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„Wir haben eine schwimmende Brücke, die gut funktioniert“

Ostholstein „Wir haben eine schwimmende Brücke, die gut funktioniert“

Die Direktkandidaten für den Bundestag im Interview: Heute spricht Marlies Fritzen (Grüne) über die feste Beltquerung und eine grüneres Ostholstein.

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Grünen-Kandidatin Marlies Fritzen: „Ich mache das nicht zum ersten Mal und habe immer engagiert gekämpft.“ *Foto: Lutz Roeßler

Ostholstein. Lübecker Nachrichten: Frau Fritzen, ist Ostholstein durch die Wahlerfolge der letzten beiden Jahre grüner geworden?

Marlies Fritzen: Das will ich doch hoffen. Wir haben viele neue Kommunalfraktionen und eine deutlich vergrößerte Kreistagsfraktion. Ich glaube insgesamt ist das Land grüner geworden. Nicht nur, weil es grün mitregiert wird, sondern weil grüne Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

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Grünen-Kandidatin Marlies Fritzen: „Ich mache das nicht zum ersten Mal und habe immer engagiert gekämpft.“ *Foto: Lutz Roeßler

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LN: Sie treten als Direktkandidatin an, sind aber gar nicht erst auf der Landesliste vertreten. Sie müssten also den Wahlkreis direkt gewinnen, um nach Berlin zu kommen. Und das wird, da sind wir uns sicher einig, mehr als schwer. Wie engagiert geht man denn dann einen Wahlkampf an?

Fritzen: Hinzu kommt: Ich bin nicht Ströbele. Aber im Ernst: Man arbeitet ja nicht nur für seine eigene Person, sondern dafür, dass das Ergebnis der Grünen möglichst stark ist und dass wir mehr Abgeordnete nach Berlin schicken. Ich mache das nicht zum ersten Mal und habe immer engagiert gekämpft. Das macht für mich also keinen Unterschied. Ich bin supergerne Landtagsabgeordnete und streite für ein starkes grünes Ergebnis.

LN: Was sind aus Ihrer Sicht bundespolitisch die drei wichtigsten Themen für Ostholstein?

Fritzen: Es sind aus meiner Sicht die Energiewende, die gerechtere Verteilung von Finanzmitteln zwischen Bund, Land und Kommunen und ganz stark die Frage der Agrarwende. Es ist mein zentrales Anliegen, dass wir umsteuern hin zu einer wieder naturverträglicheren Art der Landwirtschaft.

LN: Bei ihren Wahlplakaten stehen die Grünen offenbar auf flotte Sprüche, süße Kinder und auch Tiermotive. Aber welchen politischen Inhalt hat denn bitte „Hello Kita“?

Fritzen: Die Wahlplakate wurden von Werbeagenturen analysiert und die fanden die grüne Kampagne am ansprechendsten. Insbesondere, weil sie die Leute direkt anspricht.

„Hello Kita“ will natürlich auf den besseren Ausbau der Kindertagesstätten anspielen. Den Verweis auf ein Kinderspielzeug hab‘ ich aber nicht sofort verstanden.

LN: Dann nehmen wir mal ein anderes Plakat. Ein kleines Kind hat eine Windmühle in der Hand und sagt „Ich werde mal ein Energieriese.“ Gerade aber die bis zu 180 Meter hohen Megawindräder stehen vor Ort oft in der Kritik. Ist das ein Konflikt?

Fritzen: Nein, ich glaube wir sind unterm Strich alle Gewinner der Energiewende. Wir ziehen eine hohe Wertschöpfung daraus, gerade auch im Kreis Ostholstein. Leistungsstärkere Anlagen führen ja eher dazu, dass wir mit weniger Windmühlen auskommen. Das Sprachspiel auf dem Plakat gefällt mir gut. Kinder wollen immer riesig sein und sie sollen ja auch wachsen. Das Plakat gehört zu meinen Lieblingsplakaten.

LN: Kommen wir mal zu einem Plakat, das bei den Grünen nicht zu sehen ist: die Beltquerung. Das klare Ja der SPD auf Landesebene hat für viel Zündstoff in der rot-grünen Koalition gesorgt.

Warum sieht man keine ablehnenden Belttunnel-Plakate der Grünen. Ist das Thema abgehakt?

Fritzen: Nein, überhaupt nicht. Wir haben festgelegt, dass es eine aktuelle Kosten-Nutzen-Rechnung geben muss. Da ist der Bundes-Verkehrsminister in der Bringschuld. Wir Grünen lehnen dieses Ding von vorne bis hinten ab, weil wir die ökonomische Notwendigkeit nicht erkennen können. Wichtig ist, dass die Ostholsteiner Bürgerinitiativen sich nicht durch Trassendiskussionen auseinanderdividieren lassen. Wir haben nicht die Mehrheit für unsere Position — noch nicht. Ich kämpfe dafür, dass das anders wird, aber ich stelle mich nicht hin und sage, ohne Mehrheiten verhindere ich die FBQ. Das sage ich ganz ehrlich, empfinde ich als unseriös.

LN: Die Gegner verweisen gerne auf die ausstehende Abstimmung des dänischen Folketings zum Baugesetz. Haben wir das Recht, den Dänen zu sagen, was für sie gut oder schlecht ist?

Fritzen: Das haben wir selbstverständlich nicht. Das müssen die dänischen Parlamentarier selber entscheiden. Aber damit verbunden ist wohl die Hoffnung der Beltgegner und auch meine, dass die Argumente gegen das Projekt auch in Dänemark immer mehr Gehör finden werden.

LN: Wir erklären sie sich denn, dass in Dänemark bislang so wenig Kritik kommt. Haben die Dänen ihre Natur weniger lieb?

Fritzen: Ich glaube, dass es in Dänemark wie auch überhaupt in Skandinavien eine andere Perspektive auf Brückenbauten gibt, die ja auch etwas Symbolisches haben. Es gibt dort eine andere Tradition. Aber wir haben hier am Belt eine schwimmende Brücke, die gut funktioniert, die auch kaum optimiert werden kann.

LN: Gibt es für Marlies Fritzen einen Zeitpunkt, an dem Sie sagen, jetzt gestalte ich die Schienenanbindung mit?

Fritzen: Im Moment setze ich noch darauf, dass es den Zeitpunkt geben wird, an dem dieses Projekt kippt.

LN: Was ist auch Ihrer Sicht für die Region sonst noch wichtig?

Fritzen: Wir müssen das Erneuerbare Energien Gesetz reformieren. Die erneuerbaren Energien, insbesondere der Windstrom onshore, führen dazu, dass der Strom schon jetzt billiger ist. Aber die Versorger geben diesen vergünstigten Strompreis nicht an die Verbraucher weiter. Außerdem müssen wir endlich beim Netzausbau vorankommen, damit der Windstrom aus der Region abgeführt werden kann.

Nur übers Direktmandat in den Bundestag
Grünen-Kandidatin Marlies Fritzen (51) sitzt seit 2009 für die Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag. Dort ist die ausgebildete Redakteurin stellvertretende Landtagspräsidentin sowie umweltpolitische und kulturpolitische Sprecherin der Grünen.

Fritzens politische Karriere begann 2000 als Grünen-Kreissprecherin in Ostholstein. Von 2003 bis 2009 war sie Kreistagsabgeordnete und von 2005 bis 2009 Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein. Um in den Bundestag einzuziehen, müsste Fritzen am Sonntag das Direktmandat gewinnen. Auf der Landesliste der Grünen ist sie gar nicht vertreten.

Interview: Holger Marohn

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