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Ostholstein Zeltgemeinschaften — die „Seelen der Gilde“
Lokales Ostholstein Zeltgemeinschaften — die „Seelen der Gilde“
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09:35 26.06.2013
Auch in der jüngsten Zeltgemeinschaft, der „Achtundachtziger“, feiert die ganze Familie die „Tage der Rosen“ mit. Quelle: Fotos: Holger Marohn
Oldenburg

Wenn die letzten Schüsse auf den Gildevogel in der Nacht verhallt sind, dann geht die Party beim Oldenburger Gildefest rund um den Festplatz erst richtig los. 40 Zeltgemeinschaften haben traditionell ihre Hütten in dem Rund stehen — die älteste ist weit über 100 Jahre alt, die jüngste, „De achtundachtziger“, feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen.

„Dafür haben wir unser 4-Sterne-Zelt extra renoviert“, berichtet Günther Panitzky. Bereits in der fünften Generation ist seine Familie in der Gilde. Als jüngster ist sein Sohn Niklas (18) Pfingsten in die Gilde und dann als elfter Gildebruder in die Zeltgemeinschaft aufgenommen worden. Zusammen mit den Gildeschwestern hat die Gemeinschaft 20 Mitglieder — zuzüglich einer handvoll Kinder.

Die Gemeinschaften sind die verschiedenen Großfamilien der Gilde. Während in den Zelten und davor die Erwachsenen zusammensitzen, toben die Kinder über den Platz. So hat Niklas beim Gildefest mit Opas Gildestock in der Hand das Laufen gelernt. Von seinem inzwischen verstorbenen Opa hat er auch die Gildeplakette und seinen Zylinder geerbt. Nur der schwarze Gehrock ist ihm zu groß — noch. Die Aktivitäten gehen dabei weit über die „Tage der Rosen“ hinaus. „Wir machen Fahrradtouren, treffen uns zu Grillfesten oder helfen uns in Notfällen“, erzählt Kay Kripke.

Genau zehn Jahre älter ist die benachbarte Zeltgemeinschaft „De fidele Holtbood“. „Wir waren damals zehn Jungs und alle so Mitte bis Ende 20 und wollten hier unser eigenes Ding machen“, sagt Gründungsmitglied Hans-Jürgen Löschky. Nach positiv beschiedenen Antrag beim Vorstand war „De fidele Holtbood“ gegründet. Dank eines Tischlers in den eigenen Reihen wurde unter professioneller Anleitung die erste Holzbude zusammengezimmert. Innen hat das „Zelt“ so ziemlich alles, was das Gildebruder-Herz begehrt: Abstellraum mit Getränkelager, Spüle, Kühlschrank und einen großen Spiegel an der Wand. „Der ist für alle, die ihre Krawatte sonst nicht binden können“, sagt Löschky. Damit die Hütte jedes Jahr auch genau am gleichen Platz steht, haben die Holzhüttenbauer sogar ein paar Grenzsteine als Markierung im Rasen versenkt.

Im Rund sind die fidelen Holtbooden-Bewohner auch für ihre Scherze bekannt. So hat Zeltvater Dieter Panitzky in diesem Jahr eine Vogelschießanlage mit Gummiwand-Gewehr gebastelt. Fällt der Vogel, springt ein Kassettenrekorder auf einem Bollerwagen an und dudelt zünftige Marschmusik.

Gildegeschichtlich gehören die Zeltgemeinschaften eher der Neuzeit an — denn sie entstanden „erst“im 19. Jahrhundert.„Heute sind unsere Zeltgemeinschaften der Kern, die ,Seele des Gildelebens‘“, sagt Öllst Hans-Heinrich Landt. Und sie lösen auch ein ganz anderes Problem: Für die 1030 Mitglieder von Deutschlands ältester Gilde zuzüglich Anhang wäre weit und breit kein ausreichend großer Festsaal zu finden.

„Wir treffen uns zu Grillfesten und helfen
uns in Notfällen.“

Kay Kripke

Holger Marohn

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