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Wolfgang Kulow berichtet vom härtesten Ultra-Marathon der Welt

Interview Wolfgang Kulow berichtet vom härtesten Ultra-Marathon der Welt

Ostholsteins Ausnahmesportler Wolfgang Kulow (66) ist nach dem Yukon Arctic Ultra wieder im heimischen Lensahn. Seine Fingerkuppen sind noch immer taub. Nach rund 500 Kilometer durch die kanadische Eiswelt wurde er Zweiter — obwohl sein Start miserabel war.

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Mit das schönste Erlebnis für Wolfgang Kulow: Eine heiße Tasse Tee zwischendurch.

Quelle: Fotos: Privat

Lensahn.  Erster wurde der Deutsche Radprofi Florian Reiterberger. Doch beim härtesten Multi-Marathon der Welt ist das Ziel, überhaupt das Ziel zu erreichen. Zwölf von 34 Teilnehmern haben unterwegs aufgegeben.

Verfolgen Sie den Weg von Extremsportler Wolfgang Kulow beim Yukon Arctic Ultra mit diesen Bildern!

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Sie sind bei minus 16 Grad in Whitehorse Richtung Norden gestartet. Wie kalt wurde es wirklich?

Wolfgang Kulow: Die kälteste Temperatur, die ich gemessen habe, waren minus 28 Grad. Das war auf einem See des Yukon. Flori hat minus 39 Grad gemessen.

Um sich nicht in Lebensgefahr zu begeben, hat der Veranstalter einen Teil der Ausrüstung vorgegeben. Wurde das auch überprüft?

Kulow: Ja, sogar ganz genau. Wir mussten alle nicht nur den Kocher auspacken, sondern auch zeigen, dass wir ihn benutzen können.

Sie waren auch viel nachts unterwegs. Sind Sie vom Weg abgekommen?

Kulow: Nur einmal. Die Strecke ist mit Pfählchen markiert, die an der roten Spitze einen kleinen Leuchtpunkt haben. Die stehen aber nur alle 500 Meter, da war man jedes Mal froh, wenn wieder einer auftauchte.

Kanada ist bekannt für wilde Tiere, sind Ihnen welche begegnet?

Kulow: Am Anfang habe ich einen Wolf gesehen. Flori hatte die Begegnung mit einem Rudel. Sobald er stehen blieb, blieb es auch stehen. Wenn er weiter fuhr, liefen die Wölfe weiter. Ich habe einmal ein ganzes Terrain voller Spuren gesehen. Wenn du dann dein Nachtlager aufschlagen sollst, ist das schon saukomisch. Du siehst kein Tier, das ist viel schlimmer. In der Einsamkeit ist dein Blickwinkel ganz klein.

Ist bei dem Rennen etwas schief gelaufen?

Kulow: Ich habe mein Handschuhe verloren! Das war ein wahnsinniger Fehler. Ich brauchte die Beweglichkeit beim Fahren und habe sie an den Rucksack geklemmt. Auf der holprigen Strecke sind sie wohl heruntergefallen. Es waren aber nur noch 30 Kilometer bis zum Ziel. Das war volles Risiko. Meine Fingerkuppen sind jetzt noch taub.

Hat das Rennen körperlich weitere Spuren hinterlassen?

Kulow: Ich habe vier Kilo abgenommen. Meine Hose rutscht (lacht). Man ist viel in Aktion und futtert wenig, da schrumpft man automatisch.

Sie waren fast der einzige, der auf dem Fahrrad dabei war. War das ein Vorteil?

Kulow: Mal ja, mal nein. Auf guter Strecke habe ich zehn bis zwölf Kilometer pro Stunde geschafft. Das war aber die Ausnahme. Das Terrain wechselt ständig. Die anderen Teilnehmer waren mit der Pulka im Schnitt sechs bis sieben Kilometer pro Stunde unterwegs. Obwohl der Weg vorgefräst war, gab es für mich viele Hürden.

Zum Beispiel?

Kulow: Tiefschnee, Baumstämme oder das Versinken in Spuren von Kufen. Das Eis auf dem Yukon war total gecrashed. Wäre gefrorenes Buschwerk in die Speichen geraten, wäre es das Ende gewesen.

Oft ging es auch steil bergauf. Das viele Geschiebe kostet Energie. Ich habe dann versucht Stufen in den Hang zu hauen, um nicht abzurutschen. Das ist aber auch vorgekommen (lacht). Sie können mir glauben, ich habe nicht nur einmal über dem Lenker gehangen!

Was war das Schönste?

Kulow: Meine Thermoskanne. Ich hatte noch Stunden später so heißen Tee, dass ich mir die Lippen verbrannt habe. Da habe ich Schnee in die Tasse rieseln lassen, dann war es stimmig.

Wann wussten Sie, dass eine gute Platzierung möglich wird?

Kulow: Ich war wirklich selbst überrascht, dass ich so weit vorn lag. Denn der Start war eine Katastrophe. Es lag frischer Schnee. Für die Schlitten war das egal, mich haben alle überholt! Ab Kilometer 30 wurde es besser. Nach einem Drittel der Strecke war ich der Situation, dem Gepäck und dem Rennen mental gewachsen. Da fiel mir auf, dass ich gar nicht so schlecht bin.

Am Ende haben Sie noch einige Teilnehmer überholt.

Kulow:  Meine ganze Erfahrung kam mir wohl zugute. Meine Strategie zum Schluss ging auf. Ich habe beim vorletzten Checkpoint mein Material perfektioniert, länger geschlafen und dann nicht mehr. Andere waren da bereits im Erschöpfungsmodus.

Wie waren die Checkpoints ausgestattet?

Kulow: Das war nur eine Hütte oder ein Zelt. Es war sehr warm dort, man konnte auch übernachten. Aber man muss sich vorstellen, da ist nur der Trail und sonst nichts. Nur Einsamkeit, Dunkelheit, Kälte und Nahrungsdefizit. Da war die Gefahr groß, zu lange in der Komfortzone zu verweilen oder müde zu werden. Da ist es besser, ständig draußen angepasst zu bleiben. Deswegen habe ich dort nur kurz gegessen, Wasser nachgefüllt und bin weiter. Geschlafen habe ich meist draußen.

Vor dem Ultra-Marathon sind Sie mit Ihrem Fatbike im Hotel Probe gefahren. Machen nur Verrückte bei dem Rennen mit?

Kulow: Das sind schon alles sehr spezielle Typen, kann man sagen. Ärzte aus Amerika zum Beispiel oder ein Bohrinsel-Taucher.

Andere Teilnehmer haben Erfrierungen davongetragen. Würden Sie das auch in Kauf nehmen?

Kulow: Mir war klar, das ich das nicht mitmache. Dieser Preis ist mir zu hoch.

Wie ist dieses extreme Abenteuer gegenüber anderen einzuschätzen?

Kulow:  Sehr anspruchsvoll. Da ist Wildnis und sonst nichts. In der Wüste weißt du, dass es auch mal kühler wird. Doch hier bist du der Kälte ausgesetzt. Machst du nur einen Fehler, bist du verloren.

Mal ehrlich: Haben Sie darüber nachgedacht, den Notfallknopf zu drücken?

Kulow: Auf gar keinen Fall. Den Tracker habe ich wie ein rohes Ei behandelt. Wenn der Rettungshubschrauber kommt, kostet das 30000 Euro!

Interview: Irene Burow

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