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Ostholstein Wurzelfäule: Neun Eschen gefällt
Lokales Ostholstein Wurzelfäule: Neun Eschen gefällt
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22:31 25.05.2018
Baumkontrolleur Hans-Alfred Will setzt eine Probebohrung an einer Wurzel, beobachtet von Förster Karsten Tybussek. Quelle: Fotos: Kleinschmidt
Scharbeutz

Mit einem besorgten Gesicht steht Tybussek im Wennseegehege nahe des Scharbeutzer Bahnhofes. Rund 30 Eschen wachsen in dem Mischwald. Jetzt sind diese zum Teil 123 Jahre alten und bis zu 40 Meter hohen Bäume stark bedroht. Grund ist das inzwischen weit verbreitete Eschensterben, das durch das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ verursacht wird. Seit etwa 20 Jahren taucht der Pilz immer häufiger in Deutschland auf.

 

Diese 35 Meter hohe Esche fiel bei Sturm auf die Bahnschienen.

Der Pilzbefall löst die Wurzelfäule aus, die die Bäume zu Fall bringen kann. So ist bei starken Orkanböen am 17. März eine 35 Meter hohe Esche auf die entlang des Wennseegeheges gelegene Bahntrasse gekippt. Der Zugführer konnte rechtzeitig bremsen, die Feuerwehr beseitigte die Baumkrone von der Bahnschiene, zu Schaden kam niemand. „Erst Anfang Mai hat mich die Bundespolizei über den Vorfall informiert“, berichtet Förster Karsten Tybussek, der jetzt aktiv werden musste.

Gemeinsam mit dem zertifizierten Baumkontrolleur von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Hans-Alfred Will, wurden vergangene Woche Probebohrungen mit einem sogenannten Bohrwiderstandsmessgerät an den Wurzeln der Eschen vorgenommen. „Wenn die Bohrnadel auf Widerstand stößt, ist es ein Zeichen dafür, dass der Baum gesund und die Wurzel intakt ist“, sagt Will. Bei der ersten Bohrung waren Tybussek und Will froh, dass auf dem Kontrollstreifen wellenartige Linien zu erkennen waren: Die erste Esche, die kontrolliert wurde, musste somit nicht gefällt werden. Anders sah es bei neun weiteren Eschen aus. Die ersten wurden gestern und vorgestern gefällt, da sie eine Gefahr für den Bahnverkehr darstellten.

„Alle Bäume werden jährlich kontrolliert und von außen betrachtet“, berichtet Karsten Tybussek. „Dass ein grüner Baum, der auf den ersten Blick gesund aussieht, gefällt werden muss, liegt also an der Wurzelfäule, die der Pilz verursacht und die nur durch die jetzt angewandten Bohrungen festzustellen ist.“ Übertragen wird das Falsche Weiße Stängelbecherchen durch Sporen. Es kann Jahre dauern, bis sich der Pilz von der Baumkrone aus bis in die Wurzeln verbreitet, bei anderen Eschen kann ein Baum innerhalb von zwei Jahren zum Fällen verurteilt sein.

Innerhalb der nächsten Jahre müssen zwangsweise wohl alle 30 Eschen im Wennseegehege gefällt werden. Neue Eschen können und werden nicht gepflanzt, da inzwischen ein Pflanzverbot für Eschen erlassen wurde.

Revierförster Karsten Tybussek bittet die Bevölkerung um Verständnis, wenn nun einige Eschen weichen müssen. „Nur im Notfall müssen benachbarte Bäume mit gefällt werden“, sagt der Revierförster. Ein solcher Notfall war eine Kirsche, bei der die Bohrprobe ergab, dass sie innen faul war. „Sie hatte nur noch 14 Zentimeter Zugholz“, sagt Tybussek. Da reiche ein kräftiger Windstoß, um sie auf die Schienen zu kippen.

Das Eschensterben hat sich nach Angaben von Martin Schmidt, Sprecher des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, flächendeckend ausgebreitet. Es betrifft Bäume jedes Alters, und jedes Jahr wird neuer Befall festgestellt. Allerdings sei ein bestimmter Prozentsatz von Eschen resistent gegen den fatalen Pilzbefall. Ein Ansatz zur Bekämpfung des Eschensterbens ist es deshalb, mit resistenten Arten widerstandsfähige Eschen zu züchten.

 Von René Kleinschmidt

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