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Ostholstein Wohin mit dem vierten Brunnen?
Lokales Ostholstein Wohin mit dem vierten Brunnen?
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22:19 06.06.2017
Der jetzige Zustand des Werkes stammt aus den 1970er Jahren.

Werden die Timmendorfer jemals ein neues Wasserwerk bekommen? Angesichts neuer Komplikationen bei der Planung könnten Pessimisten durchaus zur Antwort „Nein“ tendieren. Denn die Geschichte über jahrelange Querelen und Richtungswechsel bei dieser öffentlichen Infrastruktureinrichtung hat jetzt ein weiteres Kapitel bekommen: Am potenziellen Standort des Neubaus an der B 76, schräg gegenüber der Einmündung Höppnerweg, gibt es zu wenig Platz für Brunnen.

Weitere Komplikationen bei der Planung des neuen Wasserwerkes für Timmendorfer Strand.

Mitte 2016 hatten sich Gemeinde und Zweckverband Ostholstein (ZVO) doch noch darauf geeinigt, dass der ZVO das neue Werk auf einem – neben dem Bauhof und dem Gebäude des Malteser Hilfsdienstes gelegenen – Grundstück an der Bundesstraße planen solle, was Teile der Kommunalpolitik zuvor jahrelang verweigert hatten. Die Kommunalpolitik beschloss dann aber, offenbar mit Blick auf die generelle Grundstücksknappheit in Timmendorf, dem ZVO nur etwa die Hälfte des insgesamt 16000 Quadratmeter großen Areals zu überlassen.

„Der ZVO hat uns dann mitgeteilt, dass die Fläche nicht für die erforderliche Anzahl an Förderbrunnen ausreicht“, erklärt der Timmendorfer Hauptamtsleiter Martin Scheel. „Wir können einen neuen Brunnen auf dem alten Gelände an der Poststraße bohren und zwei auf unserer Hälfte des neuen Standortes an der B 76“, bestätigt ZVO-Sprecherin Nicole Buschermöhle. Benötigt würde aber noch ein vierter Brunnen.

Die Gemeinde hat daraufhin dem ZVO vorgeschlagen, er möge doch prüfen, ob dieser Brunnen nicht im angrenzenden Naturschutzgebiet errichtet werden könne. Das aber ist noch dazu Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH), in dem erhöhte Anforderungen und Auflagen gelten. „Dort dürfen wir keinen Brunnen bohren“, erklärt Nicole Buschermöhle.

Jetzt stellt der ZVO, der fünf bis sechs Millionen Euro in das neue Werk investieren will, die Anfrage an die Gemeinde, ob er eine 20 mal 20 Meter messende Fläche auf der gemeindeeigenen Grundstückshälfte bekommen könne, um den Brunnen dorthin zu setzen. Entsprechende Pläne könnten bei einer der nächsten Hauptausschuss-Sitzungen besprochen werden – im September.

Dabei drängt die Zeit: In seiner jetzigen Form ist das derzeitige Wasserwerk in der Poststraße in den 1970er Jahren erbaut worden, wobei die Brunnen aus dem Jahr 1960 stammen und normalerweise eine Lebensdauer von 25 Jahren haben. Mit Trinkwasser versorgt werden von diesem Werk die Ortschaften Timmendorfer Strand, Niendorf, Hemmelsdorf, Ratekau, Sereetz und die Ostseite des Hemmelsdorfer Sees.

Für starke Schwankungen sorgt dabei die Urlaubszeit: Im Winter müssen etwa 9000 Menschen versorgt werden, im Sommer aber bis zu 40000. Das Werk kann nach Einschätzung des Zweckverbandes höchstens noch bis 2020 betrieben werden.

„Ende Mai haben wir bereits an einem Tag eine Spitze im Verbrauch erreicht“, berichtet die ZVO-Sprecherin: Am Sonnabend, 27. Mai, als bis zu 25 Grad herrschten, seien allein in Timmendorf 4200 Kubikmeter Wasser verbraucht worden. „Im gesamten Jahr 2015 lag der Durchschnitt bei 3600 Kubikmetern pro Tag.“ Die Gemeinde werde deshalb jetzt schon gebeten, während der Hoch-Zeiten nicht zu wässern, „sonst schafft das alte Werk das nicht mehr“, so Buschermöhle. Derlei Einschränkungen wären mit einem neuen, leistungsstärkeren Werk nicht nötig.

Sollten die Kapazitäten des alten Timmendorfer Wasserwerkes nicht mehr ausreichen, müsste die Gemeinde von außerhalb versorgt werden. Daran gemahnt auch die aktuelle Baustelle an der B 76 zwischen Timmendorf und Scharbeutz, wo an der sogenannten Ostküstenleitung gearbeitet wird. „Das macht der ZVO, um generell die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, erklärt Nicole Buschermöhle, „das ist eben mit Blick auf die Zukunft geplant.“ Angesichts der Komplikationen bei der Timmendorfer Planung gibt sich die ZVO-Vertreterin gelassen: „Wir haben uns auf einen Kompromiss eingelassen und nähern uns allmählich einer Lösung an.“

Vorgeschichte

Nachdem der ZVO 2010 nach Sierksdorf umgezogen war, sollte das Timmendorfer Rathaus in dessen Verwaltungsgebäude in der Poststraße ziehen.

Das Wasserwerk nebenan sollte abgerissen und ein neues an der B 76 gebaut werden. Verschiedene Kommunalpolitiker fürchteten aber Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel und lehnten den Verkauf des Grundstücks an der B 76 an den ZVO ab. Daraufhin plante der ZVO die Sanierung des alten Werkes mitten im Wohngebiet und gegenüber der Gemeinschaftsschule. Dann entschied die Kommunalpolitik, dem Zweckverband die Hälfte des Areals an der Bundesstraße zu überlassen.

 latz

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