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Ostholstein Wildtiere erobern mehr und mehr die Stadt
Lokales Ostholstein Wildtiere erobern mehr und mehr die Stadt
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22:51 13.02.2018
Ganz soweit ist es noch nicht, dass sich ein Hermelin in die Markttwiete traut – hier ein ausgestopftes Exemplar. Doch vereinzelt kommt auch dieses Wiesel in der Stadt vor. Quelle: S. Prey
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Bad Schwartau

Eine Grünfläche am Minigolfplatz wurde komplett durchpflügt und verwüstet. Jüngst machte eine Spaziergängerin am frühen Morgen eine unfreiwillige Begegnung mit drei Wildschweinen im Kurpark.

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Wildschweine im Kurpark und in der Kleingartenkolonie Auf der Wasch, Rehe in Gärten an der Mühlenstraße und jede Menge Steinmarder und Waschbären im gesamten Stadtgebiet von Bad Schwartau. Stadtjäger Gert Kayser warnt: „Wildtiere erobern immer mehr die Stadt. Auch viele Menschen tragen dazu bei.“

Auch Michael Bauch, der Spätdienst an der Rezeption der Asklepios Klinik hatte, machte unlängst in der Dunkelheit einen Rundgang über das Klinikgelände und wurde von zwei Wildschweinen überrascht.

Seit den Vorfällen läuft der Stadtjäger regelmäßig „Streife“ im Kurpark. „Momentan ist es ruhig und auch im Schnee sind keine frischen Spuren zu erkennen“, erklärt Kayser, der aber keine Entwarnung geben kann. Im Gegenteil. „Die Zahl der Wildtiere in der Stadt nimmt grundsätzlich zu“, berichtete Kayser jüngst in einer Sitzung des Umweltbeirats der Stadt Bad Schwartau. Dass sich die Tiere mehr und mehr im Stadtgebiet breit machen, daran haben die Menschen laut Kayser einen gehörigen Anteil. „Die Nahrungssuche im Stadtgebiet ist mittlerweile einfacher als in Feld und Flur. Schulbrote, die achtlos in die Büsche geschmissen werden, gelbe Säcke am Straßenrand oder der Futternäpfe auf den Terrassen und in den Gärten sind eine perfekte Einladung für die Tiere“, sagt Kayser. Sogar Einzelgänger wie Hermelin, Iltis oder Mauswiesel kommen vereinzelt vor.

Marder werden zur Plage

Zu einer echten Plage hat sich mittlerweile die Population von Waschbären und Steinmardern entwickelt. „Vor drei Jahren wurde ich erstmals zu einem Unfall mit einem angefahrenen Waschbären gerufen, um das verletzte Tier zu erschießen. Im letzten halben Jahr musste ich schon 14 Waschbären nach Unfällen mit einem Schuss erlösen“, berichtet Kayser. Noch extremer ist die Zahl der Steinmarder, die rapide zunimmt. Kayser: „Rund 50 Tiere werden auf den Straße in Bad Schwartau jährlich überfahren. Das ist eine enorme Zahl, denn so lange ist der Steinmarder auch noch nicht im Stadtgebiet unterwegs.“ Die Waschbären und Steinmarder bereiten aber nicht nur im Straßenverkehr Probleme. Es gibt auch Tiere, die sich auf Dachböden einnisten und die menschlichen Hausbewohner terrorisieren. „Eine Familie in der Mühlenstraße musste sogar vorübergehend ins Hotel ziehen“, berichtet Kayser von einem extremen Vorfall. Dort hatten sich Steinmarder eingenistet und tote Ratten, Mäuse und andere Tiere gelagert. „Das war ein Mordsgestank. Unerträglich“, so Kayser.

Warnung vor Wildschweinen 

Stark zugenommen hat auch das Rehwildvorkommen. Um die 25 Tiere dürften es laut Kayser momentan so sein. Die Rehe, die in den Gärten unter anderem Rosenknospen fressen, sind entsprechend keine Seltenheit mehr. „Ich bekomme ständig Telefonanrufe von besorgten Bürgern. Die meisten wohnen im Bereich der Hamburger Straße in unmittelbarer Nähe zum Moorwischpark“, sagt Bad Schwartau Ordnungsamtsleiter Bernd Kubsch. „Wer keine Rehe im Garten haben möchte, muss seine Einzäunung auf zwei Meter erhöhen. Alles andere hält die Rehe nicht ab“, sagt Kayser, der häufiger gerufen wird, um die Tiere wieder aus den Gärten zu vertreiben.

Anpassungsfähige Arten wie Wildschwein, Waschbär oder Steinmarder kommen gut mit der vom Menschen gestalteten Landschaft zurecht und vermehren sich prächtig. Im Februar/März gibt es Nachwuchs bei den Schwarzkitteln. Aus diesem Grund warnt Stadtjäger Kayser Hundehalter ausdrücklich ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. „Das kann gefährlich werden, denn mit einer verärgerten Wildschweinmutter ist nicht zu spaßen.“

 Von Sebastian Prey

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