Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Zeugin belastet Witwe schwer
Lokales Ostholstein Zeugin belastet Witwe schwer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:32 31.05.2018
Die Angeklagte verbarg ihr Gesicht vor der Presse. Quelle: Foto: Rosenkötter
Lübeck

Rückblick: Am 14. Mai 2006 wird der Neustädter Geschäftsmann in seinem Wohnhaus von einem mutmaßlichen Einbrecher lebensgefährlich verletzt, zwei Monate später stirbt er an den Folgen. Der zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alte Obdachlose hatte den 63-Jährigen mit einem 14 Zentimeter langen Fleischermesser attackiert. Der Angreifer wird noch am Tatort festgenommen, gesteht und wird im darauffolgenden Spätherbst zu mehr als acht Jahren Gefängnis verurteilt. Die Frau des Ermordeten streitet unmittelbar nach der Tat ab, den Mörder ihres Mannes zu kennen.

„Sie hat gesagt, ihr Mann musste weg, und dass sie jemanden von der Mafia gehabt hätte, einen Italiener, aber der war zu teuer.Zeugin

über die Witwe

Zeugin saß wegen Betrugs Freiheitsstrafe ab

Eine Falschaussage: Dies räumte die heute 67-Jährige zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche ein (die LN berichteten). Die beiden hatten sich Monate vor der Tat kennengelernt. Zudem ließ die Frau den Mann drei Monate in ihrem Keller wohnen (sie hatte ein eigenes Haus neben dem ihres Ehemannes). All dies erzählte auch die gestern als Zeugin geladene Frau des verurteilten Mörders. Dabei bezog sie sich sowohl auf Gespräche mit der Witwe als auch mit ihrem Mann. Sie schilderte, wie sie ihn, den Mörder, im Freigängerhaus der Lübecker Justizvollzugsanstalt Ende 2012 kennenlernte und Anfang 2013 heiratete. Sie selbst habe gerade eine Strafe wegen Betrugs abgesessen. Es war ihr dritter Gefängnisaufenthalt.

Etwa ein Jahr später habe sie Kontakt zu der Witwe aufgenommen, zunächst telefonisch. „Ich wollte die Stimme von der Frau hören, die mit dem Mörder ihres Mannes im Bett war“, erläuterte sie. Kurz darauf trafen sich die Frauen in Neustadt, lernten sich kennen. Beide betonten, sich anfangs durchaus sympathisch gewesen zu sein.

Die Zeugin sprach vor Gericht ausführlich über die Begegnungen. „Sie hat gesagt, ihr Mann musste weg, und dass sie jemanden von der Mafia gehabt hätte, einen Italiener, aber der war zu teuer“, verdeutlichte sie. Eine Scheidung sei nicht infrage gekommen, da ihr Mann ihr alles genommen hätte. Dies habe die Neustädterin mehrfach betont. Außerdem habe sie zusammen mit dem Mörder ihres Mannes ein Messer aus ihrer Küche ausgewählt und es ihm gegeben. „Es sollte wie ein Einbruch aussehen“, betonte die Zeugin.

Geldgeschenke oder Schweigegeld?

Im Fokus der Befragung stand auch der Transfer von Geld. In den Wochen nach dem ersten Treffen habe die Witwe ihr Geld angeboten und insgesamt 1520 Euro sowie Bettzeug, Lebensmittel und Reinigungsmittel geschenkt. Dies sei Schweigegeld gewesen, damit sie niemandem verrate, dass die Witwe den Mörder kannte. „Ich wollte das nicht. Ich wollte, dass sie zur Polizei geht“, sagte die Zeugin. Erst später, als ihr Mann schwer krank geworden sei, habe sie Geld angenommen. Jedoch habe sie die Witwe nie erpresst. Ein entsprechendes Verfahren wurde eingestellt.

Der Fall wurde 2014 neu aufgerollt

Zuvor hatten die geleisteten Zahlungen für Ärger gesorgt. Die Auseinandersetzung eskalierte. Im April 2014 ging die Witwe zur Polizei, erstattete wegen Erpressung Anzeige. Die Polizei ermittelte und kam zu dem Schluss, dass die Neustädterin etwas mit der Ermordung ihres früheren Ehemannes zu tun haben könnte. Es wurde Anklage wegen Beihilfe zum Mord erhoben. Wie glaubwürdig die Aussagen der Zeugin sind, muss das Team um Richter Christian Singelmann bewerten. Fakt ist: Ihre gestrigen Angaben und die während einer Vernehmung im Jahr 2014 unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander. Unter anderem hatte sie damals laut Richter Singelmann angegeben, dass die Witwe immer wieder gesagt habe, dass die Gespräche über eine mögliche Ermordung ihres Mannes nur Gerede seien, sie diese nicht ernst genommen habe.

Aufklärung könnte der kommende Prozesstag bringen. Am 6. Juni will Singelmann den verurteilten Mörder befragen. Dies wird in dessen Wohnung geschehen, da der Mann teilweise gelähmt ist.

Sebastian Rosenkötter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!