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Wirtschaftsvereinigung will den „Versuch Rosengarten“ stoppen

Eutin Wirtschaftsvereinigung will den „Versuch Rosengarten“ stoppen

In Geschäften sollen Unterschriften für einen Aufschub der Sperrung gesammelt werden.

Eutin. Hinter diesen Abend kann der Vorstand der Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) ein Häkchen setzen: Ein „hundertprozentiges Votum“, so Moderator Klaus Wietfeld, Inhaber des „Kleinen Hotels“, für eine Verschiebung der testweisen Schließung der Straße Am Rosengarten gaben 60 Geschäftsleute und Einzelhändler am Dienstagabend ab. Die WVE hatte zum „Informationsaustausch und zur Abstimmung der weiteren Vorgehensweise“ ins Brauhaus eingeladen. Dass so viele gekommen waren, bildete die Brisanz des Themas ab und stimmte die WVE-Verantwortlichen zufrieden. Zumal schätzungsweise gut die Hälfte der Anwesenden keine Mitglieder waren.

 

LN-Bild

Klaus Hoth zeigt die ersten Unterschriftenlisten.

Quelle: Jabs

„Wir stellen fest: Die Politik in Eutin ist sehr weit von der Wirtschaft entfernt.“ Klaus Hoth, WVE

Eine ausgewogene Diskussion von Für und Wider war nicht zu erwarten, denn bis auf Stadtvertreterin Jacqueline Meyer (FDP), deren Partei in puncto Verkehrstest mit der WVE auf einer Linie liegt, war lediglich Oliver Schmidt-Gutzat von der SPD-Fraktion anwesend. Und er sprach weniger als Politiker denn als Privatmann. Dass der zeitgleich tagende Hauptausschuss ein Grund für das Fernbleiben mancher Stadt- und Verwaltungsvertreter war, darf vermutet werden.

Der Verkehrsversuch sieht vor, die Einfahrt in den Rosengarten von der Schlossstraße aus von Oktober an sechs Monate lang für den Durchgangsverkehr durch eine Schranke zu unterbinden. Der Verkehr soll über die Schlossstraße abgeleitet oder je nach Ziel durch andere Straßen fließen. Ziel ist laut Verkehrsplaner Professor Herbert Staadt eine Verkehrsberuhigung und damit verbunden eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität. Dagegen wurden im Brauhaus Stimmen laut, die auch schon bei den öffentlichen Repräsentationen des Vorhabens zu hören waren: Befürchtet werden Umsatzeinbußen in existentiell bedrohlichem Ausmaß durch ausbleibende Kunden, die wegen mangelnder Parkmöglichkeiten Eutin meiden würden.

So wanderte eine Unterschriftenliste für die Verschiebung durch die Reihen. Sie soll auch in Geschäften ausgelegt werden, damit die Kunden sich ebenfalls eintragen können. Auch wenn der politische Beschluss zum Verkehrsversuch im Februar gefasst wurde, hofft Thomas Menke (LMK), mit einer hohen Zahl an Unterschriften Druck auf die Politik ausüben zu können. Die FDP wird in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses den Dringlichkeitsantrag stellen, den Beschluss vom Februar aufzuheben.

100 Parkplätze fehlen nach WVE-Rechnung durch den Versuch, die Planung nennt ein Minus von 40 Plätzen. Thomas Menke wiederholte seine Forderung nach einem Parkleitsystem: „Mal sehen, ob wir dann überhaupt noch einen Versuch brauchen.“ Klaus Hoth machte darüber hinaus ein grundsätzliches Problem aus: „Wir stellen in Gesprächen fest, dass die Politik in Eutin sehr weit von der Wirtschaft entfernt ist. Man soll nur noch Fahrrad fahren und flanieren, Autos sollen ganz verbannt werden“, klagte Hoth. Wenn man Eutin zur Denkmalstadt mache, schneide man sich ins eigene Fleisch. „Wir müssen auf die Politik einwirken“, lautete sein Fazit. Ein Gespräch mit Fraktionsvorsitzenden, Bürgermeister und Bauamtsleiter habe es bereits gegeben.

Einen Beitrag zur Versachlichung wollte Stefan Knorr („Weingeist“) leisten. Er sprach sich dafür aus, die Kommunikation nach außen zu verbessern und sich nicht auf negative Signale zu beschränken:

„Wir müssen deutlich machen: Wir haben Parkplätze und alle Geschäfte in der Innenstadt sind zu erreichen.“ Henning Klotz („Teeschmiede“) problematisierte die Unterschriftensammlung in den Geschäften.

„Eine solche Sammlung spaltet. Das hat den Charakter eines Referendums, und die Kunden können die Folgen kaum überblicken“, warnte er und fragte: „Kommen wir nicht ein bisschen spät?“ Den effektiven Weg zu aktiver Einflussnahme wies schließlich FDP-Politikerin Meyer: „Wer etwas bewirken will, muss in die Politik gehen.“

Astrid Jabs

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