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Ostholstein Windmühlen in Hutzfeld bald vom Winde verweht?
Lokales Ostholstein Windmühlen in Hutzfeld bald vom Winde verweht?
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22:00 04.05.2017
Einwohnerversammlung in Hutzfeld, vorne Bosaus Bürgermeister Mario Schmidt und die Verwaltungsmitarbeiterin Kirsten Splettstößer.
Hutzfeld

Für die Windenergie-Pläne in Hutzfeld dreht sich der Wind. Folgt man dem neuen Planungsbüro, das die Gemeinde Bosau hinzugezogen hat, um eine Stellungnahme zu den Regionalplänen der Landesregierung zu erarbeiten, dann kommt im Gemeindegebiet eigentlich keine Fläche für Windräder infrage. Mit den zwei Vorranggebieten bei Hutzfeld und Kiekbusch werde die Landesplanung den eigenen Kriterien für das Aufstellen von Rotoren nicht gerecht, gaben die Planer auf einer Einwohnerversammlung in der Alten Turnhalle in Hutzfeld zu verstehen.

Planer monieren: Landesregierung wird eigenen Kriterien nicht gerecht.

„Es ist nicht rund, was das Land vorgestellt hat.“Enno Meier-Schomburg Landschaftsarchitekt

„Es ist nicht rund, was das Land vorgestellt hat“, sagte Enno Meier-Schomburg vom Büro „Planung kompakt“. So sei eine kleine Waldfläche bei Kiekbusch mit in das Vorranggebiet aufgenommen worden, obwohl nach dem Landeswaldgesetz Waldflächen tabu für Windkraftnutzung seien. Auch seien die Risiken für geschützte Vogelarten wie Seeadler und Rotmilan nicht hinreichend untersucht worden. Es sei ungewiss, ob ihre Brutplätze betroffen sind.

Die örtlichen Windkraft-Gegner sahen sich bestätigt und reagierten hocherfreut. „Ich kann es kaum fassen, ich bin begeistert“, entfuhr es etwa Cornelia Frerichs von der Bürgerinitiative Bosauer Gegenwind. Mitstreiter Peter von Lucke bilanzierte: „Das waren neue Töne, die haben mir sehr gefallen.“

Die Landesregierung hat zwei Gebiete in der Gemeinde Bosau als Windeignungsflächen eingestuft: die eine östlich von Hutzfeld, die andere östlich von Kiekbusch. Besonders umstritten ist die Hutzfelder Fläche östlich vom Edeka-Markt. Die Unternehmen Gamesa und Denker & Wulf wollen hier fünf Windräder mit einer maximalen Höhe von 184 und 193 Metern aufstellen. Weil das ursprünglich von der Gemeinde zur Beratung eingeschaltete Planungsbüro Ostholstein zuvor auch für Gamesa tätig war, wurde nun „Planung kompakt“ eingeschaltet. Bis zum 30. Juni können Gemeinden und Bürger zu den Windkraft-Regionalplänen der Landesregierung Position beziehen. Die Stellungnahmen müssen abgewogen werden.

Die Stadtplanerin und Wirtschaftsjuristin Gabriele Teske riet der Gemeinde, die Hutzfelder Fläche östlich des Edeka-Marktes als Mischgebiet vorzuhalten. Die einzige gemeindliche Entwicklungsmöglichkeit sollte nicht eingeschränkt werden, Windmühlen stünden hier der gemeindlichen Planung entgegen. Weiter empfahl sie zu beantragen, die Flächen im 15-Kilometer-Umkreis der geplanten neuen Radarstation zur Flugsicherung bei Seedorf im Kreis Segeberg von der Windenergienutzung freizuhalten. Teske bezweifelte zudem, ob die vom Land angenommene und als wirtschaftlich definierte Referenzanlage von 150 Meter Höhe zulässig ist. Die Gemeinde sollte einen Nachweis fordern, ab welcher Höhe Anlagen wirtschaftlich zu betreiben sind.

Meier-Schomburg verwies noch auf weitere landschaftsplanerische Ungereimtheiten, die die Gemeinde geltend machen sollte. Beide Vorranggebiete lägen auf den höchsten Erhebungen der Region. Würden auf diesen Höhen im Naturpark Holsteinische Schweiz 200 Meter hohe Windräder aufgestellt, seien diese besonders weit sichtbar. Das beeinträchtige sogar die Sichtachsen auf das Plöner Schloss. Zwei Windparks kollidierten zudem mit der Klassifizierung der Region als Tourismus-Entwicklungsbereich. Ein weiterer Punkt: Die Hutzfelder Wind-Vorrangfläche grenze an die Stadtumlandbereiche von Eutin und Plön, ein Teil reiche sogar in diesen Umlandbereich hinein. Doch der sei für Gewerbe, Siedlung und Naherholung reserviert.

Knapp 100 Bürger waren zu der Einwohnerversammlung gekommen, die meisten waren Windkraft-Kritiker. Als zu gering beklagt wurde von ihnen der 800-Meter-Abstand von Rotoren zu Siedlungen. Angeprangert wurde zudem, dass weiter Windräder aufgestellt werden sollen, obwohl es mit dem Ableiten des Stroms noch immer hapere. Zusätzliche Leistung werde gar nicht gebraucht.

 pet

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