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„Wir machen das für die Jugend, sie ist unsere Zukunft“

Eutin „Wir machen das für die Jugend, sie ist unsere Zukunft“

Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) spricht über die großen Infrastrukturprojekte — Tunnellösung für Sundquerung nicht vom Tisch.

Eutin. Schienenanbindung, Sundquerung und Windeignungsflächen — Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) ist ein gefragter Mann. Für die LN nahm er sich Zeit.

 

LN-Bild

Trotz jahrelanger Bautätigkeiten im Kreis Ostholstein optimistisch: Landrat Reinhard Sager sieht positive Effekte.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Sind Sie überrascht, dass die neue Sundquerung eine Brückenlösung werden soll? Was halten Sie davon?

Reinhard Sager: Das Ergebnis der letzten Kommunalkonferenz auf Fehmarn lautet: Es werden zwei Brücken- und zwei Tunnellösungen untersucht. Dabei bleibt es auch. Für ein Planfeststellungsverfahren sind objektive Untersuchungen unerlässlich. Sobald diese abgeschlossen sind, wird sich auch der Kreis positionieren können.

Geben Sie die Bäderbahn auf, oder gibt es noch Hoffnung?

Sager: Ziel des Kreises ist es, die Bäderorte besonders unter touristischen Gesichtspunkten, aber auch hinsichtlich der Pendler optimal zu erschließen. Der Kreis fordert ein Nahverkehrskonzept für Bahn und Bus.

Das heißt, es werden Alternativen zur Bäderbahn geprüft?

Sager: Exakt. Das Ziel ist die optimale Erschließung. Darüber sind wir mit der Bahn im Gespräch. Wichtig sind halbstündige Verbindungen Hamburg—Lübeck—Neustadt und stündlich Lübeck—Oldenburg—Fehmarn — mit Anschluss nach Dänemark.

Das Dialogforum muss sich künftig neu ausrichten, um den Prozess der Lärmminimierung an der Trasse zu begleiten. Was muss sich verändern?

Sager: Im Rheintal ist so etwas etabliert worden. Hier könnte das Dialogforum die Funktion eines Projektbeirates übernehmen. Wir müssen über das Format sprechen. Es geht um personelle Besetzungen, um Kosten und vieles mehr.

Wäre dann ein Stimmrecht für den Beirat enthalten?

Sager: Wichtig ist zunächst einmal zu klären, wer in einem solchen Gremium sitzen sollte, welche Aufgabe dieses Gremium haben soll. Meiner Meinung nach müssten auch Vertreter der Bürgerinitiativen und Kommunen dabei sein. Die Frage eines Stimmrechtes müsste im Anschluss geklärt werden, auch die Frage einer Verbindlichkeit der Meinungsbildung.

Parallel zur Schienentrasse ist die 380-kV-Ostküstenleitung das zweite Megaprojekt. Welche drei Teilabschnitte im Norden haben die besten Chancen auf eine Teilerdverkabelung?

Sager: Nach den Plänen sind Göhl, Manhagen und Groß Schlamin in der Prüfung. Jetzt folgt die Beteiligung der Bürger.

Im Südkreis soll eine alternative Trasse geprüft werden. Gibt es hier erste Erkenntnisse?

Sager: Es geht um die rechtliche Abwägung zweier Varianten zwischen Neustadt und Ratekau. Beide Trassen haben annähernd die gleichen Auswirkungen auf den Raum.

Sind Sie mit den Vorplanungen des Landes zu Windeignungsflächen zufrieden, oder gibt es Kritikpunkte?

Sager: Bisher wissen wir nur, wo künftig nicht gebaut werden kann. Spannender wird es, wenn die abwägungsrelevanten Kriterien für die Festsetzung der Vorrangflächen Anwendung finden. Ich glaube, wir werden eher weniger Flächen für Windkraft erhalten , als im alten Regionalplan ausgewiesen waren.

Sorgen Sie sich bei all diesen Projekten um die nahe Zukunft des Tourismuskreises Ostholstein?

Sager: Der Kreis setzt sich bei allen Projekten dafür ein, dass die Auswirkungen minimiert werden. Der Tourismus positioniert sich auch und passt sich an. Es müssen auch die positiven Wirkungen herausgestellt werden. Die Gäste wissen sehr wohl, dass moderne Infrastruktur gebraucht wird. Wir sind bei erneuerbaren Energien ein prädestinierter Kreis.

2017 soll die Autobahnfahrdecke zwischen Bad Schwartau und Neustadt saniert werden, parallel beginnen die anderen Projekte auch. Wie sehen Sie das?

Sager: Klare Forderung: Wir benötigen ein kluges Baustellenmanagement, das diesen Namen auch verdient, unter Einbeziehung des Tourismus. Es geht hier um Ferienzeiten und anderes. Die Strecke ist erheblich sanierungsbedürftig. Aber wir möchten auch rechtzeitig informiert werden, nicht wie jetzt vor Ostern beim Wegfall wichtiger Bahnverbindungen.

In Heiligenhafen entstehen 1400 neue Betten, ähnliches Bild in Großenbrode und Grömitz. Aber wie kommen die Gäste ohne Frusterlebnis dort an?

Sager: Da sind wir wieder bei der Einbeziehung der Touristiker. Wir müssen generell unsere Projekte positiver darstellen. Anschließend wird Ostholstein aber besser erschlossen sein als vorher.

Wie sieht das neue Ostholstein nach all den Bauvorhaben in zehn Jahren aus?

Sager: Erstens wird die Erreichbarkeit besser sein. Wir werden unsere Chance, zwischen Hamburg und Kopenhagen auf der Hälfte der Strecke zu liegen, genutzt haben. Und zweitens können Gäste am Wochenende aus Hamburg mit dem „Ostsee-Express“ sogar halbstündig Ostholstein erreichen. Das ist für Tages- und Wochenendtouristen sehr positiv. Auch die Lage in Puttgarden verbessert sich.

Es gibt dann zwei Möglichkeiten, den Belt zu queren. Mit der Fähre und durch den Tunnel. Auch die Preise werden sinken.

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Sager: Am meisten freue ich mich, für junge Menschen in Ostholstein, besser noch als jetzt qualifizierte Ausbildungs- und Arbeitsplatzperspektiven anbieten zu können. Das wäre meine größte Freude, denn darauf zielt unsere Politik ab. Unsere Zukunft ist die Jugend.

Präsident des Deutschen Landkreistages

Reinhard Sager wurde am 19. Februar 1959 in Suxdorf geboren, verheiratet, ein Sohn; Ausbildung u. a. Diplom-Verwaltungswirt; 1982 bis 1988 Gemeindevertreter in Grömitz; 1990 bis 1995 Kreistagsabgeordneter; 1992 bis 2001 Landtagsabgeordneter; Mai 2001 Wahl zum Landrat, 2006 und 2015 im Amt bestätigt; seit 2008 Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages und seit 2014 Präsident des Deutschen Landkreistages.

Von Gespräch: Peter Mantik

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