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Ostholstein Wissenschaft auf der Ostsee: Warmes Klima und viel Regen
Lokales Ostholstein Wissenschaft auf der Ostsee: Warmes Klima und viel Regen
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18:27 06.07.2016
Die „Ludwig Prandtl“ geht in Heiligenhafen vor der Fischhalle der Küstenfischer e.G. vor Anker. Quelle: Fotos: Peter Mantik (3)

 Beim Open Ship können sich Interessierte darüber informieren, wie es mit dem Thema Klimaerwärmung oder auch Schadstoffausstoß durch die Schifffahrt aussieht. Die LN waren bereits vorab an Bord.

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Die „Ludwig Prandtl“ liegt noch heute im Heiligenhafener Kommunalhafen vor Anker – Forscher sagen: Im Winter bis zu 38 Prozent mehr Niederschlag – Heute Open Ship.

„Wir bieten den Menschen Wissenschaft zum Anfassen, wandeln unsere Forschungsergebnisse in eine verständliche Form für den Gast um“, erklärt Volker Dzaak vom Institut für Küstenforschung, der für Logistik und Organisation auf der „Ludwig Prandtl“ verantwortlich ist. Bereits gestern Abend hielt im Hotel Meereszeiten Dr. Marcus Reckermann einen Vortrag zu den aktuellen Klimatrends. Die Fakten sind auch in der Broschüre „Ostseeküste im Klimawandel“ zusammengefasst. Dies sind die spannendsten Veränderungen, die absehbar sind: An der deutschen Ostseeküste müssen wir innerhalb der nächsten 30 Jahre mit einer Erwärmung von weiteren 0,5 bis 1,1 Grad Celsius rechnen. Im ganzjährigen Durchschnitt lassen die Klimarechnungen für den Sommer künftig weniger Regen plausibel erscheinen. Im Gegensatz zum Sommer rechnen die Wissenschaftler in den Wintermonaten mit einer deutlichen Zunahme des Niederschlags. Bis zum Ende des Jahrhunderts kann der Niederschlag im Winter um etwa elf bis 38 Prozent zunehmen, die Ostsee werde dagegen nur noch im Ausnahmefall zufrieren. Volker Dzaak erklärt den LN das Forschungsschiff. In einem Büro fällt ein Monitor in den Blick. „Damit zeichnen wir aktuell die Wasserwerte hier im Hafenbecken auf“, sagt Dzaak. „Die Qualität ist sehr gut.“ Das freut im Nachhinein sicher auch die Triathleten, die beim 6. Fisherman durchs Hafenbecken schwammen.

Oben auf dem Peildeck ist der Blick auf Heiligenhafen, ja sogar bis hinüber zur Sundbrücke, wundervoll. „Hier nehmen Studenten der Christian Albrechts Universität aus Kiel öfter mal Vogelzählungen vor“, erläutert Dzaak.

Er berichtet auch von einem weiteren Projekt, an dem sieben Nationen beteiligt sind: „Sheba“. Hierbei geht es um Schiffsemissionen. „Unsere Wissenschaftler nehmen über drei Jahre bis 2018 Modellrechnungen vor“, skizziert Dzaak. Und schon jetzt sei sicher: Es herrscht durch die vermehrte Schifffahrt ein massiver negativer Einfluss auf die Luftqualität – und damit auf die Gesundheit und Ökosysteme. Dies wird auch den Besuchern in Heiligenhafen mit einer Computersimulation eindrucksvoll veranschaulicht. Das EU-geförderte Projekt ist mehrere Millionen Euro teuer, 35 Wissenschaftler sind involviert. Dzaak erklärt: „Wir kooperieren auch stark mit Schweden, Estland, Polen, Dänemark, Frankreich und Finnland.“

In Heiligenhafen präsentiert die Besatzung der „Ludwig Prandtl“ erstmals die Forschungsergebnisse, auch wenn sie für Untersuchungen der Ostsee häufiger in der Warderstadt vor Anker geht. Heute ist das Schiff, das vor der Fischhalle der Küstenfischer e.G. liegt, ab 13 und bis 19 Uhr für die Öffentlichkeit geöffnet. Für Kinder gibt es interessante Puzzles und Ratespiele. Die ersten Gäste kamen gestern bereits an Bord, als noch nichts vorbereitet war. Auch das ist Wissenschaft zum Anfassen.

 Peter Mantik

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