Banden seit Jahresbeginn Geld- und in sieben Fällen Fahrkartenautomaten in die Luft gejagt. Allein in Schleswig-Holstein richteten sie Sachschaden in Höhe von rund einer Million Euro an. Dass die Täter dabei überaus rabiat und unprofessionell zu Werke gehen, macht sie zu einem Risiko.

Unbekannte Täter haben in der Nacht zum Mittwoch einen Fahrkartenautomaten an der Haltestelle Haslohfurth in Norderstedt (Kreis Segeberg) gesprengt. Anwohner hatten vermutlich die Explosion gehört und daraufhin die Beamten verständigt, wie ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen mitteilte. Die Geldkassette des Automaten wurde entwendet. Die Schadenshöhe belaufe sich auf 25 000 Euro.

Am frühen Dienstagmorgen: An der Bahnstation Wohltorf (Herzogtum Lauenburg) sprengten drei Vermummte einen Ticketautomaten und entkamen mit einer Geldkassette. Etwa zur gleichen Zeit schlugen Unbekannte auch im ostholsteinischen Warnsdorf zu: In der Zufahrt zu „Karl’s Erlebnisdorf“ sprengten die Räuber einen Geldautomaten mittels eines Gasgemisches. Eine Farbpatrone, mit der der Automat präpariert war, wurde ausgelöst und machte die Beute unbrauchbar.

Uwe Keller vom Landeskriminalamt (LKA) glaubt deshalb nicht an das Werk von Profi-Banden: „Bei den Geldautomaten ist es bisher in allen Fällen in diesem Jahr bei einem Versuch geblieben. Das spricht nicht gerade für Professionalität.“ Beruhigend sei das keineswegs. Denn der laienhafte Umgang mit Sprengstoffen mache die Täter zur großen Gefahr für sich und andere. So sprengten sie zum Beispiel vorgestern in Wrohm (Kreis Steinburg) erfolglos einen Automaten, über dem sich eine Wohnung befand. Menschen wurden zum Glück nicht verletzt.
Die angerichteten Schäden stehen ohnehin kaum in einem Verhältnis zur Beute. Nach Branchenangaben lägen die Kosten für einen zerstörten Geldautomaten bei rund 100 000 Euro, für einen Ticketautomaten bei etwa 30 000 Euro.
Warum nach einer mehr als dreijährigen Ruhephase im Norden jetzt wieder eine Häufung von Taten auftritt, ist unklar. Das LKA geht aber davon aus, dass es sich um mehrere Gruppen handelt. Zwischen Bank- und Fahrkartenautomatensprengern gebe es deutliche Unterschiede in der Vorgehensweise. „Bei den Ticketautomaten haben wir es wahrscheinlich mit einer Bande zu tun, die vor allem in und um Hamburg aktiv ist“, sagt Bundespolizei-Sprecher Gerhard Stelke. Denn die meisten Taten seien im südlichen Schleswig-Holstein zu verzeichnen.
Die Bahn will es den Panzerknackern jetzt zumindest etwas schwerer machen: 2015 sei damit begonnen worden, 1000 der bundesweit 7000 Ticketautomaten mit Farbpatronen auszustatten, sagt Sprecherin Sabine Brunkhorst. Auch die Finanzinstitute in Schleswig-Holstein wollen reagieren. „Wir befassen uns intensiv damit, wie wir die Automaten besser sichern und Täter abschrecken können“, sagt Joachim Brandt vom Sparkassen- und Giroverband. „Denn es geht hier nicht allein um Geld, sondern inzwischen auch um Leib und Leben.“

Von Oliver Vogt

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