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„Wir brauchen ein Umweltamt“

Heiligenhafen „Wir brauchen ein Umweltamt“

Nabu-Chef Klaus Dürkop fordert im LN-Gespräch mehr Verantwortungsbewusstsein für den Naturschutz in Heiligenhafen.

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Klaus Dürkop wünscht sich eine Begrünung der Parkplätze auch am Ferienzentrum.

Quelle: Peter Mantik

Heiligenhafen. Heiligenhafen wird durch massive bauliche Veränderungen — auch am Steinwarder — geprägt. Wie bewertet der Naturschützer dies?

Klaus Dürkop: Bauliche Veränderungen sind grundsätzlich nicht problematisch, wenn gleichzeitig Ausgleichsmaßnahmen vor Ort damit einhergehen. Und die Gestaltung der Bauwerke darf nicht der Natur nachhaltig Schaden zufügen.

Ist denn ein nachhaltiger Schaden zu erkennen?

Dürkop: Ja, der Schaden ist vorhanden, denn eine Rodung von großen Baumbeständen wie beispielsweise auf dem Grundstück der Sroka-Hotels geht immer einher mit einer gewissen Klimaveränderung. Das heißt: Der Wald als Sauerstoffspender und CO2-Aufnehmer entfällt. Ich könnte auch bildhaft sagen: Zehn Bündel Strandhafer können keinen Baum ersetzen.

Aber es gibt ja auch die Ausgleichsmaßnahmen.

Dürkop: Ja, aber in Johannistal. Die Bedeutung für Heiligenhafen und die Menschen hier ist zu vernachlässigen.

Welche Hoffnungen haben Sie für die Zukunft?

Dürkop: Wir müssen uns unserer Verantwortung für die Natur bewusst werden. Hier ist die Stadt gefordert. Mein Vorschlag: Wir benötigen Fachpersonal, am besten in einer eigenen kommunalen Fachabteilung Umwelt. Aktuell können wir beispielsweise erkennen, dass die Stadt beim Einsatz von Salz beim Streuen der privaten Bürgersteige beide Augen verschließt. Denn dies ist per Erlass untersagt. Auch das gehört zum Naturbewusstsein einer Kommune dazu.

Gibt es positive Tendenzen?

Dürkop: Nach Ansicht der Wahlprogramme der Bürgermeisterkandidaten muss ich feststellen: Naturschutz spielt offensichtlich keine Rolle. Das Wort Naturschutz taucht nirgendwo auf .

. .

Die Politik hat vor Jahren den Grundstein für eine grüne Stadt gelegt. Mit einem Landschaftsrahmenplan.

Dürkop: Ja, den gibt es. Der dürfte Staub angesetzt haben.

Was muss sich verändern?

Dürkop: Das Bewusstsein der Politik. Es ist ja nicht nur so, dass wir mit Blick auf unseren wunderschönen Graswarder zu wenig unterstützt werden. Was mich traurig macht ist folgendes: Die Menschen erkennen nach wie vor nicht, welchen Schatz sie hier vor der eigenen Haustür haben. Dieser Schatz wird immer wieder durch Planspiele und Eigeninteressen in Frage gestellt.

Gibt es auch Positives?

Dürkop: Ja sicher. Die Gestaltung der Dünenbepflanzung auf dem Steinwarder ist meiner Meinung nach sehr gelungen.

Wie fällt Ihre Naturschutzbilanz für Heiligenhafen aus?

Dürkop: Lassen wir an dieser Stelle die Zahlen sprechen. 29 Prozent Grünflächen bei einem Durchschnitt von 43 Prozent im Kreis Ostholstein zeigen: Wir müssen verhindern, dass weitere Grünflächen verloren gehen. Ich denke an das geplante Mercedes-Projekt auf dem Friedhofsgrundstück am Sundweg. Dies sollte verhindert werden. Wofür beteiligt sich Heiligenhafen sonst am Interkommunalen Gewerbegebiet? Ein Anliegen wäre es auch, sämtliche öffentliche und private Auto-Parkflächen mit Bepflanzungen aufzuwerten.

Nabu Graswarder
Klaus Dürkop setzt sich seit Jahrzehntehn für die Natur ein — vor allem auf dem Graswarder. Über diesen hat er das Buch „Küste im Wandel“ geschrieben — ein Verkaufshit.

Gespräch: Peter Mantik

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