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Ostholstein Wohnen auf dem Wasser: Hängepartie für Atoll-Planung
Lokales Ostholstein Wohnen auf dem Wasser: Hängepartie für Atoll-Planung
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23:27 23.09.2016
Attraktives Wohnen auf dem Wasser, die Sundbrücke im Hintergrund: Die Atollplanung geht weiter. Quelle: gjs

Eine Vision wird zur Hängepartie. Schon seit über einem Jahrzehnt währt der Traum von einem top-modernen Yachthafen in Burgstaaken. Der besondere Clou: Er soll nicht nur Segelschiffe anlocken, sondern sogar das Wohnen auf dem Wasser ermöglichen. Es gab bereits viele Entwürfe und Pläne, die das Ganze – aus der Vogelperspektive betrachtet – wegen seiner runden Form wie ein Atoll aussehen ließen.

Doch diese „Atoll-Pläne“ fristen seit Jahren einen Dornröschenschlaf. Ursprünglich waren einmal 550 Liegeplätze angedacht – und eine Umsetzung bis frühestens 2010 mit einem Investitionsvolumen zwischen 30 und 40 Millionen Euro. Die Stadt hoffte noch vor knapp zehn Jahren auf einen Verkaufspreis von weit über einer Million Euro. „Insel reif für die Atoll-Pläne“ titelten 2007 die LN.

Und jetzt? Die derzeitige Projektbeschreibung für das „Sportboothafenatoll“, so der etwas sperrige Titel, strebt eine Hafenerweiterung auf 400 Liegeplätze an. Begrenzt werden soll die Anlage von einer ringförmigen Außenmole, auf der 30 Ferienhäuser mit jeweils 80 Quadratmeter Wohnraum geplant sind.

In diese Planungen einbezogen werden außerdem ein 2500 Quadratmeter großes Yachthafenhotel mit einer Kapazität von 100 Betten, ein Feriendorf im Hafengebiet mit 14 Ferienhäusern von jeweils 70 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 5500 Quadratmeter großen Areal sowie eine attraktive Grünfläche als Veranstaltungsplatz. Zudem sollen Parkplätze für 340 Fahrzeuge entstehen. Damit das Ganze endlich vorankommt, muss es europaweit ausgeschrieben werden.

Das sah vor gut einem Jahrzehnt noch ganz anders aus. Eine hohe Hürde waren aber die schwierigen Eigentumsverhältnisse: In Burgstaaken konkurrieren – bis heute – zwei heimische Unternehmen.

Jetzt haben beide voller Sorge reagiert. Denn zuerst im Bau- und Umweltausschuss versuchte die SPD, die Notbremse zu ziehen. Marianne Unger forderte: „Stoppt die Atollplanung! Ich sehe nach zwölf Jahren Herumgehühner keinen Investor.“ Ihre Fraktion war nicht bereit, nochmals 15 000 Euro Kosten für die Stadt hinzunehmen. Bislang sollen sie bei 230 000 Euro liegen.

Zuvor hatte Hans Weilandt von der gleichnamigen Werft vor einem endgültigen Scheitern gemahnt: „Wir planen seit 2004, ich habe dafür schon 50 000 Euro investiert. Und jetzt wird schon wieder ein Investor gesucht.“ Der SPD-Vorstoß wurde abgelehnt.

Donnerstag verschärfte sich die Debatte. Im Finanzausschuss warnte auch Ludolf Schröder von der konkurrierenden Yachthafen Burgstaaken KG davor, die Chance zur Aufwertung „in den Sand zu setzen“.

Danach zog Weilandt eine ernüchternde Bilanz: „Fünfmal geplant mit drei verschiedenen Architekten, fünfmal gecancelt. Es gab Investoren, die sind wieder weg.“

Dennoch setzt die Mehrheit weiter auf einen glücklichen Ausgang dieser Hängepartie. Das größte Pfund. „Wir sind weitergekommen, weil wir jetzt einen rechtskräftigen B-Plan haben“, so Vorsitzender Gunnar Mehnert (WUW). Der Antrag von Imke Wessel (SPD), aus der Atoll-Planung auszusteigen, wurde erneut abgelehnt. Andreas Herkommer (SPD): „Ich prophezeihe, dass wir damit erneut Geld ausgeben, um das Grundstück hinterher zu verschenken.“

Wie geht es weiter?

Die Stadtvertretung Fehmarn muss noch zustimmen. Sie tagt am Donnerstag, 29. September, ab 19 Uhr im Senator-Thomsen-Haus in Burg. Gibt sie grünes Licht, dann kann die europaweite Ausschreibung des Verkaufs der Atoll-Wasserflächen starten.

Die Zustimmung gilt als sicher. SPD und Grüne unterlagen im Bau- und Umweltschuss mit vier zu sieben, im Finanzausschuss mit drei zu sechs Stimmen (zwei Mitglieder waren befangen). In der Stadtvertretung haben sie maximal sieben von 23 Stimmen.

 Gerd-J. Schwennsen

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