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Ostholstein Zu Fuß von Schweden nach Sydney
Lokales Ostholstein Zu Fuß von Schweden nach Sydney
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22:13 26.06.2013
Von Gerd-J. Schwennsen
 1 Eine Wasser-Trinkflasche gehört unbedingt dazu. Nicht überall gibt es eine Tasse Kaffee.

Na klar, er hat Zeit. Sehr viel Zeit sogar. Und für eine Tasse Kaffee mit einem Schuss Bio-Milch auf der Gartenterasse des LN-Redakteurs allemal.

Denn niemand drängt Mats Andrén, sich zu beeilen. Keine Familie, kein Arbeitgeber. Nicht einmal er selbst.

Für die nächsten drei Jahre hat sich der 51-Jährige Großes vorgenommen. Von Stockholm zu Fuß bis nach Sydney. Nur mit einem ungebauten Kinderwagen, den er vor sich herschiebt. Mit fest verstauten Aluminiumkisten, einem (hoffentlich) regensicheren Zelt, ein paar wenigen Reise-Utensilien. Ohne Sitzmöglichkeit, ohne PS, ohne . . . „Minimalistisches Leben und Reisen“ nennt der Fotograf und Fotografie-Dozent das Abenteuer, auf das er sich eingelassen hat.

Noch aber steckt er erst in den Anfängen. Anfang Mai ist Andrén in Stockholm gestartet. Vorher hat er reinen Tisch gemacht. Alle Rechnungen bezahlt, alles Sonstige erledigt. Jetzt hat er den Kopf ganz frei. Er lächelt. „Ich kann selbst entscheiden, wann ich wohin will.“ Die grundsätzliche Entscheidung ist natürlich längst gefallen. „Ich will auf der langen Tour nach Sydney so viel gehen wie möglich ist.“ Möglichst billig, möglichst ohne große Geldausgaben.

Und nie einfach geradeaus, wenn es doch auch anders geht — und zudem viel schöner ist. Die großen Transitstrecken meidet er. Die eher abgelegenen Routen, die grünen Alleen oder die kleinen Dörfer und unbewohnten Plätze schätzt er.

Das taugt mitnichten für Temporekorde. Aber darauf ist Mats Andrén ohnehin nicht aus. Die ersten rund 1400 Kilometer liegen bereits hinter ihm. Quer durch Südschweden und Dänemark. Immer so billig wie möglich. Mal bei guten Freunden übernachten, mal bei fernen Bekannten oder allein auf dem Zeltplatz. „Auf den meisten Plätzen sind Menschen, auf die gehe ich zu. Wo Menschen sind, gibt es auch etwas zu essen“, sagt er. Seitdem er die nordischen Länder hinter sich gelassen hat, werden die festen Adressen rarer.

Zuletzt auf Lolland zeltet er auf einem Campingplatz bei Rødby. Am Morgen schiebt er sein Gefährt auf eine Fähre — er erreicht Deutschland. Puttgarden, seine erste Station in diesem Land.

Die Nachricht von dem Schweden hat sich schon bis Fehmarn herumgesprochen. Kaum hat er die Fähre verlassen, schon das erste „internationale Interview“ im Garten des LN-Redakteurs, notiert er in seinem Tagebuch. Nur ein kleiner Umweg für ihn. Bereitwillig erzählt der 51-Jährige von seinem Abenteuer — und lächelt entspannt. Sein Gastgeber hat einen Wasserschaden im Haus, zwischendurch klingelt ein Monteur an der Haustür. Alltagssorgen. Die hat der Fotograf für drei Jahre vollends abgestreift. Er denkt nur an Sydney. Und an den Weg dorthin.

Geschätzt 25 000 bis 30 000 Kilometer dürften es bis dahin werden. In drei Jahren möchte er ankommen. In Sydney, wo Mats Andrén im Jahr 2000 zuletzt war. Das ihn jetzt aber wieder magisch anzieht.

Der Schwede löst endlich auf: Er ist dort aufgewachsen. „Dort ist mein zweites Zuhause.“ Unklar ist noch der Weg dorthin. Hamburg, Niederlande, Belgien sind die nächsten Ziele. Vielleicht unternimmt er dann einen Abstecher nach England. Oder es geht gleich die französische und italienische Küste entlang. Größere Fragezeichen gibt es aber in Asien. „Iran sieht gut aus, Pakistan jetzt nicht so sehr“, erzählt der Abenteurer. Doch das beunruhigt ihn noch nicht. Wer weiß, wie es 2015 in Birma, Thailand und Indonesien aussieht? Oder in Sydney? Momentan sucht Mats Andrén in Ostholstein die richtige Route — und Schlafplätze.

Tour im Internet
Mats Andrén ist allein unterwegs, Sponsoren hat er keine. Wer wissen will, wie es mit ihm auf seiner Tour weitergeht, kann alles genau im Internet nachlesen unter www.the-walk.se.

Auch der Besuch beim LN-Redakteur in Puttgarden am Montag ist bereits in Wort und Bild kurz dokumentiert. Danach ging es über Burg, um Euro einzutauschen, in Richtung Festland in die Nähe von Neukirchen. Der letzte Eintrag von gestern zeigt Mats südlich von Grömitz.

Gerd-J. Schwennsen

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