Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Wurden Polizeischülerinnen in Eutin von Kollegen drangsaliert?
Lokales Ostholstein Wurden Polizeischülerinnen in Eutin von Kollegen drangsaliert?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:56 09.05.2016
Mehrere Polizeischülerinnen aus Eutin berichten, Opfer von Mobbing und Sexismus geworden zu sein. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Anzeige
Eutin/Kiel

Als sich die jungen Frauen an ihre Vorgesetzten wendeten, geschah nichts. Zwar leitete die Polizei den Fall an die Lübecker Staatsanwaltschaft und die Polizeiabteilung des Innenministeriums weiter. Die Vorwürfe aber erschienen „nicht inhaltsschwer“ genug für ein Dienstvergehen, heißt es in der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Patrick Breyer. Die Vorfälle sind durch Zeugenaussagen belegt.

Im Schwimmunterricht soll eine Polizeischülerin von einem männlichen Kollegen sexuell belästigt worden sein. In einem Handy- Spiel sei das Konterfei einer Mitschülerin als Zielobjekt montiert worden. In einem anderen Fall sei ein NPD-Plakat gezeigt worden mit der Aufschrift „Ist der Ali kriminell, in die Heimat, aber schnell.“ In einer geschlossenen Gruppe von WhatsApp sollen Bilder mit eindeutig pornografischem Inhalt aufgetaucht sein. Polizeianwärter mit Migrationshintergrund sollen als „Kanacke“ oder „Kümmeltürke“ beschimpft worden sein.

Breyer kritisiert, dass dieses Verhalten keine disziplinarische Folgen hat. Er ruft jetzt den Landtag an. „Sind solche Polizeischüler im richtigen Beruf?“, fragt der Abgeordnete. „Darf ich jemanden, der rassistische Parolen verbreitet, in einen Beruf lassen, in dem es auch gilt, Flüchtlinge zu beschützen?“

Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren der Lübecker Staatsanwaltschaft wurde im Oktober 2015 eingestellt. Beleidigungen können nur verfolgt werden, wenn binnen drei Monaten ein Strafantrag gestellt ist. Das war unterblieben. Die Verbreitung pornografischer Inhalte ist nicht strafbar, wenn sie im Netz in einer geschlossenen Gruppe geschieht. Das war in Eutin der Fall. „Wir haben lange und gewissenhaft geprüft“, sagt Lübecks Leitender Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders. Die Anwältin einer Betroffenen hat gegen die Entscheidung Beschwerde eingelegt. Die Sache liegt beim Generalstaatsanwalt.

Ende 2014 berichteten mehrere Polizeischülerinnen ihrem Vorgesetzten erstmals, dass sie von Kollegen drangsaliert würden. Im Januar 2015 wurden die Betroffenen in Anwesenheit der Gleichstellungsbeauftragten des Landes unter anderem von Disziplinarermittlern des Innenministeriums angehört. Im Frühjahr 2015 entschieden sich die Frauen zu einer Strafanzeige und holten sich Rechtsbeistand.

„Im Zuge der Verwaltungsermittlungen“ seien keine belastbaren Anhaltspunkte für ein Dienstvergehen festgestellt worden, deshalb sei konsequenterweise auch kein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, teilte das Innenministerium mit. Die Verfahrensunterlagen wurden „aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen“ vernichtet. Das zuständige Ausbildungspersonal in Eutin sei „für mögliche weitere Entwicklungen“ sensibilisiert worden.

Von Curd Tönnemann und Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ausgesprochen zufrieden zeigte sich Organisator Jan-Eric Hertwig am Sonntag direkt nach dem 13. Grömitzer Sun-Run. Rund 1000 Läufer waren bei bestem Wetter an den Start gegangen.

08.05.2016

Am Timmendorfer Platz hat sich ein neues Betätigungsfeld für zupackende Herren mit schwerem Werkzeug aufgetan, dieses Mal allerdings mit romantischem Hintergrund: Neben dem Alten Rathaus wird jetzt der Hochzeitshügel gebaut, auf dem sowohl geheiratet als auch aufs Eheglück angestoßen werden soll.

08.05.2016

In Niendorf ist die Saison offiziell mit dem Anbaden eröffnet worden. Das Spektakel lockte zahlreiche Schaulustige an.

07.05.2016
Anzeige