Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Zahlenspiele im Schulausschuss
Lokales Ostholstein Zahlenspiele im Schulausschuss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:42 07.11.2018
Einen Eindruck vom Unterricht in kleinen und engen Klassenzimmern vermittelte die gut besuchte Sitzung des Eutiner Schulausschusses im überfüllten Saal des Rathauses. Quelle: Dirk Schneider
Eutin

Hintergrund der Diskussion ist der Antrag der Freien Wähler Eutin, den geplanten Neubau der Grundschule Am Kleinen See zu nutzen und auf dem Gelände eine Art Schulzentrum zu schaffen. Statt die Wilhelm-Wisser-Schule am Berg, wie bislang von den politischen Gremien favorisiert und der Verwaltung geplant, für rund 20,6 Millionen Euro zu sanieren und bedarfsgerecht zu vergrößern sowie eine neue Dreifelder-Schulsporthalle für weitere acht Millionen Euro am Güterbahn zu errichten, sollten diese Bauvorhaben am Standort Kleiner See realisiert werden, argumentierte FWE Schulausschussmitglied Olaf Bentke. Diese Lösung, die von der Bürgerinitiative „Vernunft macht Schule“ entwickelt wurde, sei zudem durch weitere Synergieeffekte sogar deutlich kostengünstiger, rechnete Bentke vor. Je nach Modellrechnung und Zahlenbasis komme man bei einer geschätzten Gesamtinvestition von 36,8 Millionen auf eine Ersparnis von mindestens 1,3 Millionen wahrscheinlich sogar von sieben oder acht Millionen Euro. Hinzu kämen Erlöse aus der Vermietung oder dem Verkauf des dann frei werdenden alten Gebäudekomplexes.

Keine Notlösung, kein Millionengrab

„Und dafür bekommen wir keine Notlösung, sondern einen Neubau auf dem neuesten Stand“, unterstützte Ulrike Wörle (FWE) den Antrag. Diesem Argument konnte auch Hans-Georg Westphal (SPD) einiges Positives abgewinnen: „Bauen im alten Bestand ist erfahrungsgemäß ein Millionengrab. Auch ein ertüchtigter Altbau ersetzt keinen Neubau“, gab er zu bedenken.

Sascha Clasen (CDU) störte sich hingegen an „den unterschiedlichen Berechnungen“, die Bentke vorlegte und während der Sitzung mehrfach änderte. „Was hier passiert ist ein Jahrmarkt, da kann man keine vernünftigen Entscheidungen treffen.“

Berechnungen fehlerhaft

Auch Bauamtsleiter Henning Schröter, der süffisant in einem Posten Bentkes ein weiteres Einsparpotenzial von 19 Prozent durch die Doppelberechnung der Mehrwertsteuer entdeckte, „möchte die Zahlen anzweifeln, die jemand per Google aus dem Internet zusammenholt“. Und auch Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) vertraut eher den Zahlen, die Verwaltung und Bauamt fach- und sachgerecht ermittelt hätten. „Es gibt eine Kalkulation. Die ist hieb- und stichfest.“ Aus diesem Grund sehe er wenig Sinn darin, das Zahlenmaterial erneut zu prüfen.

Bauamtsleiter Henning Schröter erklärte den Entwurf des Raumplans für die erweiterte Wisser-Schule. Quelle: Dirk Schneider

Dieser Schlussfolgerung mochte die Ausschussvorsitzende Monika Obieray (Grüne) nicht uneingeschränkt folgen. „Dies ist eine der größten Investitionen, die wir auf absehbare Zeit tätigen werden. Das müssen wir seriös entscheiden.“

Am Ende entscheidet der Bürger

Matthias Rachfahl bewertete die Situation sehr pragmatisch. „Wir haben ohnehin den Bürgerentscheid vor der Tür. Da sollte man sich jetzt hinsetzen und die Unterschiede für beide Lösungen herausarbeiten.“

Um die Kostenschätzungen für die beiden Vorschläge objektiv vergleichen zu können, soll nun ein Gespräch zwischen dem Bauamt und der Bürgerinitiative erfolgen, in dem gemeinsame Kennzahlen für Raumgrößen und -bedarfe und weitere wichtige Parameter abgestimmt werden, um die Berechnungen für die erforderlichen Schulbaumaßnahmen objektiv vergleichen zu können. Und auch hier lauert der Teufel im Detail, wie die vorausgegangene Diskussion um das Raumprogramm für die Wisser-Schule zeigte. So wurde beispielsweise die in Absprache mit den Pädagogen vorgeschlagene Veränderung der künftigen Klassenraumgröße von 55 auf 70 Quadratmeter aus dem Beschlussvorschlag gestrichen. Die Beratungen sollen nun in Sondersitzungen intensiviert und fortgesetzt werden.

Dirk Schneider

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kommende Woche wechselt die Filiale in die neuen Räume. Damit wird der Weg frei für den Bau des Einkaufszentrums.

07.11.2018

Der Verkehrsminister fordert die Bahn auf, trotz der kürzeren Frist gemeinsam mit den Kommunen nach verträglichen Lösungen für die Anbindung der festen Beltquerung zu suchen.

07.11.2018

Zurzeit lebt „Jerry“ im Tierheim Lübbersdorf. Auch die weiteren Bewohner dort warten darauf, abgeholt zu werden.

07.11.2018