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Würdiges Ende für die Liedertafel

Gleschendorf Würdiges Ende für die Liedertafel

Gleschendorfer Männerchor wird im 160. Jahr seines Bestehens aufgelöst — Letzter Auftritt am 17. Januar.

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Vor 30 Jahren, im Mai 1986, sang die Gleschendorfer Liedertafel unter Leitung ihres Dirigenten Friedrich Wilhelm Neumann.

Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen

Der Abschied fällt allen nicht leicht. Dennoch werden sich Zuhörer und Sänger von der „Gleschendorfer Liedertafel von 1856“ trennen müssen. Im 160.

Jahr ihres Bestehens wird sie Ende dieses Monats aufgelöst. Der Ehrenvorsitzende Karl-Heinz Holtmann (76) sowie die verbliebenen acht Aktiven wollen der Liedertafel ein würdevolles Ende bereiten. Das treue Publikum kann den Männerchor ein letztes Mal während eines Gottesdienstes am Sonntag, 17. Januar, hören.

Seit Jahren zeichnete sich ab, dass es für die Liedertafel keine Zukunft mehr gibt. Immer wieder hatte Holtmann um Nachwuchs geworben, hatte junge Männer dazu aufgefordert, dem Traditionschor beizutreten. Durch Tod und Krankheit sei die Mitgliederzahl der Liedertafel jedoch immer weiter gesunken.

Derzeit gehören ihr als älteste Sänger der 92-jährige Hugo Tode und Werner Heuser (85) sowie Wolfgang Bannow, Marcus Bluhm, Karl-Heinz Holtmann, Hans Kahl, Jens Ocinski, Jürgen Pump und Rainer Zabel an. Sie alle sind heute Abend zur 160. Generalversammlung eingeladen. Auch diese Veranstaltung findet, wie auch die Chorproben, bei Holtmann zu Hause statt. Der Vorsitzende wird dann seinen Jahresbericht abgeben und unter anderem berichten, dass sich die Liedertafel im vergangenen Jahr 37 Mal traf oder dass das Durchschnittsalter der Sänger 73 Jahre beträgt. Heute soll auch konkret über die Auflösung des Vereins gesprochen und dafür eine außergewöhnliche Generalversammlung zu Dienstag, 26. Januar, einberufen werden. Dann wird das endgültige „Aus“ dieses Traditionschores besiegelt.

Zuvor, am Dienstag, 12. Januar, wird noch der 160. Geburtstag der Liedertafel gefeiert. Dazu treffen sich die Aktiven mit ihren Partnerinnen in der Gaststätte „Stadt Hamburg“. Wenige Tage später dann, am 17. Januar, will der Gleschendorfer Pastor Jörg Rasmussen seinen Sonntagsdienst ganz auf die Liedertafel abstimmen. Die Sänger selber werden drei Lieder beisteuern. Geübt werden derzeit „Brüder reicht die Hand zum Bunde“ von Wolfgang Amadeus Mozart, der plattdeutsche „Abendfreden“ von Karl Stiehl mit den Worten von Klaus Groth und „Min Holstenland“ von H. Tews. Dann wird auch die Chorleiterin und Organistin Margarita Priebe in der Kirche dabei sein. Nach dem Gottesdienst ist ein Empfang im Alten Pastorat geplant. „An dem Tag werden wir bestimmt alle einen dicken Kloß im Hals haben“, vermutet Holtmann, der seit 1968 Chormitglied ist.

Er erinnert sich nur allzu gerne an die vielen Auftritte, von denen ihm besonders die mit anderen Singgemeinschaften in Erinnerung sind, sowie an die besonderen Jubiläumsfeiern, an die Masken- und die Herbstbälle. „Früher hatten wir in jeder Stimme zehn bis zwölf Sänger. Heute singen wir zu neunt vierstimmig“, bedauert er.

Natürlich gab es in der 160-jährigen Geschichte viele Dirigenten. Zuletzt waren es zumeist Studenten der Musikhochschule Lübeck, mal aber auch Sänger aus den eigenen Reihen. Prominentester Dirigent dürfte der Kapellmeister Erwin Jamrosy gewesen sein. Er lebte in der damaligen Gemeinde Gleschendorf und war Dirigent der Eutiner Sommerspiele. Jamrosy sorgte auch für einen Bühnenauftritt der Liedertafel. Im Jahr 1957 gehörten die Gleschendorfer zum Jägerchor im „Freischütz“ und zum Dorfbauernchor in „Die verkaufte Braut“.

Bei allen Turbulenzen und Schwierigkeiten, die es in den Jahrzehnten des Bestehens gab, haben sich die Gleschendorfer Sänger bis zuletzt an eines gehalten. Holtmann: „Wir sind eine Liedertafel, und deshalb tafeln wir auch.“ Daran hätten auch alle Dirigenten nichts ändern können. Die allermeisten Übungsabende fanden im „Stadt Hamburg“ statt. Erst wurden die alkoholhaltigen Getränke auf die Tische gestellt, danach Zigaretten und Zigaretten angezündet, und dann erst wurde gesungen. Holtmann: „Das Tafeln haben wir also nie vergessen.“

Aus der Historie: Sänger bekommen Zelter-Plakette und nehmen Musikkassette auf
1856 gründet Hans Hinrich Witt die Gleschendorfer Liedertafel und übernimmt auch die musikalische Leitung.



1864 nimmt der Chor am Niedersächsischen Sängerbundfest in Lübeck teil. Erstmals wird dort das Banner der Liedertafel gezeigt.

1920 tritt die Liedertafel dem Sängerbund fürs Fürstentum Lübeck, dem späteren Kreis Eutin, bei.



1926 wirken die Gleschendorfer Sänger anlässlich der Carl-Maria- von-Weber-Feier in Eutin bei der Aufführung im „Freischütz“ mit.



1946, am 22. Oktober, war nach dem Krieg der erste Übungsabend im Gasthof „Stadt Hamburg“. Ermöglicht wurde dies durch die Genehmigung der britischen Militärregierung.



1957 gab es die vom Bundespräsidenten gestiftete Zelter-Plakette.



1994 wurde unter Leitung des damaligen Dirigenten Kurt Rothe eine Musikkassette besungen.

Christina Düvell-Veen

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