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Ostholstein Zoff in der Fraktion: Grüne schmeißen Max Plieske raus
Lokales Ostholstein Zoff in der Fraktion: Grüne schmeißen Max Plieske raus
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09:40 02.03.2017
Kann Max Plieske in der Bosauer Grünen-Fraktion endgültig einpacken? Zunächst ist er erst einmal ausgeschlossen worden. Doch dagegen will er gerichtlich vorgehen. Quelle: Fotos: Peyronnet, Privat

Es rumort schon seit Monaten in der Fraktion der Grünen in der Bosauer Gemeindevertretung. Jetzt gipfelte der Streit im Ausschluss von Max Plieske aus der Fraktion.

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Bosauer Politiker wehrt sich gegen Ausschluss – „Bin gemobbt worden“.

Der Beschluss sei einstimmig gefallen, teilte der Ortsvorsitzende Rolf Kotthoff mit. Er ist bürgerliches Mitglied und stellt zusammen mit den Gemeindevertretern Frank-Michael Sobieski (Vorsitzender und in diesem Amt Nachfolger von Plieske), Charlotte Jurenz und Matthias Botzet die verbliebene Grünen-Fraktion. Unterdessen wehrt sich Plieske gegen den Rauswurf.

Die Fraktion kreidet ihm zweierlei an: dass er die Vertrauensbasis zerstört habe und dass er ohne Information an die Fraktion seinen Vorsitz im Wirtschafts- und Tourismusausschuss niedergelegt habe.

„Nachdem der Fraktion durch das Fraktionsmitglied Plieske das Vertrauen entzogen wurde und es statt der Suche des Gesprächs und der Erklärung Belehrungen und Beschimpfungen hagelte, ist den übrigen Mitgliedern der Fraktion eine weitere Zusammenarbeit durch die Störung des Vertrauensverhältnisses unzumutbar“, formulierte Kotthoff. Da sei der Ausschluss nur folgerichtig gewesen. Vor einer Woche hatte die Fraktion Plieske nahegelegt, alle Ämter niederzulegen und sein Mandat an die Grünen zurückzugeben.

Auf dessen Weigerung folgte jetzt der Ausschluss. Alle Versuche der Versöhnung seien fehlgeschlagen. „Wir hatten ihm immer Zeit gegeben, haben ihm Brücken gebaut und Geduld gehabt“, sagte Kotthoff.

Doch Plieske habe eine andere Wahrnehmung als der Rest der Fraktion. Kotthoff: „Wir können nicht mehr zusammenarbeiten.“

Plieske reagierte gestern auf den Ausschluss mit einer Fahrt zu seinem Anwalt. Er wolle, kündigte er an, per Einstweiliger Verfügung den Rauswurf rückgängig machen und über die aufschiebende Wirkung zunächst einen Stillstand erreichen. Über Monate sei er gemobbt worden, sagte Plieske weiter, und dass es im Januar Gerüchte gegeben habe, dass man ihn vom Vorsitz im Wirtschafts- und Tourismusausschuss absägen wolle. „Da bin ich als Vorsitzender zurückgetreten, bevor man mir den Stuhl vor die Tür setzt.“ Das habe er der Fraktion schriftlich mitgeteilt.

Dass es zu dem Zerwürfnis kommen konnte, liegt laut Plieske unter anderem an seiner Haltung zum umstrittenen Bau von Windrädern bei Hutzfeld. Er habe sich nicht mit der Bürgerinitiative gegen die Windkraft solidarisiert. Das sei ihm angekreidet worden. Mit dem Protest solle jedoch ein grünes Kernthema, die Energiewende, infrage gestellt werden, was er nicht mittragen könne. „Sonst habe ich nichts gemacht.“ Im Übrigen sei der Ausschluss weder form- noch fristgerecht erfolgt. Ausschlussgründe sehe er auch nicht, so Plieske.

Sein Mandat als Gemeindevertreter hat er nicht zurückgegeben. Er wird nach dem Rauswurf zunächst als parteiloses Mitglied in der Gemeindevertretung sitzen. Damit verschieben sich die politischen Verhältnisse in Bosau. Der CDU (neun Sitze), stehen SPD (vier), Grüne (jetzt drei) und FDP (zwei) gegenüber, plus ein Fraktionsloser. „Jetzt steht es neun zu neun“, sagt Plieske, „denn ich werde nicht mit den Leuten stimmen, die mich an den Galgen hängen.“ Kotthoff dagegen bescheinigt Plieske eine andere Sichtweise und sagt: „Er wird den Aufstand proben, aber mehr wird nicht passieren.“

Max Plieske war Gründungsmitglied der Grünen in Bosau. Zuvor war er Mitglied der Freien Wähler, dann der SPD, dann kamen die Grünen. 2013 war Plieske zu deren Kreisvorsitzenden gewählt worden. Das Amt hatte er nur wenige Monate inne, bereits im April 2014 folgte der Rücktritt. Plieske war bei der Wahl zum Bundesdelegierten durchgefallen. Lediglich acht von 29 Mitgliedern hatten für ihn gestimmt.

In Bosau hatte Plieske bis nach der Kommunalwahl 2013 zunächst das Amt des Grünen-Fraktionsvorsitzenden inne. 21,7 Prozent der Stimmen hatte seine Partei eingefahren. Mitte 2016 folgte dann die überraschende Ablösung als Fraktionschef durch Frank Sobieski.

Nach dem Rauswurf müssen nun die Ausschuss-Sitze in der Bosauer Gemeindevertretung neu verteilt werden. Das wird in der nächsten Sitzung geschehen.

 Susanne Peyronnet

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