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Ostholstein Das Hochwasser ist weg: Ostholstein räumt auf
Lokales Ostholstein Das Hochwasser ist weg: Ostholstein räumt auf
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17:46 03.01.2019
Ein Auto wurde auf dem Steinwarder von Wassermassen eingeschlossen. Quelle: Markus Billhardt
Ostholstein

Das Sturmtief „Zeetje“ ist abgezogen. Am Tag danach werden die Auswirkungen vielerorts in Ostholstein sichtbar. Besonders heftig hat es die Strände erwischt. In einigen Gemeinden wurden große Mengen Sand weggespült. Auf Fehmarn und in Heiligenhafen waren Dutzende Haushalte mehrere Stunden ohne Strom. In Neustadt gab es drei Leichtverletzte, darunter zwei Feuerwehrleute.

100 Helfer von THW, DRK, Polizei und Feuerwehr (auch aus Grömitz) waren in Neustadt am Mittwoch von 10 bis 22 Uhr im Dauereinsatz, kämpften gegen das überraschend stark ansteigende Hochwasser am Nachmittag. Nach Angaben von Wehrführer Alexander Wengelewski ist ein Mann bei dem Versuch sein Boot zu sichern, gestürzt und hat sich dabei eine Lippenverletzung zugezogen. Dabei hatten die Ehrenamtler mehrfach davor gewarnt, die rutschigen Stege am Binnenwasser zu betreten. Einige dieser Eigenkonstruktionen von Fischern wurden beschädigt. „Stege sind umgefallen und kaputtgegangen. Zudem haben sich Boote losgerissen, einige sind gesunken“, sagt der Wehrführer. Eine Feuerwehrfrau habe sich beim Füllen der Sandsäcke leicht am Rücken verletzt, ein Kamerad sei gestürzt. „Das war zum Glück nichts Wildes“, sagt Alexander Wengelewski.

Nach dem Hochwasser am 2. Januar ist wie hier in Pelzerhaken noch gut erkennbar, wie hoch die Wellen der Ostsee gekommen sind. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Strandzugänge müssen repariert werden

Die Folgen des Sturmtiefs beschäftigten auch Neustadts Bürgermeister Mirko Spieckermann (parteilos). Donnerstagmorgen fuhr er mit Mitarbeitern von Bauhof und Tourismus-Service die Strände ab. „Wir haben einen starken Substanzverlust in der Düne. Der Strand selbst wurde nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen“, informierte er. Jedoch seien einige der Zugänge beschädigt worden und müssten wiederhergestellt werden. Dennoch sei die Situation insgesamt besser als erwartet und Spieckermann dankte vor allem den Einsatzkräften für ihre geleistete Arbeit.

Janina Kononov, Marketing-Leiterin vom Grömitzer Tourismus-Service, war ebenfalls auf Kontrollfahrt. „Es ist nichts Schlimmes passiert. Viel Sand ist weg, und die Dünen wurden arg angefressen. Nun warten wir erstmal ab, was in den nächsten Monaten noch so kommt und reagieren im Frühjahr“, erläuterte sie. Auch Dahme und Kellenhusen kamen glimpflich davon. Zwar wurden Sandfangzäune durch die Hochwasserwellen an den Stränden umgestoßen und im Dahmer Strandspa lief Wasser in den Keller. Aber: „Wir hatten nach der Prognose mit Schlimmerem gerechnet“, sagte Kellenhusens Touristikleiter Thorsten Brandt.

Fehmarn und Heiligenhafen teils ohne Strom

Weiter nördlich auf Fehmarn wirkte sich das Wetter auf die Stromversorgung aus. Die SH Netz AG teilte Donnerstagvormittag mit, dass das Hochwasser an der Ostseeküste einen Stromausfall auf Fehmarn verursacht habe. Aus Sicherheitsgründen hätten die Mitarbeiter um 15.30 Uhr die Ortsnetzstation Westerbergen Strand vom Netz genommen. Von dem Stromausfall seien 58 Haushalte der dortigen Feriensiedlung betroffen gewesen – bis etwa 20.30 Uhr.

Als Reaktion auf das Ereignis kündigte Dirk Haß, stellvertretender Leiter des Netzcenters in Plön an: „Wir werden die betroffene Ortsnetzstation im Frühjahr dieses Jahres gegen eine sogenannte Hochwasserstation austauschen. Das heißt, sie wird auf einem rund drei Meter erhöhten Fundament errichtet. So sind wir für das nächste Hochwasser besser gerüstet.“

Der Stein- und Graswarder in Heiligenhafen wurden durch das Hochwasser stark beschädigt. Quelle: Markus Billhardt

Auch in Heiligenhafen im Bereich des Jachthafens und der Seebrücke musste die SH Netz AG vereinzelt Kunden vom Netz nehmen. Die Besucher des Weihnachtsmarkts auf der Seebrücke bekamen davon jedoch nichts mit, da in Absprache mit einem ortsansässigen Elektroinstallateur vorab eine provisorische Ersatzversorgung aufgebaut werden konnte. „Durch den umsichtigen Einsatz von erfahrenen Kollegen und schweren Geländefahrzeugen konnten wir größere Stromausfälle in Heiligenhafen verhindern“, berichtet Dirk Haß. „Lediglich in der Straße Seepark mussten wir gegen 14.45 Uhr einen überschwemmten Kabelverteilerschrank vom Netz nehmen. Die rund zehn Haushalte waren nach 90 Minuten wieder versorgt.“

In Heiligenhafen hat es darüber hinaus den Stein- und Graswarder hart getroffen. Bauamtsleiter Roland Pfündl nahm bereits am Donnerstagmorgen mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz die Schäden in Augenschein: „Es ist beachtlich viel kaputtgegangen.“ Eine Menge an Sand sei mit den Wellen davon gespült worden, der für die touristische Saison sowie für den Küstenschutz eine gewichtige Rolle spiele. „Es werden wohl immense Kosten auf uns zukommen“, sagt Pfündl. „Wir müssen sehen, wie wir das finanziert bekommen.“

Die Folgen des Hochwassers

Sebastian Rosenkötter und Markus Billhardt

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